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Coronavirus in St. Petersburg: Quarantäne wird ab 12. Mai gelockert

Von   /  29. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Ab Mitte Mai werden die Isolationsmassnahmen zurückgestuft. Petersburger Datschenbesitzer dürfen während der „Zwangsferien“ aufs Land fahren. In den russischen Gefängnissen wurden zahlreiche Covid-19-Infizierte festgestellt.

Präsident Putin gab in einer Fernsehansprache die erwartete Verlängerung der „arbeitsfreien Zeit“ bis am 12. Mai bekannt. Ab diesem Tag sollen die Quarantäne-Massnahmen stufenweise gemäss einem Plan gelockert werden, der bis am 5. Mai vorliegen soll. Vermutlich werden die Lockerungen analog jener in anderen Ländern erfolgen. In erster Linie geht es aber darum die gebeutelte russische Wirtschaft, die die grösste finanzielle Last des Lockdowns trägt, wieder auf die Beine zu bringen.

Die Verlängerung bedeutet eine weitere Durststrecke für viele Betriebe, Geschäfte und die angeschlagene Gastronomie. Die Autofabrik von Nissan bei St. Petersburg gab am 28. April bekannt, dass rund ein Viertel der rund 2000-köpfigen Belegung entlassen würde. Das einzige Trostpflaster für viele dürfte die Vereinbarung zwischen den Regierungen von Petersburg und dem Leningrader Gebiet sein, dass man die Datschenbesitzer während der Mai-Feiertage ohne Schikanen zu ihren Häusern fahren lassen will.

Ambulatorien für „Datschniki“ eingerichtet

Viele Pendler und Hausbesitzer waren verunsichert, weil eine ganze Reihe von Petersburger Vororten an der Ortsgrenze Kontrollposten errichtet hatte. Es wird jedoch allen dringend empfohlen, die Produkte in der Stadt einzukaufen und ohne Zwischenhalt auf die Datscha und wieder nachhause zu fahren. Um die Gesundheit der „Datschniki“ zu gewährleisten werden 35 provisorische Ambulatorien in den Siedlungen eingerichtet.

Ungeachtet der optimistischen Pläne ist die Zahl der Covid-19-Kranken und Todesopfer weiterhin am steigen. Der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow bezeichnete die Situation in Petersburg als schwer. Man balanciere an der Grenze meinte er gegenüber der Presse und gab die Erhöhung der Bettenzahl in der Stadt auf 5483 bekannt.

Infizierte in russischen Strafkolonien

In der Malaja Sadowaja im Petersburger Stadtzentrum errichtete die Aktivistin Irina Maslowa an einem Bauzaun eine Fotogalerie mit neun Todesopfern, Ärzten und Krankenschwestern, die infolge einer Covid-19-Infektion gestorben sind. Das Gesundheitsrisiko für  das medizinische Personal in Russland ist sehr hoch, weil vielerorts Schutzmasken und -Anzüge fehlen.

Die Staatliche Strafvollzugsbehörde (FSIN) teilte mit, dass 271 MitarbeiterInnen und 40 Inhaftierte mit dem Coronavirus infiziert sind. Schwere Fälle seien keine festgestellt worden. Für die Gefangenen, ihre Angehörigen und Anwälte seien spezielle Möglichkeit für die Kommunikation eingerichtet worden. Die Strafvollzugsbehörde wird jedoch immer wieder von Menschenrechtsorganisationen für die teils schlechten Haftbedingungen und die Missachtung der Rechte der Gefangenen kritisiert. Daher wird auch eine relativ hohe Dunkelziffer vermutet.

Produktion von Schutzmasken und Beatmungsgeräten erhöht

In Russland wurden am 28. April offiziell 93558 Virus-Erkrankte verzeichnet, 8456 wurden geheilt, 934 Personen sind gestorben. In Moskau sind 48426 Menschen erkrankt, 4130 geheilt und 546 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 3436 Virus-Kranke, 544 Geheilte und 27 Todesfälle registriert.

Seit Jahresbeginn wurde die Fabrikation von Beatmungsgeräten von 60-70 Stück auf 800 monatlich erhöht. Seit März wurde die Produktion von Covid-19-Tests verneunfacht und die Zahl der durchgeführten Tests von täglich 2500 auf 150.000 erhöht. Die Herstellung von Schutzmasken in Russland wurde von 800.000 Stück auf 8,5 Millionen täglich mehr als verzehnfacht – freilich verkaufen lediglich Internetfirmen die Schutzmaterialien, während in den Apotheken wie bisher keine Masken erhältlich sind.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Coronavirus in St. Petersburg – bisher vier Krankenschwestern und zwei Ärzte an Covid-19 gestorben

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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