Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Petersburger Traditionsbetrieb „Metrostroi“ am Rande des Abgrunds

Von   /  22. Januar 2019  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Die Stadt St. Petersburg hatte bereits mitgeteilt, dass sämtliche Verträge mit dem Metro-Bauer „Metrostroi“ gekündigt würden, als man dem finanziell morbiden Konzern noch eine letzte Chance einräumte. die angefangenen Arbeiten zu beenden. Doch aufgehoben ist nicht aufgehoben – das Unternehmen hat Milliardenschulden.

Die massiven finanziellen Probleme des Metro-Bauers hatten sich schon vor Monaten angekündigt. Einerseits war es mehrmals zu Zahlungsschwierigkeiten bei den Lohngeldern gekommen, was die MitarbeiterInnen sauer machte und sogar zu Protestaktionen vor dem Hauptquartier der Firma führte. Ende Dezember weigerten sich 30 Arbeiter des „Metrostroi“-Subunternehmens „SMU-11“, den Bauschacht der Metro „Teatralnaja“ beim Mariinsky-Theater zu verlassen, weil ihnen der Lohn nicht ausgezahlt worden war.

Banken kündigten ihre Kredite

Andererseits kamen an mehreren unterirdischen Baustellen die Arbeiten fast zum erliegen, und die geplante Eröffnung neuer Metro-Stationen wurde verschoben. Die Konten des Baukonzerns waren wegen verschiedener Verfahren von Seiten der Steuerbehörde und anderer Gläubiger teilweise gesperrt. Schliesslich kündigten die Banken ihre Kredite, wobei mittlerweile offenbar eine Lösung gefunden wurde, um die Liquidität zu sichern.

Nach 78 Jahren glorreicher Arbeit und dem Bau von 69 Metrostationen steht „Metrostroi“ am Rande des Bankrotts. Das Unternehmen hat einen Schuldenberg von rund zwanzig Milliarden Rubel und steht bei der Steuerbehörde mit rund 800 Millionen Rubel in der Kreide. In diesem Zusammenhang sind noch mehrere Gerichtsverfahren im Gang. Ob eine Sanierung gelingt, ist bei Schulden in dieser Höhe sehr ungewiss.

Unternehmen der Oligarchen Timtschenko und Rotenberg wollen einspringen

Um die Fortsetzung der Bauarbeiten zu sichern, hatte die Stadtregierung allerdings bereits Gespräche mit „Metrostroi“-Angestellen geführt, um die Gründung eines neuen Unternehmens zu ermöglichen und die Arbeit mit dem bewährten Personal möglichst nahtlos weiterzuführen. Prioritär sind momentan die drei Stationen des Frunsenski-Radius: „Prospekt Slawy“, „Dunajskaja“ und „Schuschary“.

Bekannte Investoren haben laut Fontanka.ru ihr Interesse angemeldet, bei dem Metro-Geschäft einzusteigen, darunter „Stroitransgas“ (kontrolliert durch Genady Timtschenko) und „Mostotrest“ (kontrolliert durch Arkady Rotenberg). Auch Unternehmen aus Moskau, wie „Inschekom“ und „SPARK-Interfax“ sind bereit, sich zu beteiligen.

Bild: Die Metro-Baustelle beim Mariinsky-Theater (Eugen von Arb/ SPB-Herold)

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Streik von „Metro-Stroi“-Angestellten wegen Lohnausfall

Bis 2026 werden 18 neue Metrostationen gebaut

Zahlreiche blinde Bombenalarme in der Petersburger Metro

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Making of: „A Russian youth“ – Filmgespräch mit Regisseur Alexander Zolotukhin

mehr…