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Petersburger Street Art Museum – ein ungewohntes Gesicht der Stadt

Von   /  15. September 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Stillgelegte Industrieanlagen aus der Sowjetzeit gibt es in Petersburg zuhauf, doch die Umnutzung ist meist ein komplizierter und langwieriger Prozess. Eine kreative Lösung wurde in der ehemaligen Laminierstoff im Ochta-Bezirk gefunden und verwirklicht. Eine Graffiti-Party gab vor knapp einem Jahrzehnt den zündenden Funken (Fotogalerie).

Industrieanlagen wurden in der Sowjetunion meist zentral und für eine landesweite Produktion geplant und waren deshalb von dementsprechender gigantischer Grösse. Die Fabrik für Laminierstoffe, die 1950 in der Nachbarschaft anderer Kunststoffwerke im Osten Leningrads an der Chaussee der Revolution errichtet wurde, hatte riesige Dimensionen. Laminat für Aufzüge, Rolltreppe, Züge und Küchen in der gesamten UdSSR wurden dort hergestellt.

Riesige leerstehende Industrieanlage

Wie die meisten Fabriken wurde auch sie in den Neunzigerjahren privatisiert und redimensioniert. Immerhin musste sie nicht ganz geschlossen werden, sondern konnte gewisse Bereiche erhalten. Von den tausenden Quadratmetern Areal werden heute noch 11 Hektaren genutzt – die übrige Fläche versuchte man während Jahren als Baugrund für Wohnhäuser oder Einkaufszentren zu veräussern, doch die relativ abgelegene Lage macht das Areal für beides relativ unattraktiv.

2011 während einer Graffiti-Party entstand die Idee eines Street-Art-Museum, die der Besitzer der Laminierungsfabrik Dmitry Zaitsev verwirklichte. Ein Jahr später wurde das Street-Art-Museum offiziell registriert, und Zaitsev wurde selbst Vorsitzender des Kuratoriums. Seine ursprüngliche Idee bestand darin, mit dem neuen Museum die triste Umgebung der Angestellten in der Fabrik bunter zu gestalten. Gleichzeitig entsprach das Projekt dem Bedarf einer Plattform für die vielen Petersburger Graffiti-KünstlerInnen, die bis anhin im Untergrund gearbeitet hatten und kaum eine legale Ausstellungsfläche besassen.

Umbau und Gestaltung durch zeitgenössische Strassenkünstler

Nach einem Architekturwettbewerb wurde das Gelände für den Ausstellungsbetrieb bereit gemacht. Dann wurden Graffiti-KünstlerInnen eingeladen, die Wänder der riesigen Anlagen zu gestalten. Seit 2014 ist das Museumsareal in zwei Zonen unterteilt: In der bestehenden Fabrik ist eine Dauerausstellung untergebracht, die eine Sammlung monumentaler Gemälde zeitgenössischer Strassenkünstler zeigt, während im öffentlichen Bereich temporäre Ausstellungen und andere Veranstaltungen stattfinden.

2013 wurde das erste Werk in die Sammlung aufgenommen, mittlerweile sind es rund 60. Die Sammlung des Museums enthält bereits Werke von Künstlern wie Pascha 183, SpY, Kirill KTO, Escif, Timofey Radya, Gio Pistone, Slava Ptrk, Kouka Ntadi, Nikita Nomerz, Guido Bisagni (108) und vielen anderen. Die Dauerausstellung wird regelmäßig aktualisiert, 2018 veröffentlichte das Museum seinen ersten Dauerausstellungskatalog.

Street-Art-Museum, Schosse Revoluzii 84, Eingang von Industrialny Prospekt. U-Bahn-Stationen „Ploshad‘ Lenina“, „Nowotscherkasskaja“. Eintritt: 250-350 Rubel +7 812 4481593. [email protected]
www.streetartmuseum.ru

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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