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Kronstadt soll zum Festungsmuseum ausgebaut werden

Von   /  1. Dezember 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Die historisch bedeutende Seefestung Kronstadt, die Petersburg während Jahrhunderten vor feindlichen Flotten schützte, schläft schon lange einen Dornröschenschlaf, aus dem sie jetzt durch ein milliardenschweres Investitionsprojekt wachgerüttelt werden soll. Unter der Leitung von Xenia Schoigu, der Tochter des russischen Verteidigungsministers, sollen einige der verfallenen Forts mit Staatsgeldern und Investoren renoviert und die Stadt zu einem Touristenmagnet gemacht werden.

Für viele geschichtsinteressierte Besucher St. Petersburgs war ein Besuch des berühmten Flottenstützpunkts Kronstadt, der bis in die Neunzigerjahre nur mit Passierschein zugänglich war, ein Muss. Bis vor einigen Jahren kehrten die meisten von ihnen aber eher enttäuscht von der Insel zurück, wo sie ausser zerfallenen Docks, Kasematten und Kasernen nicht viel gesehen hatten.

2011 wurde die Kathedrale nach einer langjährigen Renovation wieder eröffnet und 2013 der Damm über die Finnische Bucht fertiggestellt und die einst abgeschiedene Insel Kotlin mit dem Festland verbunden. Kronstadt gewann seither deutlich an Prominenz, und 2019 wurde ein grossangelegtes Renovationsprogramm für die historischen Festungsbauten auf der Südseite der Insel Kotlin beschlossen.

Rund 50 Millionen Euro aus dem Staatsbudget

Drei von insgesamt 19 Forts und Batterien sollen mit staatlichen Geldern in der Höhe von 4,5 Milliarden Rubel (rund 50 Millionen Euro) sowie mit Investoren zu Museums- und Erholungskomplexen während der Periode 2020-2023 ausgebaut werden. Wie die Nachrichtenseite Gorod-812 schreibt, sind 80 Prozent Kosten bereits durch den Investitionsfonds gedeckt, an dessen Spitze Xenia Schoigu, die Tochter des Verteidigungsministers steht. Die Mitglieder dieses Fonds sind bisher unbekannt – bis auf einen Namen: Oleg Deripaska. Der kremlnahe Oligarch wurde bereits als Investor bei zahlreichen grossen (und skandalträchtigen) Bauprojekten wie zum Beispiel dem Petersburger Zenit-Stadion bekannt.

Die drei Forts – „Peter I“, „Alexander I.“ und „Kronschlot“ sollen auch nach der Sanierung nur auf dem Seeweg zugänglich sein. In den historischen Anlagen werden nebst Museen auch Wohnungen, Ausbildungsräume, medizinische Einrichtungen, Hotels und Schiffsanlegestellen entstehen. Involviert in das Projekt sind sowohl das Verteidigungs- wie auch das Kulturministerium. Trotz der Corona-Pandemie soll das Projekt planmässig gestartet werden.

Pulvermagazin, Pestlabor, Fliegerabwehrbatterie…

Fort „Kronschlot“ gehört mit Baujahr 1704 zu den frühesten Befestigungen Kronstadts in Form eines Holzturms. 1803 wurde dort ein Pulvermagazin erbaut und in den 1850er Jahren die Nikolajew-Batterie eingerichtet. Während des Zweiten Weltkriegs und der Blockade Leningrads standen auf der Insel Fliegerabwehrgeschütze, und im Hafen waren Vorpostenschiffe untergebracht. Nach dem Krieg wurde ein Labor für die Entmagnetisierung von Schiffen zum Schutz vor Magnetminen eingerichtet. In den kommenden Jahren sollen hier eine Plattform für öffentliche Veranstaltungen, ein Museums- und Ausstellungskomplex entstehen.

Die ersten Gebäude des Forts „Petr I.“ wurden 1719-1720 ebenfalls aus Holz gebaut und in den Jahren 1827-34 durch Steinbauten ersetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden am Ostende eine Zitadelle und eine Brückenverbindung zum Festland eingerichtet. Nach 1917 wurden hier Lagerräume sowie eine Werkstatt für Minen und Artilleriemunition eingerichtet, worauf es zu mehreren Bränden und Explosionen kam, die einen Teil der Bauten zerstörten. Auf dieser Insel ist die Einrichtung mehrerer thematischer Ausstellungen geplant.

Das Fort „Imperator Alexandr I“ (erbaut 1836-1845) wurde in seiner Geschichte unter anderem als Testlabor im Kampf gegen die Pest benutzt, später wurden darin Minen gelagert und diente als Stützpunkt der sowjetischen Ostseeflotte. Ab dem Ende der Neunzigerjahre wurde dort während einigen Jahren das Festival für elektronische Musik „FortDance“ organisiert. Seit 2005 steht das Fort leer. Neben einem Hotel ist im Fort die Einrichtung einer Ausstellung über die Geschichte des Kampfs gegen bakterielle und Viruskrankheiten vorgesehen.

Bild: Wikimedia Commons

www.gorod-812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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