Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Ärzte der Berliner Charité bestätigen Vergiftung von Oppositionspolitiker Nawalny

Von   /  24. August 2020  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- (laufend aktualisiert) Der bekannte russische Oppositionelle und Leiter des Fonds gegen Korruption, Alexei Nawalny wurde am 22. August mit einem speziell ausgerüsteten Jet aus dem sibirischen Omsk nach Berlin gebracht und dort umgehend in die Charité eingeliefert. Mittlerweile haben die deutschen Ärzte den Verdacht einer Vergiftung bestätigt. Nawalny hatte am 20. August während eines Flugs aus dem sibirischen Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren. Da ein Vergiftungsverdacht bestand und die Angehörigen Nawalnys den russischen Ärzten nicht vertrauten, wurde das Angebot der Bundesrepublik Deutschland für eine Behandlung in Berlin angenommen.

Wie der „Kommersant“ schreibt, wurde eine Vergiftung durch einen Stoff der Cholinesterase-Gruppe festgestellt, der genaue Wirkstoff ist noch nicht identifiziert. Nawalny ist noch immer im Koma, sein Zustand ernst, jedoch nicht lebensgefährlich. Folgeschäden durch die Vergiftung im Bereich des Nervensystems werden nicht ausgeschlossen.

Die Charité wird streng bewacht, was von vielen Beobachtern als Signal gegenüber dem Kreml gewertet wird, den man als Drahtzieher hinter dem vermeintlichen Anschlag auf Nawalny sieht. Auch für die anfängliche Weigerung der Ärzte in Omsk, den Patienten für den Transport nach Deutschland freizugeben, wird die Moskauer Regierung verantwortlich gemacht. Kremlnahe Medien verbreiteten die Nachricht, Nawalny hätte in Sibirien Ferien gemacht, und man habe Alkohol in seinem Blut gefunden. Dies wurde von Vertretern des Antikorruptionsfonds entschieden dementiert.

Russische Ärzte dementieren Vorwürfe

Die russischen Ärzte in Omsk haben sich mit einem Medienauftritt gegen die harten Vorwürfe gewehrt, wie „Meduza“ schreibt. Während Nawalnys Aufenthalt sei kein Druck seitens der Polizei oder des Geheimdienstes FSB ausgeübt worden. Dem Patienten sei die bestmögliche Behandlung zugekommen, und bei den Untersuchungen sei kein Gift im Körper Nawalnys festgestellt worden.

Die Maschine, in der Alexei Nawalny am vergangenen Mittwoch seinen Anfall erlitt und später das Bewusstsein verlor, landete am vergangenen Mittwoch in Omsk. Dort lag er während zwei Tagen im Krankenhaus und wurde danach gegen den Widerstand der örtlichen Ärzte nach Deutschland gebracht. In verschiedenen russischen Städten kam es zu Protestkundgebungen für eine Ausreise Nawalnys nach Deutschland. In St. Petersburg forderten Ärztevertreter mit Einzelpiketts die Verlegung Nawalnys nach Deutschland (siehe Bild).

Nawalny unter ständiger Überwachung

Nawalny war noch in Russland in ein künstliches Koma versetzt worden, sein Zustand gilt als stabil. Wie seine Begleitpersonen berichteten, wurde der Kremlkritiker während seiner ganzen Reise überwacht. Er besuchte Nowosibirsk und Tomsk, um einen Film über korrupte Lokalpolitiker der Kremlpartei «Einiges Russland» zu drehen. Wie der Youtube-Kanal Nawalny-Live berichtete, wurde der Oppositionelle während seiner Reise mehrfach von der Polizei angehalten und kontrolliert.

Nawalny, der zusammen mit dem Team seines Antikorruptionsfonds regelmässig skandalöse Fälle von Korruption, Betrug und Selbstbereicherung in der Entourage von Präsident Putin an die Öffentlichkeit bringt, gilt als einer der gefährlichsten Feinde des Präsidenten. In den vergangenen Wochen hatte sein Fonds ausführlich über die Demonstrationen im sibirischen Chabarowsk und in Weissrussland berichtet. Beide Vorgänge gelten als höchst gefährlich für das herrschende Regime in Moskau. Schon in der Vergangenheit wurden Kremlkritiker, darunter Nawalny und Mitglieder seines Fonds, Opfer von Giftanschlägen, deren Täter und Organisatoren nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

www.meduza.io

www.kommersant.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Teilnehmer an Nawalny-Protesten werden registriert

Tausende an Nawalnys Wahlboykott-Demo

Kommentar: Für Nawalny oder gegen Korruption?

    Drucken       Email
  • Veröffentlicht: 3 Monaten vor auf 24. August 2020
  • Von:
  • Zuletzt geändert: August 24, 2020 @ 5:37 pm
  • Rubrik: Aktuell, Politik

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Kronstadt soll zum Festungsmuseum ausgebaut werden

mehr…