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Petersburger Allergie auf Moskauer Kunst-Kapriolen

Von   /  30. März 2021  /  Keine Kommentare

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eva.- Einen fulminanten Skandal löste am 16. März die Eröffnung der Ausstellung «Frühling» der ehemaligen Mitarbeiterin des Verteidigungsministeriums Ewgenia Wasiljewa im Museum der Petersburger Akademie der Künste aus. Wasiljewa gilt in russischen Kunstkreisen als Emporkömmling, die ihre steile Karriere einzig der Gunst des Kremls zu verdanken hat.

Wasiljewa wurde 2015 wegen Unterschlagung von 200 Millionen Rubel zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt, wurde jedoch auf wundersame Weise noch im selben Jahr «frühzeitig entlassen» und widmet sich seither der Kunst als glamouröse und reichlich amateurhafte Dichterin, Komponistin und Malerin.

Ihr Ansehen in der russischen Gesellschaft verbesserte sich auch nicht als die Juristin 2018 ein Nachdiplomstudium für Kunstgeschichte an der Moskauer Lomonossow-Universität abschloss und parallel dazu eine Ausbildung für zeitgenössische Kunst an einer britischen Kunstschule absolvierte. Einen weiteren Paukenschlag ins Fettnäpfchen bedeutete zwei Jahre später ihre Ernennung zum Ehrenmitglied der russischen Akademie der Künste.

Wenig überzeugende „Empörung“ des Akademie-Direktors

Mit ihrer Ausstellung kam die geborene Leningraderin nun in ihre Heimatstadt zurück, wo sie jedoch von den meisten bereits als typische Vertreterin des Moskauer Machtzirkels angeschaut wird. Bereits vor der Vernissage protestierten zahlreiche Studenten am Eingang der Akademie und unterzeichneten eine Petition zur Entfernung von Wasiljews Werken. Ein Professor, der öffentlich gegen die Ausstellung antrat, kündigte kurz darauf seinen Posten. Selbst der Direktor der Kunstakademie Semen Michailowski gab sich empört über die Ausstellung und behauptete, sie sei ohne sein Wissen organisiert worden und habe nichts mit der Akademie zu tun

Allerdings wirkte sein «Protest» wenig überzeugend, denn trotz allem wurde die Ausstellung vor einem «auserwählten» Publikum eröffnet. Die Künstlerin selbst zeigte sich äusserst Medienscheu, liess jedoch verlauten, sie habe Verständnis für die Kritik. In der Kunstgeschichte gäbe es viele Beispiele für negative Reaktionen auf Kunstwerke, deren Autoren später als wichtige Figuren anerkannt worden seien, meinte sie bescheiden.

Fortsetzung einer guten alten Tradition

Im Grunde genommen setzt die Skandal-Ausstellung Wasiljewas an der Kunstakademie nur eine gute alte Tradition dieses Instituts fort. Schon der umstrittene Bildhauer und frühere Direktor der Akademie der Künste Russland Surab Zereteli versuchte sich mit seinen Werken in der Kulturhauptstadt ein Denkmal zu setzen, stiess jedoch jedes Mal auf empörten Widerstand der Bevölkerung.

Während er als Günstling des früheren Moskauer Bürgermeisters Luschkow die Möglichkeit nutzte, die Hauptstadt mit seinen kitschigen Skulpturen zu überziehen, biss er in St. Petersburg regelmässig auf Granit. Schon 2005 liess er nach einer Ausstellung in der Manege eine acht Meter hohe Statue Peters des Grossen einfach stehen – als «Geschenk für die Stadt», das freilich niemand wollte. Nach langem Hin und Her wurde diese schliesslich ans äusserste Ende der Wassili-Insel neben einem Hotelkompkex platziert.

2012 wollte Zereteli ein «Museum für Moderne Kunst» neben der Kunstakademie einrichten, doch versandete dieses Projekt bald. Und 2016 versetzte er Petersburg mit einer weiteren «Geschenk-Idee» in Form einer 80 Meter hohen Jesus-Skulptur in Aufregung – doch mit Gottes Hilfe war aber auch diese Idee bald wieder vom Tisch.

Bild: Facebook

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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