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Russisches Museum: Renovationsprojekt zurückgewiesen

Von   /  5. Juni 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Das Bauvorhaben, bei dem der Innenhof des Hauptgebäudes, dem Michailow-Palast verglast und überdacht werden sollte, ist ein weiteres Mal vom Tisch. Ein Petersburger Gericht erachtete das Gutachten der städtischen Denkmalschutzbehörde als ungenügend.

Die drei KlägerInnen, zwei Museumsmitarbeiterinnen und ein Journalist erhielten Recht in ihrer Argumentation, dass das Projekt schlecht vorbereitet sei und der Umbau die historische Substanz des Palastes übermässig beschädige.

Vorgesehen war in dem Projekt, das seit 2002 besteht, den Innenhof mit einem Glasdach, einem Lift und eine verglaste Galerie, sowie zusätzliche Räume für die Administration. Die Museumsleitung von Direktor Wladimir Gusew argumentierten unter anderem, dass das Museum einen Konferenzraum benötige und durch den Umbau die Bedingungen für Behinderte verbessert würden.

Natürliche Lüftung und Tageslicht nach wie vor benötigt

Hauptgrund für die Rückweisung war die in den Augen des Gerichts und der Kläger ungenügende Dokumentation und Vorbereitung des Umbaus, sowie die Schäden die am historischen Bau entstanden wären. So wird im Projekt beispielsweise die natürliche Lüftung und Beleuchtung über die Schächte und Fenster im Hof als unnötig bezeichnet, während die Kläger darauf hinwiesen, dass die Depots des Museums sie nach wie vor benötigen.

Auch die historische Bibliothek des Palasts würde durch das Projekt gefährdet. Einen grossen Gewinn für behinderte Museumsbesucher sehen sie nicht, dafür zogen sie eine Statistik bei, nach der nicht mehr als zwei Personen mit Behinderungen den Museumsbau besuchen. Ausserdem ist das Gebäude an vielen Stellen mit Rollstuhl- Liften ausgerüstet, so dass ein Besuch für körperlich Benachteiligte auch so durchaus möglich ist.

Hohe Umzugskosten

Obschon die Denkmalschutzbehörde (KGIOP) einen Rekurs angekündigt hat, werden die Chancen für eine Realisierung des bereits Jahrzehnte alten Projekts immer kleiner. In den Augen der Kritiker hat das Bauvorhaben zahlreiche Mängel und Unklarheiten, so auch bei der Finanzierung, bei der sich die Weltbank beteiligen würde. So wurden beispielsweise die Kosten für den Umzug während des Umbaus als viel zu hoch bezeichnet.

Die Museumsleitung stiess mit ihrem Bauvorhaben auf Ablehnung aus verschiedenen Kreisen der Öffentlichkeit und bei der eigenen Belegschaft. Darum erstaunt es nicht, dass das Museum in diesen Tagen über einen „Ethik-Kodex“ für seine Mitarbeiter informierte, der unter anderem den Museumsmitarbeitern die Weitergabe von Interna an die Medien verbieten soll.

Negativschlagzeilen dank Whistleblower

Tatsächlich war das Russische Museum in der Vergangenheit immer wieder durch verschiedene Skandale in die Schlagzeilen geraten, die nur dank Whistleblower öffentlich wurden – so zum Beispiel im vergangenen Winter als ein Wassereinbruch Kunstwerke in den Depots beschädigte oder als 1917 ein reicher Geschäftsmann eine der ältesten Ikonen Russlands „umsiedeln“ wollte.

Angefragt von Fontanka.ru verwies die Leitung der Eremitage auf einen bereits bestehenden Kodex für Museumsleute, der seine Mitunterzeichner ausdrücklich dazu verpflichtet, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn Kunstwerke gefährdet sind.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold (Archiv)

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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