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Coronavirus in St. Petersburg: Neujahrsfeier in der Quarantäne

Von   /  6. Dezember 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Obwohl niemand von einem erneuten Lockdown spricht, entspricht die Situation in Petersburg über die Neujahrstag faktisch diesem Zustand. Am schwersten trifft es wiederum die Gastronomie und die Veranstaltungsbranche, für die gerade diese Periode überlebenswichtig ist. Restaurants, Museen und Bühnen, sowie Schwimmbäder und Ozeanarien werden über die Neujahrstage geschlossen – die Bevölkerung soll zuhause bleiben. Während die Covid-Ansteckungszahlen weiter nach oben schnellen, hat der Präsident den Beginn der Impfungen in Russland angekündigt.

Vom 30. Dezember bis 3. Januar werden in St. Petersburg sämtliche Gasto-Lokale geschlossen. Während der übrigen Tage dürfen sie nur bis 19.00 Gäste empfangen. Eine Ausnahme hat der Gouverneur lediglich für Lokale auf dem Flughafen und auf Banhöfen gemacht. Zusätzlich werden gemäss dem Erlass der Regierung im Smolny während der gesamten Neujahrstage bis zum 10. Januar alle Museen und Bühnen der Stadt geschlossen. Verboten sind auch jegliche Versammlungen von Personen von mehr als 50 Personen.

Während der grösste Teil der kulturellen Institutionen vom Staat finanziert wird, kann die Gastronomie wie schon im Frühling schauen, wo sie bleibt. Die Neujahrstage sind auch zu normalen Zeiten für viele Lokale die eintragsreichste Periode, mit der die Jahresrechnung ausgeglichen wird. Nach den katastrophalen Verlusten während des Lockdowns im Frühling erhofften sich jene Restaurant-Betreiber, die überlebten eine teilweise Erholung des Budgets, die nun aber ausbleibt.

Hunderte Gastrolokale geschlossen

Wie der Kommersant schreibt, haben während des laufenden Jahres bereits 480 Lokale schliessen müssen, weitere 400 mussten ihre Tätigkeit wegen wirtschaftlicher Probleme vorläufig einstellen. Der Jahresumsatz der Branche sank von 92,6 Milliarden Rubel um 35 Prozent auf 65 Milliarden Rubel. Glimpflicher kommen wiederum die Einkaufszentren weg, denen eine Schliessung erspart bleibt. Die Betreiber der Shopping-Zentren hatten sich im November selbst mit einem Massnahmenkatalog zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr an die Stadtregierung und an die Kontrollbehörde „Rospotrebnadsor“ gewendet.

Wohl um ihren Bestimmungen Nachdruck zu verschaffen, strafte die staatliche Behörde anfang Dezember den Petersburger Eispalast nach zwei Konzerten des russischen Rappers „Basty“ mit einer Busse von happigen 480.000 Rubel ab. Die Inspektoren beanstandeten die Missachtung der Schutzmassnahmen unter den rund 6000 Zuschauern, von denen viele keine Masken trugen und keine Sicherheitsdistanz einhielten.

2500 Medizin-StudentInnen als Verstärkung im Einsatz

Wie Gouverneur Alexander Beglow am 2. Dezember bekanntgab, ist die Pandemie-Situation in der Stadt weiterhin angespannt. Von den knapp 11.000 Krankenbetten sind noch sechs Prozent frei. Ausserdem gestand Beglow ein gewisses Defizit diverser Anti-Covid-Medikamente ein, während es bei der Schutzausrüstung (Masken, Handschuhe usw.) keinen Mangel mehr gibt und die Preise erschwinglich sind. Es fehlt an medizinischem Personal, darunter Pflegepersonal, Röntgen-Laboranten, unter den ÄrztInnen sind vor allem Anästhesisten gesucht. Mittlerweile sind 2500 Medizin-StudentInnen der höheren Semester als Verstärkung in Polykliniken und Spitälern im Einsatz.

Während landesweit Rekord-Neuansteckungen bei über 28.000 Personen täglich verzeichnet werden, sollen laut einem Erlass von Präsident Putin in der kommenden Woche Impfungen im grossen Massstab anlaufen. Laut Putin stehen bisher zwei Millionen Dosen des Vakzinats „Sputnik-5“ zur Verfügung, mit denen in erster Linie LehrerInnen und ÄrztInnen geimpft werden sollen. Die Impfung soll kostenlos und freiwillig erfolgen. „Sputnik-5“ wurde im August als weltweit erster Covid-19-Impfstoff registriert. In Westeuropa hat Grossbritannien im Schnellverfahren zwei Impfstoffe zugelassen und will ebenfalls nächste Woche mit Impfungen beginnen.

In Russland wurden am 6. Dezember offiziell 2,4 Millionen Virus-Erkrankte verzeichnet, 1,9 Millionen wurden geheilt, 43141 Personen sind gestorben. In Moskau sind 647000 Menschen erkrankt, 490000 geheilt und 9349 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 148153 Virus-Kranke, 85481 Geheilte und 5830 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

www.kommersant.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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