Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

«Letzte Adresse»-Gedenktafel für Fotografen Ewgeni Henkin montiert

Von   /  29. Oktober 2020  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- In Petersburg wurde eine Gedenktafel am letzten Wohnort des Fotografen und Musikers Ewgeni Henkin angebracht, der während des stalinistischen Terrors hingerichtet worden war. Er und sein Bruder Jakow gehörten zu den ersten Strassenfotografen und hielten das Alltagsleben der Zwanziger- und Dreissigerjahre in Berlin und Leningrad in einzigartigen Bildern fest (Fotogalerie).

Am 18. Oktober montierte die Menschenrechtsorganisation «Memorial» die kleine Metallplatte mit dem charakteristischen quadratischen Ausschnitt und den wichtigsten Angaben zum Opfer an der Hofeinfahrt das Hauses an der Uliza Schukowskovo 31: Hier lebte Evgeni Alexandrowitsch Henkin. Musikant, Fotograf. Geboren 1900. Verhaftet am 18.11.1937. Erschossen am 3. Januar 1938. Rehabilitiert 1989.

Die Tafel war auf Initiative der in der Schweiz lebende Enkelin von Jakow Henkin, Olga Maslova-Walther angebracht worden. Sie kümmert sich auch um die Aufarbeitung des einzigartigen Fotoarchivs der Brüder Evgeni und Jakov Henkin oder den «Henkin Brothers». Evgeni Henkin wuchs im südrussischen Rostow am Don auf und siedelte nach Weltkrieg, Revolution und Bürgerkrieg als Musiker nach Berlin über, während sich sein jüngerer Bruder Jakow mit seiner Familie und der jüngeren Schwester Sofie in Leningrad niederliess, wo er als Buchhalter arbeitete.

Professionelle Leica-„Hobbyfotografen“

Die Brüder waren beide «Hobbyfotografen» und fotografierten während der Zwanziger- und Dreissigerjahre mit ihren Leicas das Strassenleben in Berlin und Petersburg (siehe Link). 1936 zog Evgeni wegen der politischen Entwicklung in Hitlerdeutschland zu seinen Verwandten in Leningrad und fiel zwei Jahre später als «deutscher Spion» dem «Grossen Terror» zum Opfer. Sein Bruder Jakov meldete sich 1941 freiwillig an die Front und wurde 1941 ebenfalls 38-jährig bei Leningrad getötet.

Das gemeinsame Fotoarchiv überlebte Krieg und Belagerung, obschon viele Menschen in der Sowjetunion Dokumente und Fotos verhafteter Verwandter aus Angst vor Repressionen freiwillig vernichteten. Der Nachlass wird laufend aufgearbeitet und wurde bereits in mehreren Ausstellungen und Büchern gezeigt. 2017 zeigte die Eremitage einen Querschnitt durch das Schaffen der Henkin-Brüder.

„Letzte Adresse“ – Gedenkaktion mit Rückschlägen

Die Aktion «Letzte Adresse», die von der Menschenrechtsorganisation betrieben wird, hat bereits mehr als tausend Gedenktafeln auf dem Gebiet der ehemaligen Ostblockstaaten montiert. Damit eine Namenstafel montiert wird, müssen sämtliche Wohnungsbesitzer eines Hauses einverstanden sein. Der russische Staat behindert die Aktivitäten von «Memorial», und hat sie als «ausländischen Agenten» eingestuft.

Immer wieder werden Gedenkschilder abmontiert. So wurden kürzlich 15 Schilder an einem einzigen Haus an der Uliza Rubinsteina demontiert, weil angeblich mehrere Bewohner fanden, die Gedenktafeln verwandelten das Haus in einen Friedhof. Mittlerweile hat der «Jabloko»-Stadtabgeordnete Boris Wischnewski zusammen mit «Memorial einen Versuch gestartet, um die Schilder wieder anzubringen. Dabei werden sämtliche Hausbewohner noch einmal versammelt.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Aktion „Letzte Adresse“ von Stadtregierung angefeindet

Gedenk-Aktion „Letzte Adresse“ in ganz Russland verbreitet

„Die letzte Adresse“ – Erinnern in einer Zeit des Vergessens

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Ich glaube nicht, daß das ein Russe den Film so gemacht hätte wie wir

mehr…