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Coronavirus in St. Petersburg: Neuer Rekord von Neuansteckungen

Von   /  4. November 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- In Petersburg mehr als 1000 neue Covid-Fälle, in ganz Russland knapp 20.000 – diese Ziffern wurden sogar während der ersten Covid-Welle im Frühling dieses Jahres nicht erreicht. Vielerorts werden die Betten und das Personal knapp. Petersburg wird im Dezember neue Covid-Abteilungen eröffnen. Zu strengen Einschränkungsmassnahmen entschliesst man sich dennoch nicht.

Am 4. November wurden in Petersburg offiziell 1031 neue Ansteckungen gemeldet, insgesamt sind es in der Stadt 65170, 527 PatientInnen wurden an diesem Tag geheilt. Im ganzen Land zählte man 19768 neue Covid-Fälle, insgesamt sind es seit Beginn der Pandemie 1,7 Millionen Fälle, schreibt Fontanka.ru

Der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow kündigte während eines Treffens mit Präsident Putin die Eröffnung von vier neuen Covid-Behandlungsabteilungen im Dezember mit gesamthaft 1200 Betten an. Die neuen Trakte werden im Stadtkrankenhaus Nr.33 in Kolpino, im Nikolajew-Spital in Peterhof, sowie in der Kriegsveteranen-Klinik und im St. Lucca-Spital in Petersburg eingerichtet. Laut Beglow sind zur Zeit in Petersburg rund 80 Prozent der Betten, nämlich 7913 Betten von total verfügbaren 12.000 besetzt. Auch die täglichen Todeszahlen sind auf einen Rekordwert gestiegen und betrugen in Petersburg am 4. November 66 Menschenleben und in ganz Russland 389.

Neue Gelder aus Moskau

Obwohl in vielen Regionen Westeuropas, wo eine ähnliche Entwicklung vor sich geht, ein neuer Lockdown verhängt wurde, zögert man in Russland bis jetzt mit neuen Einschränkungsmassnahmen. Man befürchtet, ein neuer „Stillstand“ des öffentlichen Lebens könnte der an sich schon geschwächten Wirtschaft noch schwereren Schaden zufügen.

Laut Beglow erhält Petersburg aus dem föderalen Budget 52 Milliarden Rubel – 21 davon sind als Sonderprämien für das medizinische Personal vorgesehen, 31 Milliarden als Sozialleistungen für die Bevölkerung. Die Prämien für das Ärzte und Pflegepersonal gaben bereits zu reden, weil ein Teil der Berechtigten keine oder nur Bruchteile ihrer Prämien erhielten und nachweisen mussten, dass sie in der sogenannten „roten Zone“ arbeiten. Momentan läuft ein Gerichtsverfahren, in dem eine Pflegerin des Vreden-Spitals, wo sie Covid-Patienten pflegte und selbst erkrankte, die verweigerte Prämie einfordert.

Treffen mit Putin auf Eisbrecher

Gegenüber Putin, den er in Petersburg auf dem neuen Eisbrecher „Viktor Tschernomyrdin“ meinte er, die Covid-Situation sei trotz allem nicht kritisch. Noch vor zwei Tagen hatte er in einem Radiointerview das Gegenteil gesagt und gewarnt, dass bei einer weiteren Verschlechterung strengere Einschränkungen eingeführt werden müssten. Bisher sind ausser dem Masken- und Handschuh-Obligatorium im öffentlichen Verkehr und in Menschenansammlungen sowie Arbeitszeitbeschränkungen für Lokale keine neuen Schritte vollzogen worden.

Die neue Welle zeigt bereits wieder negative Wirkung in der russischen Wirtschaft. Wie der „Kommersant“ schreibt, meiden die Einwohner grosser Städte wie St. Petersburg oder Moskau die Einkaufszentren aus Angst sich anzustecken. Der sogenannte „Shopping Index“ zeigt für den Oktober 26 Prozent tiefere Besucherzahlen in den Shopping Malls an. Der Lockdown im Frühling hatte katastrophale Einbussen für das russische Business eingebracht, während Online-Zulieferer sensationelle Zuwachsraten verzeichneten.

Den grössten Schaden erlitten kleine und mittlere Betriebe. Da die meisten vom Kreml nicht als „systemrelevant“ eingestuft wurde, erhielten sie auch keine Stützungszahlungen wie die Grossen. Wie Beglow bekannt gab, soll der Wirtschaft nun mit einem Unterstützungspaket geholfen werden. Es besteht vor allem aus Steuererleichterungen oder Stundungen. Die so genannten „Steuerferien“ wurden für neu registrierte Unternehmen bis 2024 verlängert. Auch Stundungen oder Senkungen von Mieten für sozial orientierte NGOs in Gebäuden der Stadt sind vorgesehen. Kleine und mittlere Betriebe sollen zusätzliche staatliche Aufträge erhalten. Arbeitgebern, die sich für das öffentliche Wohl engagieren, soll ein Teil der Lohnkosten erstattet werden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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