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Kommentar: Politisch geimpft

Von   /  31. März 2021  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Neben dem ganzen Elend, das Covid-19 über die Menschheit gebracht hat – die Todesopfer, Kranken, sowie der enorme wirtschaftliche Schaden – verbittert einen die nach wie vor fehlende Solidarität. Man müsste meinen, es gäbe ein gemeinsames Problem, das nur gemeinsam gemeistert werden kann. Aber statt wie in zahllosen Reden verkündet einander beizustehen, schauen im besten Fall alle für sich. Im schlimmsten Fall behindert oder bestiehlt man sich gegenseitig und nutzt die Pandemie für politische Zwecke.

Im letzten Jahr ging es monatelang um die fehlenden Masken und Beatmungsgeräte. Es war kaum zu glauben, dass einzelne europäische Länder Maskenlieferungen, die für ihre Nachbarn bestimmt waren, für sich abzweigten. Wie sich nun zeigt, gab es sogar Politiker, die den Maskenmangel zur eigenen Bereicherung nutzten.

Dann ging es um die Beatmungsgeräte: Als es in Moskau und Petersburg zu tödlichen Unfällen mit in Russland hergestellten Geräten kam, fehlte es nicht an Häme in gewissen Medien. Und natürlich wurde der «russische Schrott», der in die USA geliefert worden war, umgehend entsorgt – das, obwohl sich rasch herausstellte, dass die Brände nicht durch die Apparate, sondern durch Kurzschlüsse im Stromanschluss verursacht wurde.

Statt die eigenen Fehler und Machtlosigkeit in der Bekämpfung der Pandemie einzugestehen (die im übrigen überall geschehen), nutzen manche PolitikerInnen die Krise zur politischen Profilierung – etwa in Bayern und Österreich, wo man sich mit Strafmassnahmen die Skitouristen abspenstig macht. Vom globalen Kesseltreiben gegen einzelne Länder als «Hauptverseucher» ganz zu schweigen.

Nun wird der Impfstoff zur politischen Nadel. Anstatt sich um eine kluge und besonnene Impfpolitik für alle zu sorgen und Solidarität mit den armen und besonders betroffenen Ländern zu sorgen, streitet man sich um Kontingente oder macht den Impfstoff zum politischen Bekenntnis. So geschieht es mit momentan mit dem russischen Impfstoff «Sputnik-V», der trotz allem Spott über «Putins Propagandaspritze» als äusserst wirksames Mittel gegen das Coronavirus erwiesen hat, das noch dazu lieferbar ist.

Statt nun schnellstmöglich eine Zusammenarbeit mit Russland zu verstärken, um die Produktion des günstigen Vakzins zu erhöhen, werden Staaten wie Ungarn oder die Slowakei, die sich den Impfstoff mittels Notgenehmigung verschafft haben, politisch gebrandmarkt. Es ist klar, dass die Regierung den Impfstoff wie schon zuvor die Beatmungsgeräte auch als Propagandamittel nutzt. In der gegenwärtigen Situation, wo es nicht um einige, sondern hunderttausende Menschenleben geht, sollten PolitikerInnen in Ost und West ihre „ideologische Impfung“ vergessen und maximal zusammenarbeiten.

Bild: Wikimedia Commons

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Blog: Auf gutem Weg durch die Pandemie – meine zweite Corona-Impfung

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Maximale Zustimmung auch von mir zur einer Vernunft- und nicht ideologiegesteuerten Zusammenarbeit. Es geht hier um die Menschheit insgesammt nicht um niedrige Beweggruende.
    Vielen Dank fuer die Erinnerung.

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