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Coronavirus in St. Petersburg: Lockerungen im Eiltempo in Sicht

Von   /  9. Juni 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Obschon sich Russland und St. Petersburg noch immer auf dem sogenannten „Plateau“ der Coronavirus-Epidemie befindet, sollen bis Ende Juni die Einschränkungen eine um die andere fallen. Kritiker verdächtigen die Kremlregierung, damit auf fahrlässige Weise Optimismus in der Bevölkerung zu verbreiten – pünktlich vor der Volksbefragung zur Verfassungsreform am 1. Juli.

Völlig überraschend hat am 8. Juni der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin für den folgenden Tag die Aufhebung der Quarantäne und des Passierschein-Obligatoriums bekannt gegeben. Die MoskauerInnen dürfen sich nun mit Masken und Handschuhen sowie in gebührendem Abstand frei in der Stadt bewegen. Noch kurz hatte man darüber spekuliert, dass sie Lockerungen schrittweise ab dem 15. Juni in Kraft treten könnten. Nun geht es aber plötzlich im Eiltempo vorwärts mit den Lockerungen in der russischen Hauptstadt, obwohl Moskau bezüglich Covid-Fällen und Todesziffern immer noch landesweiter Leader ist.

Ab dem 9. Juni ist in Moskau nicht nur die Ausgangssperre aufgehoben, sondern auch Coiffeur- und Kosmetik-Salons, Fotostudios, Tierkliniken und Car-Sharing-Firmen dürfen wieder arbeiten. Ausserdem nehmen Kinostudios und wissenschaftliche Institute wieder ihre Arbeit auf, Theater, Orchester und Zirkus-Ensembles dürfen wieder proben. Ab dem 16. Juni können endlich die Restaurant und Cafés wieder öffnen, wenn auch vorerst nur mit Sommerterrassen. Bibliotheken, Museen, Ausstellungssäle und Tierparks öffnen ihre Tore. Agenturen für Werbung, Immobilien und Consulting, sowie Zahnärzte können wieder regulär arbeiten. Ab dem 23. Juni stehen die Spielplätze und Fitnesstrainer im Freien wieder offen. Gleichzeitig nehmen Fitness-Klubs, Schwimmbäder und andere Sportanlagen wieder den Betrieb auf. Was mit den Geschäften und Märkten passiert, darüber wurde bisher kein Wort verloren.

Lockerungsprogramm für Petersburg noch in Vorbereitung

Wenn dies für die schwer betroffene Hauptstadt gilt, so nimmt man zu recht an, dass andere Städte und Regionen bald nachziehen werden. Der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow hat bereits angekündigt, in den nächsten Tagen ein Programm über die schrittweise Lockerung der Einschränkungen zu präsentieren – offensichtlich wurde auch er von dem plötzlichen Tempo überrascht, das vom Moskauer Zentrum vorgegeben wird.

Kritische Stimmen vermuten hinter dieser rasanten Beschleunigung die Administration des Präsidenten. Der Oppositionspolitiker und Leiter des Fonds gegen Korruption Alexei Nawalny hat in seiner wöchentlichen Videosendung das Vorgehen des Kremls angeprangert. Putin gehe es in Wirklichkeit nur darum, sein Rating für die Volksbefragung über die Verfassungsreform anzuheben, mit der er seine Amtszeit verlängern wolle. Die Siegesparade am 24. Juni und das Referendum am 1. Juli werde zu Menschenmengen mit Hunderttausenden führen, die für eine neue Coronavirus-Welle sorgen könnten.

Tourismus in Russland 

Im Juni wird ausserdem in rund 40 Regionen Russlands der Tourismus wieder angekurbelt. Mit Reportagen aus den Sanatorien auf der Krim und am Schwarzen Meer wird für den „Urlaub zuhause“ geworben. Tatsächlich könnte es für diesen Sommer schwierig sein, im Ausland Ferien zu machen, gilt doch die ab dem 15. Juni beschlossene Grenzöffnung der europäischen Ländern nur für Reisende aus den Staaten des Schengenverbands. Konkretes wird erst im Juli klar, wenn die internationalen Airlines ihre Flugpläne präsentieren.

In Russland wurden am 8. Juni 2020 offiziell 476000 Virus-Erkrankte verzeichnet, 230000 wurden geheilt, 6030 Personen sind gestorben. In Moskau sind 197000 Menschen erkrankt, 104000 geheilt und 3029 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 18835 Virus-Kranke, 7915 Geheilte und 392 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold/Archiv

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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