Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Coronavirus in St. Petersburg – Russland schottet sich ab – die Bevölkerung sorgt vor

Von   /  17. März 2020  /  1 Kommentar

    Drucken       Email

eva.- Nachdem die EU die Schliessung ihrer Aussengrenzen und fast aller bilateralen Grenzen beschlossen hat, schottet sich auch Russland von Europa ab. In St. Petersburg sind die Schulen geschlossen und Massenveranstaltungen verboten worden. Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter Die krisengewohnte Bevölkerung reagiert bisher gelassen auf die Virengefahr, deckt sich aber dennoch mit dem Allernötigsten ein.

Schrittweise schlossen in den vergangenen Tagen die EU-Nachbarländer Russlands sowie die Ukraine ihre Grenzen für Ausländer. Nun hat Russland für den 18. März ebenfalls die Schliessung angekündigt – sogar für das «Bruderland» Belarus, dessen Präsident Lukaschenko sich darüber empörte und persönlich bei seinem russischen Kollegen Putin vorsprach. Wie überall gilt die Einreisesperre nicht für Delegationen, Diplomaten, Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung und für den Warenverkehr.

Schon seit mehreren Tagen werden Ausländer aus Corona-Virus-Krisenzonen in Moskau und Petersburg abgefangen und zu einer Selbstisolation von zwei Wochen verpflichtet. Über andere Wege, beispielsweise per Bus oder Bahn über die Nachbarländer Estland oder Finnland konnte man bis zum 16. März problemlos und ohne jegliche Untersuchung einreisen. Nun sind ab dem 18. März bis vorläufig am 1. Mai auch diese Schlupflöcher dicht. Wie in den meisten anderen Staaten funktioniert das Flugnetz bis auf weiteres nur noch im Inland, wobei international minimale Verbindungen zwischen den Hauptstädten bestehen bleiben.

Stadtregierung verbietet Massenveranstaltungen

Die Petersburger Stadtregierung erliess am 13. März eine Verordnung, in der bis am 30. April sämtliche Massenveranstaltungen verboten wurden. Sämtlichen Personen, die in letzter Zeit die Krisenzonen besuchten, wurde eine zweiwöchige Selbstisolation verordnet. Bei Anzeichen von Grippe-Symptomen müssen die Betroffenen den Notarzt ins Haus rufen.

Gleichzeitit wurde eine Liste mit zuständigen Polikliniken veröffentlicht, wo man sich angeblich auf das Corona-Virus testen lassen kann. Doch wie Recherchen der Internet-Zeitung Fontanka.ru zeigten, waren viele der angegebenen Kliniken nicht darüber informiert und verfügten über keinerlei Ausrüstung für allfällig Tests.

Unternehmen und Verwaltung reduzieren Personal

Sämtliche Arbeitgeber wurden verpflichtet, ihren Mitarbeiter-Bestand auf ein Minimum zu reduzieren, die Verwaltungen aller Stadtbezirke schalten ebenfalls auf einen Minimalbestand um und organisieren ihre Katastrophen-Stäbe. Die Unternehmen versuchen, die neuen Bestimmungen so gut wie möglich umzusetzen, doch sind Putz- und Desinfektionsmittel meist schon ausverkauft, dito gilt wie überall für die Schutzmasken.

Die krisengewohnte Bevölkerung reagierte bisher ziemlich verhalten auf die anziehende Viren-Gefahr. Zwar waren in den Supermärkten teilweise Hamsterkäufe und leere Regale zu beobachten, doch keinerlei Anzeichen von Panik. Neben dem Coronavirus beschäftigt die Bevölkerung noch der gleichzeitig Kurssturz des Rubels wegen des stark fallenden Ölpreises. So dass neben dem Einkauf von Vorräten auch noch der Kauf ausländischer Valuta erledigt wurde.

Sarkasmus in der Bevölkerung

Man versucht sich mit einfachen Mitteln zu schützen und begegnet der Virus-Krise mit dem gewohnten russischen Sarkasmus. Unter anderem sorgte die Ausnahmebestimmung der russisch-orthodoxen Kirche für Schmunzeln, nach der der obligate Kuss des Kreuzes aus hygienischen Gründen durch eine Berührung mit der Stirn abgelöst und der Kelch beim Abendmahl nach jeder Person desinfiziert werden muss, für Schmunzeln.

Die neue Richtlinie wurde ausgerechnet an jenem Tag veröffentlicht, an dem die Gebeine des heiligen Johannes dem Täufer aus der Kasaner Kirche getragen wurden, die zuvor hunderte von Gläubigen geküsst worden waren. Wie Fontanka.ru schreibt, hatte diese Veranstaltung trotz des Versammlungsverbots stattgefunden, und die Helfer kamen wegen des Andrangs nicht nach, die Schatulle mit den Reliquien nach jedem Kuss zu reinigen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

www.fontanka.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Das kleinste Monument von St. Petersburg wurde vor dem Coronavirus geschützt…

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Gestern wurde wohl auch ein Konzert der Philharmonie abgesagt. Da die Musiker nicht anreisen konnten, sollte ein alternatives Programm aufgefuehrt werden. Das wurde dann aber dennoch abgesagt. Besucher die nicht rechtzeitig davon wussten wunderten sich. Spielte doch die Philharmonie sogar während der Blockade durch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Coronavirus in St. Petersburg: Ansteckungszahlen gehen nicht zurück

mehr…