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Trauer nach Selbstverbrennung von Journalistin in Nischni-Nowgorod

Von   /  4. Oktober 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- In mehreren russischen Städten, darunter auch St. Petersburg fanden am 3. Oktober spontane Trauerveranstaltungen für die Journalistin Irina Slawina, die sich am Tag zuvor in Nischni-Nowgorod verbrannt hatte. Der schockierende Selbstmord fand nach einer Hausdurchsuchung bei Slawina statt, die in ihren letzten Worten den russischen Staat für ihren Tod verantwortlich machte.

Vor dem Gostiny Dwor versammelten sich rund 50 Personen mit Kerzen, Blumen und Plakaten zu einer stillen Trauerkundgebung. Die Polizei war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort und beobachtete das Geschehen, über Festnahmen ist jedoch nichts bekannt. Auf einem Plakat mit ihrem Porträt war zu lesen „Schweigend haben wir ein Land für den Tod aufgebaut“. Auch Slawinas letzter Facebook-Post wurde darauf zitiert: „Ich bitte, die Russische Föderation für meinen Tod verantwortlich zu machen.“

Kurz nach der Publikation dieser Worte setzte sie sich am Nachmittag des 2. Oktobers vor dem Polizeiquartier von Nischni-Nowgorod in Brand und starb. Ein Passant, der die Flammen ersticken wollte, stiess sie zur Seite, schreibt Fontanka.ru. Die 47-jährige Chefredaktorin der regierungskritischen Nachrichtenseite KozaPress galt als „unbequeme“ Journalistin. Am Vortag hatte die Polizei Slawinas Wohnung durchsucht, um Beweise für ihr Engagement in der „unerwünschten“ Menschenrechtsorganisation „Offenes Russland“ zu finden.

Kinder der Journalistin protestieren gegen das Schweigen

Nach Meinung der meisten Beobachter trieb diese drakonische Aktion die Journalistin in den Selbstmord. Sohn und Tochter Slawinas protestierten nach dem Selbstmord mit einem Plakat, auf dem Stand: „Während meine Mutter lebendig verbrannte, habt ihr geschwiegen.“ Slawina hatte sich an Protestaktionen der politischen Opposition beteiligt und hatte mit Einzelpiketts demonstriert.

Trotz ihrer kritischen Haltung schien sie auch in der regionalen Regierung geschätzt worden zu sein. So drückte der Gouverneur Nischni Nowgorod Gleb Nikitin sein aufrichtiges Beileid zum Tod Slawinas aus. In seinem Kommentar auf Instagramm schrieb er, trotz ihrer unbequemen Fragen hätten sie ein konstruktives Verhältnis gepflegt. Er versprach, die Ermittlungen in diesem Fall unter seine persönliche Kontrolle zu nehmen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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  • Veröffentlicht: 2 Wochen vor auf 4. Oktober 2020
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  • Zuletzt geändert: Oktober 4, 2020 @ 11:46 pm
  • Rubrik: Aktuell, Politik

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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