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Coronavirus in St. Petersburg – „Gretschka“ ausverkauft – Hilferuf des Gastgewerbes

Von   /  19. März 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Nach den Schutzmasken scheint in Russland auch die „Gretschnewaja Kascha“ (deutsch: Buchweizengrütze) ausverkauft zu sein – ein typisches russisches Krisensymptom. Doch Regierung und Grossverteiler sehen noch keinen Grund zur Panik und versprechen baldige Abhilfe. Schlimm steht es um das Gastgewerbe, das schon seit Februar Umsatzeinbrüche von 40 bis 60 Prozent verzeichnet.

Die Grossverteiler planen zur Zeit keine Begrenzung für den Kauf der typisch russischen Krisenprodukte – „Gretschka“, Salz, Zucker, Öl und Mehl, die vielerorts fast oder ganz ausverkauft sind, meldet Fontanka.ru. Die Nachfrage nach diesen Produkten stieg in den letzten Tagen um 20 bis 40 Prozent. Die Bestände sollen jedoch bald aufgefüllt und der Einfachheit halber gleich pallettweise in die Geschäfte gestellt werden.

Reserven sind laut dem Petersburger Gouverneur Alexander Beglow vorhanden. Vor allem logistisch bringen die Hamsterkäufe die Supermärkte an ihre Grenzen. Wegen des Defizits und dem stark fallenden Rubelkurs hat die Regierung in Moskau Verhandlungen mit den Grossverteilern geführt und dabei stabile Preise vereinbar. Bei Import-Produkten ist wegen des schlechten Rubelkurses trotz allem eine Verteuerung zu erwarten.

Virtuelle Konzerte

In St. Petersburg sind mittlerweile Versammlungen von mehr als 50 Personen verboten, kulturelle Einrichtungen wie Museen, Kinos und Theater bis auf weiteres geschlossen. Viele Institutionen versuchen trotz Quarantäne einen Notbetrieb aufrecht zu erhalten und bieten ihrem Publikum virtuelle Programme an – so zum Beispiel das Alexandrinski-Theater, das einige seiner Vorstellungen live online zeigen will.

Vor allem das Gastgewerbe leidet unter den Anti-Virus-Massnahmen und der Angst vor Ansteckung. Schon vor einem Monat waren starke Umsatzeinbrüche zu spüren, und mit der Schliessung vieler Lokale stehen zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. In einer Petition haben mehrere Dutzend Restaurant-Besitzer den Petersburger Gouverneur gebeten, sie von Steuern und Kontrollen zu befreien und ihnen mit Krediten bei staatlichen Banken zu helfen.

Desinfizierung von Wohnheim und Ostseefähre

In Moskau ist die erste Patientin am Corona-Virus gestorben. Die 79-jährige Frau hatte mehrere chronische Leiden und starb an einer Lungenentzündung. In der Hauptstadt hat sich die Zahl der offiziell gemeldeten Viruskranken auf 56 erhöht, landesweit sind es 147. Laut Regierung ist man in Russland genügend auf eine Ausweitung der Epidemie vorbereitet – insgesamt sollen Spitalbetten für 55.00 Patienten und 40.000 Apparate zur künstlichen Beatmung bereitstehen.

Mögliche Infektionsherde werden desinfiziert, so zum Beispiel die Fähre „Princess Anastasia“, die zwischen Helsinki und Petersburg verkehrt. Auch ein Studentenwohnheim des Metschnikow-Instituts, wo während zwei Wochen Studenten isoliert waren, wird nun desinfiziert. Unter den Medizin-Studenten gab es keine Krankheitsfälle.

Mittlerweile wurde die Flucht aus der medizinischen Isolierung unter Strafe gestellt. Die Regierung will Leute, denen eine 14-tägige Quarantäne verordnet wurde, mit elektronischen Hilfsmitteln überwachen. Menschen in Quarantäne ist nicht erlaubt, ihre Wohnung zu verlassen, die Versorgung muss durch Bekannte oder Volontäre erfolgen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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