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Coronavirus in St. Petersburg – „Zwangsurlaub“ endet – Maskenpflicht beginnt

Von   /  12. Mai 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Die „arbeitsfreie Zeit“ ist ab dem 12. Mai beendet, doch werden die Isolationsmassnahmen vielerorts wegen der schlechten Selbstdisziplin der Bevölkerung beibehalten oder sogar verschärft. In Petersburg gilt ab sofort Masken- und Handschuh-Obligatorium in der Öffentlichkeit. Die Siegesfeier wurde wegen der Ansteckungsgefahr massiv zurückgefahren.

Die diesjährigen russischen Siegesfeiern werden wohl als jene mit dem kleinsten Publikum aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Anstelle der pompösen Waffenschau auf dem Roten Platz verlegte Präsident Putin die bescheidene Gedenkfeier auf die andere Seite des Kremls und verlas seine Botschaft bei der Ewigen Flamme am Grab des unbekannten Soldaten. Danach folgte eine für sonstige Verhältnisse mickrige Flugparade mit Hubschraubern, Transportern und Kampfflugzeugen.

In Petersburg war das Format der Parade im selben Verhältnis geschrumpft worden. Hier wurde der Siegestag symbolisch mit dem Flaggenhissen auf den vier Kriegsschiffen im Newabecken begonnen. Die Besatzungen schauten per Onlineschaltungen die Ansprache des Präsidenten. Die sonst üblichen Schiffsbesuch der Bevölkerung auf den Kriegsschiffen fielen wegen der Ansteckungsgefahr aus. Eine kurze Flugschau mit 30 Flugzeugen und Helikoptern, sowie ein Kanon-Salut von der Peter- und Paulsfestung rundeten die Covid-Siegesfeier ab.

Zahlreiche Ansteckungen bei Siegesfeier-Proben

Wie Newsru.com schreibt, steckten sich in Russland schon vor der Absage der Siegesparade in Moskau hunderte von Soldaten und Kadetten bei den grossangelegten Proben auf dem Truppenstützpunkt Alabino bei Moskau an.  Dort übten tausende von Männern und Frauen den Marsch über den Roten Platz und zwar bis am 16. April als Präsident Putin die Siegesfeier am 9. Mai absagte. Erkrankte Wehrpflichtige wurden zwar gesondert untergebracht, bekamen ihre Mahlzeiten jedoch weiterhin zusammen mit ihren Kameraden. Ansonsten wurden keinerlei Massnahmen gegen die Ansteckungsgefahr getroffen.

Als einziges ex-sowjetisches Land feierte Weissrussland in Minsk den Sieg vor 75 Jahren mit dem ganzen Klimbim. Mit einer einstündigen waffenstarrenden Parade vor tausenden von Zuschauern demonstrierte Präsident Lukaschenko seine unbesiegbare Haltung gegenüber dem Coronavirus.

Masken und Handschuhe aus dem Automaten

Am 11. Mai gab Präsident Putin das Ende der „Zwangsferien“ bekannt. In einigen russischen Regionen, die weniger stark betroffen sind, werden am 12. Mai die Isolationsmassnahmen gelockert. An den meisten Orten, insbesondere in Moskau und Petersburg bleiben die Bestimmungen wie bisher oder werden noch verschärft. So gilt in Petersburg ab dem 12. Mai bis Monatsende ein Masken- und Handschuh-Obligatorium in der ganzen Stadt. Bereits wurde damit begonnen, in sämtlichen Metrostationen Automaten für Schutzmittel zu montieren. Am selben Tag werden alle 17 geschlossenen Metro-Eingänge wieder geöffnet – mit einer Ausnahme: die Station „Nowokrestowskaja“ neben dem Zenit-Stadion.

Die erhofften Lockerungen treten vorerst nicht in Kraft, was die wirtschaftliche Not insbesondere im Klein- und Gastgewerbe  weiter vergrössern wird. Auch die von vielen Politikern und Wirtschaftsvertretern geforderten Direktzahlungen an die Bevölkerung wird es nicht geben. Wie Fontanka.ru recherchierte, hält sich die Petersburger Regierung sogar bei der versprochenen Finanzhilfe für Hinterbliebene von an Covid-19-Opfern im medizinischen Personal zurück. Wie Betroffene berichten, wurden die Zahlungen in vielen Fällen verweigert, weil als offizielle Todesursache nicht Coronavirus, sondern Lungenentzündung oder eine andere Erkrankung angegeben wurde.

Gouverneur des Leningrader Gebiets wieder gesund

Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drozdenko hat die Covid-19-Erkrankung zuhause gut überstanden, wie der „Kommersant“ schreibt. Ausser ihm hatten sich mehrere Personen aus seinem Stab wegen Ansteckung selbst isoliert. Im Leningrader Gebiet sollen die Massnahmen etwas früher gelockert werden. So soll bald das Jagen und Fischen und das Spazieren in kleinen Gruppen wieder erlaubt sein. Verfehlungen bei der Masken-Pflicht sollen nicht bestraft werden – im Gegensatz zur Stadt Petersburg, wo eine Busse von 4000 Rubel droht.

In Russland wurden am 11. Mai 2020 offiziell 221000 Virus-Erkrankte verzeichnet, 39801 wurden geheilt, 2064 Personen sind gestorben. In Moskau sind 116000 Menschen erkrankt, 17822 geheilt und 1179 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 7711 Virus-Kranke, 1681 Geheilte und 56 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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