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Ich glaube nicht, dass ein Russe den Film so gemacht hätte wie wir

Von   /  26. November 2020  /  Keine Kommentare

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Vincent Urban ist Werbefilmregisseur, er lebt in New York und München und hat das „IN Russia“ Vimeo / YouTube Reisevideo über Russland gemacht.

Nach der Schule begann er mit Snowboardvideos, arbeitete als Cutter und seit 2010 in einer zunehmend populären Serie von Reisevideos und bald wurde er vielbeschäftigter Werbefilmer. Daher war es ein paar Jahre aus mit den Reisevideos. Mit seinem neuen Team hat er 2019 beschlossen doch mal wieder einen Kurz-Reisefilm zu drehen und die Wahl fiel auf Russland.

Das Ergebnis wurde vor 5 Tagen in YouTube online gestellt und hat auch in Russland sehr schnell Verbreitung in den Sozialen Medien gefunden. Wir hatten Gelegenheit Herrn Urban telefonisch in New York zu sprechen und Ihn zu seiner Idee und Motivation zu befragen.

SPH: Herr Urban, ein Kurzfilm über Russland in höchst professioneller Machart, wären da nicht der eine oder andere Akzent könnte man fast denken das ist ein RT Werbevideo für das Land. Wie kamen sie auf die Idee?

Vincent Urban: Das ich jetzt wieder so einen Film gemacht habe, hat fuer mich etwas Nostalgisches. Nachdem ich jahrelang Reisefilme machte, hatte ich wieder Lust auf so ein Projekt, inzwischen aber eben mit einem viel größeren professionellen Background.

SPH: Also ohne Auftraggeber, heißt das auch sie haben auch alles selbst finanziert?
– Es ist ein absolut freies Projekt. Es war aufwendig, aber es steht vom Budget her in keinem Verhältnis zu einem echten Werbefilm. Wir waren eine kleine Crew von 3 Leuten und das kostet nur minimalst Prozente von einer richtigen Produktion. Trotzdem hat es was gekostet und diese Kosten wurden von einer befreundeten Produktionsfirma in Hamburg übernommen.

SPH: Wo haben Sie gedreht?
– Wir waren 40 Tage auf Reisen. In Moskau, St. Petersburg, Murmansk, Salechard, Kamtschatka und am Baikal.

SPH: Wie waren die Reaktionen bisher?
– Die ersten Reaktionen waren begeistert. Aus Russland wie im Verlauf der Kommentare zu sehen ist, kam aber auch Kritik. Die Tatsache das eine Schwarze Musikerin auf dem Schlossplatz gezeigt wird und mit den 2 Polizisten an ein berühmtes, in Russland nicht mehr öffentlich ausstellbares Gemälde erinnert wird, gefällt nicht jedem.

SPH: Wussten Sie das sie hier ggf. einen Nerv berühren?
– Es war ein Schmaler Grat, wir haben auch ganz andere Aufnahmen mitgebracht. Wir haben uns aber am Ende dazu entschieden es so zu machen wie es jetzt eben zu sehen ist. Trotzdem scheinen wir es immer noch geschafft genügend Russen zu beleidigen. Mann muss ja nur die Kommentare zum YouTube Video lesen. Nationale Identität ist so ein hoch gekochtes Thema. Gerade auch für Russland und wir wussten das auch, als wir den Film geschnitten haben. Jede Entscheidung die wir trafen, war uns bewusst das könnte Kontrovers werden – oder eben nicht.

SPH: War Corona schon ein Thema oder wurde der Film vorher gedreht?
– Wir waren bis Anfang März noch in Sacha und Corona war schon ein Thema. Ein paar Tage vor den Lockdowns sind wir dann ausgereist. Die anschließenden Monate hatten wir dann nutzen können um am Film zu arbeiten.

SPH: Waren sie einmal oder mehrmals für die Aufnahmen in Russland?
– Es war uns ganz wichtig, das wir verschiedene Jahreszeiten aufnehmen konnten. Insgesamt sind wir 4 mal je ca. 10 Tage gereist, und hatten aber davon immer nur ein paar Drehtage. Moskau im Mai 2019, Kamtschatka im September, Sankt-Petersburg und Murmansk Ende Januar 2020 und Baikal und Salechard Ende Februar bis Anfang März.

SPH: Was denken sie unterscheidet Ihr Video. Hätte ein Russe es auch so gemacht?
– Ich glaube solche Videos sind viel Kraftvoller mit einer „Außenseiterperspektive“. Das gilt auch für Deutschland. Dort könnte ich nie ein ähnliches Video drehen. Ich glaube nicht, dass ein Russe den Film so gemacht hätte wie wir.

SPH: Was waren im Nachhinein die Überraschendsten Momente?
– In Murmansk wollten wir die Nordlichter aufnehmen aber das Wetter war immer zu schlecht. Uns ist in der Stadt aufgefallen, das fast jeder 2. Autofahrer an der Ampel einen Drift um die Ecke hingelegt hat. Beim Abendessen haben wir gedacht, ob wir hier ein paar Aufnahmen zusammen bekommen und tatsächlich via Instagram, einem Foto von uns mit richtiger Kamera hat es geklappt. Innerhalb von 2 Stunden hatten wir 15 Leute beieinander die mit uns die wildesten Stunts machten.

SPH: Wie bekamen Sie eigentlich die Ballerinen beim Training vor die Kamera, ich weiß in Sankt Petersburg ist das fast unmöglich?
– Mit einer Genehmigung und einer kleine Mannschaft hat es in Moskau eigentlich gut geklappt.
Ich hoffe dass jetzt, da das Video in Russland so durch die Decke geht, nicht ein paar der Beteiligten jetzt anders über ihre Teilnahme denken.

SPH: Das hoffen wir auch. Vielen Dank für das Gespräch

Interview: Mathias Reiter
Foto: Das Standfoto ist aus dem Video

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  • Veröffentlicht: 5 Monaten vor auf 26. November 2020
  • Von:
  • Zuletzt geändert: November 27, 2020 @ 10:24 am
  • Rubrik: Aktuell, Reisen

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