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Petersburger Stadtoberhaupt Beglow in Schnee- und Image-Nöten

Von   /  1. März 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Noch bevor sich der vom Kreml eingesetzte vorübergehende Bevollmächtigte Alexander Beglow so richtig für die Gouverneurswahlen im Herbst in Szene setzen konnte, wurde sein Image schon durch Schnee und Eiszapfen beschädigt. Ausserdem leistete sich der provisorisch eingesetzte Statthalter eine ganze Reihe weiterer Fauxpas.

eva.- Alexander Beglows Hauptproblem ist, dass ihn niemand kennt. Schon sein Vorgänger Georgi Poltawtschenko, der im Herbst kurzfristig zurücktrat, bzw. vom Kreml abgezogen und ersetzt wurde, erschien stets als „Vollstrecker“ Moskaus. Doch nach dem Amtsantritt Beglows, der ganz offensichtlich zur Bewährung für seine „Wahl“ im kommenden Herbst in den Gouverneurssessel gehievt wurde, fragten sich die Petersburger noch mehr, von wem sie eigentlich regiert werden.

Der Winter schien eine gute erste Möglichkeit, um an die Öffentlichkeit zu treten und sich ähnlich seinem Moskauer Kollegen Sobjanin das beliebte Image eines Saubermanns zu verleihen. Lächelnd posierte Beglow mit der Schneeschaufel und zahlreiche seiner Untergebenen taten es ihm nach.

Die Frühlingssonne räumte den Schnee weg

Doch weder er, noch sie, noch die vielen Gastarbeiter aus Usbekistan und Tadschikistan, die normalerweise die Dreckjobs erledigen, schienen Väterchen Frost die Stirn bieten zu können. Der Schnee blieb einfach liegen, gefror, und die Stadt erinnerte an die Katastrophenwinter 2009/2010 als Matwijenkos Schneeräumbrigaden versagten. Hinzu kamen zwei schwere Unfälle mit herunterfallenden Eiszapfen, einer davon tödlich. Die Stadtregierung schwieg sich aus und wartete auf den Frühling, der Ende Februar tatsächlich den Job erledigte.

Entgegen seiner Absicht, sich als „Macher“ zu profilieren, schien er sich vor den dringendsten Problemen zu verstecken. Und schon verbreiteten sich die ersten Witze über seinen Namen „Beglow“, von dem der Übername „Flüchtender“ (russisch „begly“) abgeleitet wurde. Diesen Ruf bestätigte er auch während einer Sitzung des Stadtparlaments als einer der wenigen verbliebenen Oppositionspolitiker Maxim Reznik ihm in einer Ansprache jegliche Unterstützung entsagte und Beglow ohne abzuwarten mit eiligen Schritten das Parlament verliess.

Die Konkurrenz regt sich

Bereits wurde Beglow vom landesweit bekannten Oppositionspolitiker und Leiter des „Fonds gegen Korruption“ Alexei Nawalny aufs Korn genommen, der versprach bei den Gouverneurswahlen ein scharfes Auge auf sämtliche Manipulationsversuche zu haben. Auch die hiesige Konkurrenz rüstet sich – unter anderem die Stadtparlamentarierin von der „Partei des Wachstums“ Oxana Dmitrjewa, die bereits ihre Teilnahme an den Wahlen angekündigt hat.

Sie sei bereit, sich einem fairen Wahlkampf zu stellen, und ihre Partei werde nur sie und keinen dem Kreml genehmen anderen Kandidaten unterstützen, sagte sie den Medien. Allerdings könnte die charismatische Politikerin auch diesmal am so genannten „Munizipal-Filter“ scheitern. Per Gesetz müssen nämlich alle Gouverneurskandidaten die nötigen Unterschriften von Bezirksabgeordneten erhalten, um zur Wahl zugelassen zu werden. Da diese wie Beglow zu 90 Prozent der Kreml-Partei „Einiges Russland“ angehören, wird Dmitrjewa als durchaus fähige Konkurrentin wiederum „ausgesperrt“ werden.

Es wird angenommen, dass stattdessen wiederum einer oder mehrere leichtgewichtige Kandidatinnen zur „Wahl“ von kremltreuen Parteien aufgestellt werden, um Beglow den Sieg zu sichern. Ausser Beglow und Dmitrjewa wollen auch der Stadtabgeordnete Boris Wischnewski („Jabloko“-Partei), der Aktivist Krasimir Wranski und der Journalist Maxim Schewtschenko an die Gouverneurswahlen, doch niemand von diesen dreien wird von einer Partei unterstützt.

Bild: www.kremlin.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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