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Coronavirus in St. Petersburg – orthodoxe Kirche setzt sich über Quarantäne hinweg

Von   /  30. März 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Die russisch-orthodoxe Kirche hielt sich demonstrativ nicht an die geltenden Massnahmen gegen das Coronavirus und hielt Gottesdienste ab als wäre nichts geschehn. Die Bevölkerung unterstützte diesen Trend und fuhr massenweise zum Grillen ans Meer. Derweil verschlimmerte sich die Situation, insbesondere in Moskau, wo die Ausgangssperre verschärft wurde. In Petersburg starb am 28. März der erste Covid-Patient.

Wie Augenzeugen und Reporter von Fontanka.ru feststellten, standen die Türen der Petersburger Kirchen am ersten Wochenende der verhängten Ausgangsbeschränkungen weit offen. Während sich die Gotteshäuser anderer Konfessionen strikt an die Anweisungen von Gouverneur Alexander Beglow hielten, hielt die russisch-orthodoxe demonstrativ in allen wichtigen Kirchen reguläre Gottesdienste ab.

Ebenso demonstrativ besuchte der Sprecher des Petersburger Stadtparlaments Wjatscheslaw Makarow einen Gottesdienst in der Isaakskathedrale. Wie das Moskauer Patriarchat erklärte, sei das Verbot lediglich eine „Empfehlung“ des Gouverneurs gewesen, ausserdem widerspreche es der durch die Verfassung garantierten Rechts auf freie Ausübung der Religion.

Ans Meer und an die Sonne

Als wären sie durch Makarow und das schöne Wetter dazu ermuntert worden, missachteten die Petersburgerinnen und Petersburger gleich in Massen die Vorsichtsmassnahmen der Regierung und fuhren an die finnische Buch um zu grillen. Wie Fontanka.ru berichtet, bildeten sich an mehreren Stellen auf den Küstenstrassen zwischen Sosnowy Bor südlich der Stadt und Sestrorezk nördlich davon lange Autoschlangen. In grossen Gruppen mit Kindern und älteren Menschen zogen die Leute an die Sonne. Auf die Gefahr der Grippenwelle angesprochen, meinten viele: Was für ein Coronavirus – wir haben Schaschlik!

Wieder andere gingen einkaufen – für viele war es die erste Gelegenheit nach den Arbeitstagen. Wie bereits früher gehörten zu den gefragtesten Produkten Toilettenpapier, Vitamine, Früchte und Gemüse. Während vielerorts die Leere und Stille in den Strassen von einer gewissen Disziplin zeugten, wurden die Parks trotz Absperrbändern besucht – wenn nur von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen mit „Sicherheitsabstand“.

Wie geht es weiter nach den „Putin-Ferien“

Viele beschäftigt die Frage, wie es nach den „Putin-Ferien“ weitergeht. Während in Moskau angesichts der Ausbreitung des Coronavirus eine Ausgangssperre mit Passierscheinen eingeführt wurde, macht man sich auch in Petersburg auf eine Verschärfung gefasst.

Mittlerweile sind in ganz Russland 1534 Coronavirus-Fälle gemeldet, davon 51 in Petersburg und im Leningrader Gebiet. Noch heilt das Botkin-Infektionskrankenhaus mehr Patienten als eingeliefert werden. Allerdings dort am 28. März der erste Coronavirus-Patient in Petersburg. In Russland sind bisher neun Menschen am Coronavirus gestorben, die meisten von ihnen litten bereits an anderen chronischen Beschwerden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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