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Denkmäler – Gedächtnis-Stützen und Impulsquellen der Gesellschaft

Von   /  25. November 2019  /  Keine Kommentare

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Eugen von Arb

Im Rahmen des Programms „Dialog19 – Kulturesidenzen“ des Goethe-Instituts stellte die Berliner Kuratorin Annika Hirsekorn gemeinsam mit Ewgenia Kulakowa von „Memorial“ Projekte gegen das Vergessen in aller Welt vor. Denkmäler und so genannte „Antimonumente“ können zu Angelpunkten der Gesellschaft und Katalysatoren einer öffentlichen Diskussion über Probleme werden.

Im Mittelpunkt von Hirsekorns Vortrag standen die „Antimonumente“ gegen die Morde an Frauen („Femizide“) und Studenten in Mexiko. Solche Gedenkstätten wurden durch die Einführung der „UN-Konvention gegen das Verschwindenlassen“ stimmuliert, die 2010 in Kraft getreten ist. Dieses Art von Repression wurde insbesondere während der Militärdiktaturen in Chile und Argentinien angewandt.

Solch „negative“ Mahnmale werden in der Regel vom Volk errichtet und entstehen überall dort, wo die Rechte der Gesellschaft nicht eingelöst werden. In Mexiko erinnern die Antimonumente nicht nur an das grausame Geschehen, sondern „fordern“ von Regierung, Justiz und Behörden die Aufklärung der Morde und die Bestrafung der Schuldigen.

Annika Hirsekorn und Ewgenia Kulakowa

Beseitigung von „Antimonumenten“ wäre Schuldeingeständnis

In den meisten Fällen, werden die „Antimonumente“ von der Obrigkeit geduldet, weil ihre Beseitigung einem Schuldeingeständnis gleich käme. Im Fall einer Aufklärung könnten die „Antimonumente“ theoretisch wieder beseitigt werden. Oft werden und bleiben sie jedoch Orte, an denen sich Menschen regelmässig zu Kundgebungen versammen.

Den mexikanischen Denkmälern stellte Ewgenia Kulakowa Beispiele in der Region St. Petersburg vor. Um die Situation in Russland zu erklären, erwähnte Kulakowa das „grosse Haus“ („Bolschoi Dom“), die Petersburger KGB-Zentrale, in dem vor allem währende der Stalinzeit tausende Menschen „verschwanden“, bevor sie eingesperrt, deportiert oder hingerichtet wurden. Obwohl die Sowjetunion mittlerweile Geschichte ist, ist der KGB nicht umgezogen – das Haus wurde nicht „memorialisiert“, wie Kulakowa anmerkte.

Denkmal für Hinterbliebene der „Volksfeinde“

Als weiteres Beispiel nannte sie den Lewaschowo-Friedhof, auf dem der NKWD zehntausende Stalin-Opfer erschoss und verscharrte. Statt die Skulptur „Moloch des Totalitarismus“ im Petersburger Stadtzentrum zu errichten, platzierte man sie weit abgelegen am Friedhofseingang, was wiederum den Umgang mit der unliebsamen Vergangenheit spiegelt.

Ebenfalls im Leningrader Gebiet, im kleinen Dorf Sasose steht das „Denkmal für die Frauen der Volksfeinde“, das auf Initiative der Bevölkerung entstanden ist. Es erinnert an die Verhaftung sämtlicher Männer der Ortschaft, die 1937 aufgrund einer anonymen Anzeige als „Volksfeinde“ verhaftet wurden und deren Frauen und Kinder allein zurückblieben.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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