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Kommentar: Kindischer Sandkastenstreit um Gaspipeline Nordstream-2

Von   /  4. März 2021  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Wenn man vom “politischen Kindergarten”, bzw. vom “kindischen Streit” im Sandkasten spricht, so gibt es momentan wohl kein schöneres und Beispiel als die Gaspipline “Nordstream-2”, die durch die Ostsee zwischen dem russischen Wyborg und Lubmin in Deutschland gebaut wird. Sie ist fast fertig, es fehlen etwas über 100 Kilometer bis zur deutschen Küste.

Doch nun scheint ihre Fertigstellung einmal mehr in Frage gestellt – eine ganze Reihe westlicher Politiker fordert die Einstellung des Projekts als Strafmassnahme für die Vergiftung und Inhaftierung des russischen Oppositionellen Alexei Nawalnys. Die USA doppeln nach und setzen sämtliche beteiligten Firmen auf ihre Sanktionsliste. Dies zeigt Wirkung – mit dem Weltpolizisten und Wirtschaftsgigant USA ist nicht zu spassen. Eine ganze Reihe von Unternehmen ist bereits ausgestiegen, darunter die Betreiber des Schiffs, das die Rohre verlegt, worauf Russland mühsam einen Ersatz suchen musste. Es ist zwar Gas und nicht Wasser, das man sich im Sandkasten abgräbt, aber die Mentalität bleibt dieselbe – kindisch.

Besonders kindisch ist jene Haltung gewisser Grüner Politiker, die einerseits einen radikalen Ausstieg aus der Atomenergie fordern und andererseits relativ saubere Energiestrategien wie dieses torpedieren und es dazu benutzen, um sich auf billige Weise zu profilieren.

Sie führen die “gefährliche” Abhängigkeit Europas von Russland ins Feld, als wäre Europa ohne russisches Erdgas völlig autark. Dabei hängt es hoffnungslos an der “Nadel” der westlichen Erdölkonzerne, deren Machenschaften tunlichst verschwiegen werden.

Ja, Russland ist ein unberechenbarer Partner, seine Menschenrechtspolitik zum weinen und die enge Verbandelung des allmächtigen Energiekonzerns Gazprom mit dem Kreml unheimlich. Aber gerade in dieser Frage muss Europa gleiches Recht für alle gelten lassen und eine unabhängige Position einnehmen, statt sich von den USA gängeln zu lassen. Es sind nämlich oft genau die obengenannten PolitikerInnen, die gerne von der Notwendigkeit einer aussenpolitischen Emanzipation von Amerika reden.

Energiefragen sind oft Ermessensfragen und lassen sich nie von der Politik trennen. Sinn oder Unsinn des Nordstream-Projekts lassen sich von niemandem wirklich objektiv beurteilen. Die Pipeline wurde einst durch Schröder und Putin initiiert – ihre Fertigstellung fällt in die denkbar schlechteste politische Konjunktur. Obwohl Erdöl und Gas immer zuerst Geld und Macht bedeuten, war dieses Projekt auch als Zeichen der Verbundenheit und des Vertrauens gedacht. Beides fehlt zurzeit auf beiden Seiten. Trotzdem sollte man die Röhre, wenn auch mit Zähneknirschen, fertig bauen, statt die letzten Fäden einer mühsam aufgebauten Freundschaft auch noch zu kappen.

Bild: Wikimedia Commons

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  • Veröffentlicht: 9 Monaten vor auf 4. März 2021
  • Von:
  • Zuletzt geändert: März 4, 2021 @ 5:41 pm
  • Rubrik: Aktuell, Politik

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Matze-G sagt:

    Herr Eugen von Arb,,,,,ich muss Sie leider etwas berichtigen.
    Ja, „Russland ist ein unberechenbarer Partner“, mag in einigen Richtungen
    richtig sein, aber bei wirtschaftlichen Verträgen hat Russland noch nie enttäuscht—–alle Verträge wurden seit der Druschba-Trasse eingehalten.
    Die Russen werden seit vielen Jahren vom Westen behandelt als wären sie
    das grösste Problem der Welt …neuerdings auch die Chinesen.
    Ich würde Verträge lieber mit Russland abschliessen als mit den USA,
    wo man nie weiss was sie morgen vorhaben oder stornieren ..oder austreten Verträgen.

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