Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Coronavirus in St. Petersburg – Wehrpflichtige tragen das Virus in die Provinz

Von   /  18. Mai 2020  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Infizierte Absolventen von Petersburger Militärakademien reisten mit falschen Covid-Negativ-Attesten nach Hause zu ihren Familien in der Provinz. Dutzende weitere Fälle befinden sich in Petersburger Kasernen. Da die Fälle von Neuansteckungen in Russland trotz allem zurückgehen, werden in absehbarer Zeit die Quarantäne-Bestimmungen in 27 russischen Regionen gelockert.

Dutzende infizierter Absolventen der Petersburger Militärhochschulen reisten im Mai zu ihren Familien in die russischen Provinz. Laut Fontanka.ru wurden ihnen in Petersburg ohne Test eine Bestätigung mit negativem Covid-Testresultat ausgehändigt. Doch an den Flughäfen ihrer Heimatstädte geriet ein Grossteil von ihnen in die örtliche Virenkontrolle und wurden mit Coronavirus-positiv in örtliche Kliniken isoliert.

Wieviel infizierte Rekruten gesamthaft in die Provinz reisten, ist unbekannt. Fontanka.ru schreibt von 31 Wehrpflichtigen aus der Petersburger Michailow-Artillerieschule, die bei ihrer Ankunft im sibirischen Burjätien bei der Covid-Kontrolle am Flughafen ins Netz gingen. Auch an der berühmten Petersburger Moschaiski-Kosmonauten-Hochschule sind bisher 80 Covid-positive Fälle bekannt. Die Gesamtzahl von Krankheitsfällen ist wahrscheinlich noch weit höher, weil in einer Aussenstelle derselben Militärhochschule in Lechtusi im Leningrader Gebiet noch mindestens 22 Rekruten mit Covid-Infektion im Lazarett liegen, die sie sich an den Vorbereitungen der Siegesparade in Moskau geholt hatten.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Prämien an medizinisches Personal

Die Prämien für Ärzte und Pflegepersonal im Coronavirus-Einsatz wurden in mindestens zehn russischen Regionen nicht oder nicht in der vorgeschriebenen Form ausgezahlt, berichtet die russische Staatsanwaltschaft. Vielerorts waren die von Präsident Putin versprochenen Gelder erst überwiesen worden, nachdem Belegschaften mit Hungerstreiks gedroht und der Präsident seiner Forderung öffentlich Nachdruck verliehen hatte. Auch der Petersburger Gouverneur erhielt einen Rüffel, weil in Petersburg Kommissionen über Ausmass und Anrecht auf die Prämie entscheiden sollten.

Die russische Kontrollbehörde Rospotrebnadsor empfiehlt den Fluggesellschaften, die Plätze in den Jets zur Minderung der Ansteckungsgefahr nur maximal zu 50 Prozent zu besetzen. Dies entspricht den Richtlinien, welche viele europäische Ländern für den baldigen Neustart des Flugverkehrs vorsehen. Das wird voraussichtlich zu einer deutlichen Verteuerung der Flugtickets führen. Finnair plant, den internationalen Flugverkehr im Juli wieder langsam anzukurbeln.

Mega Dybenko und Parnas wieder teilweise geschlossen

Die PetersburgerInnen sitzen ganz offensichtlich nicht mehr zuhause, was die Yandex-Mobilitätsstatistik mit einem Grad von 1,1 belegte. Diese Ziffer entspricht praktisch der Normalität. Auch die Einkaufslaune in der Bevölkerung befindet sich auf einem Höhepunkt, was den Andrang in den beiden Shoppingmalls Mega Parnas und Mega Dybenko erklärt. Die beiden Einkaufszentren wurden vergangene Woche wieder eröffnet, doch nach weniger als einer Woche wurden sie wegen des Andrangs wieder eingeschränkt.

Wie der „Kommersant“ schreibt, gelangten die persönlichen Daten von rund 35.000 Personen, die für Verstösse gegen die Quarantänebestimmungen gebüsst worden waren, an die Öffentlichkeit. Die Bestimmung der genauen Todesursache von Coronavirus-Opfern in St. Petersburg kommt nur langsam vonstatten und verzögert sich in gewissen Fällen bis zu einem Monat, schreibt Fontanka.ru.

Zuwachs an Neuansteckungen flacht ab

Das Notspital im Pavillon Nr. 7 des Lenexpo-Messegeländes wurde von Gouverneur Alexander Beglow besucht. Die Situation hat sich seit der Eröffnung verbessert als zahlreiche Klagen von Hospitalisierten eingingen. Mittlerweile hat das Spital zwei Computer-Tomographen zur Lungenuntersuchung erhalten und eine Reanimationszone für Patienten eingerichtet, deren Zustand sich stark verschlechtert. Die Bettenzahl wurde von rund tausend nochmals um 474 aufgestockt. Dementsprechend wurde auch die Anzahl Duschen und Toiletten deutlich erhöht.

Laut der Vizepremierministerin Tatiana Golikowa hat der Zuwachs an Neuansteckungen landesweit um 23,4 Prozent nachgelassen. Allerdings zeigte sie sich besorgt über eine neue Welle von Infektionen mit dem mutierten Coronavirus. Praktisch jeder dritte Russe hat während der Quarantäne zugenommen, wie eine Umfrage unter 3000 Personen belegt. Bei den Männern sind es 17 Prozent, bei den Frauen 21 Prozent. Russland wird die internationalen Ermittlungen über den Ursprung der Coronavirus-Epidemie gegen China nicht unterstützen, gab die Vorsitzende des russischen Senats Valentina Matwijenko bekannt.

In Russland wurden am 18. Mai 2020 offiziell 290678 Virus-Erkrankte verzeichnet, 70209 wurden geheilt, 2722 Personen sind gestorben. In Moskau sind 146000 Menschen erkrankt, 28913 geheilt und 1580 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 10887 Virus-Kranke, 2209 Geheilte und 90 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold/Archiv

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Coronavirus in St. Petersburg – Wann und wohin können die RussInnen wieder reisen?

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Petersbürgerin Olesja Bessmeltsewa: Nur bitte keine Routine!

mehr…