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Peters Nachschubhafen an der Wolchow-Mündung – Nowaja Ladoga

Von   /  6. Juni 2021  /  Keine Kommentare

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eva.- Während der Nordischen Kriege und der Gründung von St. Petersburg war das Städtchen Nowaja Ladoga ein bedeutender Stützpunkt. Der Bau des alten Ladogakanals liess den Ort aufblühen bis er Ende des 19. Jahrhunderts durch den Einzug der Eisenbahn seine Wichtigkeit verlor. Heute wird Nowaja Ladoga zunehmend vom russischen Tourismus entdeckt – unverdorbene Natur und sauberes Wasser locken Segler und Wassersportler an die Ufer des Wolchow und des Ladogasees (Fotogalerie).

Die beiden Städtchen «Staraja Ladoga» (Alter Ladoga) und «Novaja Ladoga» (Neuer Ladoga») sind geografisch und historisch eng verbunden. Erstere wurde im 8. Jahrhundert von skandinavischen Siedlern gegründet, später soll von hier aus der Waräger und Fürst «Rurik» seine Herrschaft über die Rus angetreten haben. Später erhielt die Hafenstadt die Stadtrechte und eine Festung an der Mündung des Flüsschens Jelena in den Wolchow.

Den Ursprung von Nowaja Ladoga bildet ein Männerkloster, das im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Mit dem Sieg Peters des Grossen in den Nordischen Kriegen und der Gründung der neuen Hauptstadt St. Petersburg erhielt der Ort am Anfang des 18. Jahrhunderts einen starken Entwicklungsschub. Weil das oft stürmische Wetter und der hohe Wellengang auf dem Ladogasee keinen sicheren Schiffsverkehr für Flussschiffe erlaubte, baute man auf Geheiss Peters des Grossen einen Schiffskanal parallel zum Seeufer, der in Novaja Ladoga seinen Anfang nahm.

32 Schleusen auf 110 Kilometer

Ab 1709 wurde rund vier Kilometer oberhalb der Wolchow-Mündung mit dem Bau des rund 110 Kilometer langen Kanals mit 32 Schleusen vom Wolchow bis zum Beginn der Newa bei Schlüsselburg begonnen. Obwohl zeitweise bis zu 15.000 Menschen am Bau beteiligt waren, zogen sich die Arbeiten wegen Schlamperei und politischer Intrigen rund 20 Jahre hin. Wie beim Bau von St. Petersburg starben hunderte Arbeiter wegen der gefährlichen Arbeit im Sumpfgelände.

Wesentlichen Anteil an der Fertigstellung hatte der oldenburgische Ingenieur und Politiker Graf Burkhard Christoph von Münnich. Da der erste Kanal für flache Treidlerboote ausgelegt war und sich nicht für die aufkommende Dampfschiffe eignete wurde im 19. Jahrhundert ein zweiter parallel verlaufender Kanal gebaut, der bis heute benützt wird, während der alte verfällt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert verlor die Flussschifffahrt ihre Bedeutung, und die Städte Staraja und Novaja Ladoga gerieten 1906 durch die Eisenbahnlinie nach Wolchow (-Stroi) endgültig ins Abseits.

Anfangspunkt der „Strasse des Lebens“

Wichtig wurde Novaja Ladoga während des Zweiten Weltkriegs zwischen 1941und 1944 als Stützpunkt der Ladogasee-Flotte und als Anfangspunkt der “Strasse des Lebens”, die über den zugefrorenen Ladogasee das belagerte Leningrad versorgte. Entlang der “Wolchow-Front” fanden in diesen Jahren erbitterte Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht mit hunderttausenden von Opfern statt.

Noch heute verfügt das beschauliche Städtchen Novaja Ladoga mit knapp 9000 Einwohnern über einen Flusshafen und eine Werft. Wichtige Arbeitgeber sind ausserdem eine Kondensatorenfabrik sowie verschiedene Textilfabriken und die Fischereiwirtschaft. Durch die relative Abgeschiedenheit wurde in dieser Region eine intakte Natur mit sauberen Gewässern erhalten, die während der letzten Jahre zunehmend Wasser- und Ökotouristen anzieht.

“Korjuschka”-Fischfestival jeden Frühling

Touristenattraktionen sind die Reste des ehemaligen Klosters aus dem 15. Jahrhundert, die St. Clemens- und die Erlöserkirche aus dem 18. Jahrhundert sowie das Gebäude des ehemaligen Offiziersclubs, der vom noch jungem Heerführer Suworow gegründet wurde. Während seiner Zeit als Kommandeur des Susdaler Regiments 1763-68 verfasste er hier seine Ausbildungsrichtlinien, die in die russische Militärgeschichte eingingen. Aus diesem Grund wurde in Nowaja Ladoga ein Suworow-Museum eingerichtet. Sehenswert sind auch die schönen historischen Holzhäuser, die unter Denkmalschutz stehen, von denen aber leider einige abgebrannt sind.

Einen Höhepunkt im Jahreskalender von Nowaja Ladoga bildet das “Korjuschka”-Fischfestival, das jeden Frühling während der Stint-Saison stattfindet. Am Wolchow-Ufer finden Konzerte, Schiffsparaden, Malwettbewerbe und kulinarische Workshops statt, in denen die Besucher verschiedene Fisch-Rezepte ausprobieren können. An die Bedeutung als Flusshafen wird mit Folklore-Kostümen historischen Workshops für Kinder und Jugendliche erinnert.

Bilder: Wikimedia Commons (historisch), Eugen von Arb/SPB-Herold (Fotogalerie)

Von St. Petersburg aus ist Nowaja Ladoga per PKW über die Murmansker Chaussee innerhalb von knapp zwei Stunden (130 Kilometer) zu erreichen. Doppelt so lange dauert die Reise per Bahn ab der Bahn/Metrostation Rybatzkoje über Mga und mit Umsteigen auf den Bus Nr. 23 in Wolchowstroi. Aus diesem Grund rechnet man für die Reise am besten zwei Tage mit Übernachtung in Novaja Ladoga, zum Beispiel in der gemütlichen und günstigen Herberge „Gostevoi Dom“ nur wenige Minuten vom Wolchow-Ufer entfernt.

Links:

Herberge „Gostevoi Dom“:
www.domvladoge.ru

Suworow-Museum:
vk.com/novoladozhskiy_mus

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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