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Ochta-Mündung: Archäologisches Museum oder Business-Center – oder beides?

Von   /  20. Februar 2021  /  Keine Kommentare

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eva.- Nachdem der Energiekonzern Gazprom 2010 den Bauplatz für seinen Wolkenkratzer endgültig an den Petersburger Stadtrand verlegt hatte, wurde es stiller um den Bauplatz an der Ochta-Mündung. Doch für die Archäologen, welche am Standort der einstigen Schweden-Festung Nienschanz ein Museum errichten wollen, ging der Kampf gegen Gazprom weiter.

eva.- Im Konflikt um den Bau des «Maiskolbens» von Gazprom hatte vor einem Jahrzehnt die Bauhöhe von über 400 Metern dominiert. Das Bauvorhaben stiess in erster Linie auf Widerstand in der Bevölkerung, weil es das Unesco-geschützte architektonische Ensemble im historischen Zentrum extrem dominiert hätte.

Über den zweiten Ablehnungsgrund machte man sich damals weniger Gedanken – den Schutz des Baugrunds als ehemaligen Standort der einstigen Schweden-Festung «Nyenschanz». Die Festung an der Ochta-Mündung (Nr.1 auf der Karte) war 1611 erbaut und im Verlauf der Nordischen Kriege von den Russen erobert und geschleift worden.

Nyenschanz geriet in Vergessenheit

Beim Bau der neuen russischen Hauptstadt verlegte Peter der Grosse den Festungsstandort weiter flussabwärts auf die Haseninsel (Nr.2 auf der Karte), und die Schwedenfestung geriet – wohl auch absichtlich – in Vergessenheit. Während der vergangenen Jahre gelangten die Archäologen jedoch immer wieder mit erstaunlichen Funden an die Öffentlichkeit und mit der Forderung, der Schwedenfestung müsse an der Ochta ein Museum gewidmet werden.

Nach der Schlappe mit dem Ochta-Zentr, das mittlerweile als «Lachta-Zentr» am nördlichen Stadtrand gebaut worden ist, dachte Gazprom aber nicht im geringsten daran, das attraktive Grundstück gegenüber des Smolny aufzugeben. Mittlerweile liegt ein weiteres Bauprojekt für ein multifunktionales Geschäftszentrum vor. Dieses sieht zwar auch den Einbezug und Schutz des historischen Erbes auf dem Gelände vor, seine Gegner trauen jedoch den Versprechungen von Gazprom nicht über den Weg und prozessieren dagegen.

Lösung oder Versteckspiel?

Laut «Kommersant» hat sich im Februar Präsident Putin in den Konflikt eingeschaltet und ordnete das Kulturministerium an, ein gemeinsames Museumsprojekt mit der Stadt Petersburg und Gazprom zu prüfen. Während die einen darin die langerwartete Lösung sehen, kritisieren die anderen, dass der Präsidentenerlass noch zu wenig konkret sei und viele Fragen offen lasse.

Der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow dankte Putin für diese Lösung nach jahrzehntelangen Widersprüchen und signalisierte die Bereitschaft, an dem Projekt mitzuwirken. Der Anwalt Pawel Schaptschiz, der die Klage der Archäologen gegen Gazprom führt, sieht dahinter eine gewisse Chance, dass der Konzern dazu gezwungen wird, sein Vorhaben zu überdenken.

Allerdings bleibt nach wie vor unklar, ob ein Museum anstatt des Gazprom-Centers oder als Bestandteil davon gebaut werden soll. Weder der Energiekonzern, noch das Kulturministerium geben darüber bisher konkrete Auskünfte. Deshalb bleiben auch die Archäologen weiterhin auf der Hut und denken bisher nicht daran, ihre Klage zurückzuziehen.

Bilder Wikimedia Commons

www.kommersant.ru

www.rbc.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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