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Coronavirus in St. Petersburg: Gewerbe fordert Hilfe von Regierung

Von   /  22. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Obwohl die Angesteckten- und Opferzahlen in Petersburg und russlandweit steigen, verlieren viele in der Bevölkerung und im Gewerbe die Geduld und missachten die Quarantäne. Im Petersburger Vreden-Krankenhaus sind mehrere hundert Menschen wegen Ansteckungsgefahr isoliert. Derweil wird in Nowosibirsk der erste russische Coronavirus-Impfstoff getestet.

Von der anfänglich vorbildlichen Isolationsdisziplin ist in Petersburg nicht mehr viel übrig geblieben. Am 22. April rutschte die Stadt weiter in den „roten Bereich“ ab, was heisst, dass sehr viele Menschen ihre Wohnungen verliessen. Es wird davon ausgegangen, dass die Quarantäne, bzw. „Zwangsferien“ bis Mitte Mai verlängert werden. Ursprünglich war die Frist von der Regierung bis Ende April gesetzt worden. Der Höhepunkt, bzw. das Abflachen der Epidemie in Russland wird allerdings erst im Mai erwartet. Trotz allem weigert sich die Regierung, den Notstand auszurufen, wie das von vielen Unternehmen gefordert wird, die mit der grippebedingten Wirtschaftsflaute zu kämpfen haben.

Die Disziplin lässt auch bei den Gastronomie-Betrieben nach, von denen einige trotz des geltenden Verbots ihr Türen geöffnet haben. Laut Fontanka.ru wurden bisher 15 Lokale mit Beträgen bis zu 200.000 Rubel gebüsst. Einige von ihnen bedienten ihre Kundschaft mit ihren Produkten nur „zum mitnehmen“ und gerieten mit den Kontrollbehörden in Streit darüber, ob die Kunden das Lokal betreten dürfen, um die Ware mitzunehmen, oder nicht. In den vergangenen Wochen waren Restaurants generell geschlossen und konnten nur mit Kurieren arbeiten. Wegen der hohen Verluste drängt die Gastronomie-Branche auf eine Lockerung.

Krisensitzung mit dem Gouverneur

Am 21. April traf sich der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow mit Abgeordneten des Stadtparlaments und Vertretern der lokalen Geschäftswelt. Dabei wurden ihm die Resultate einer Umfrage unter 25000 Unternehmen vorgestellt. Von ihnen steht rund die Hälfte vor dem Aus, und einem Viertel von ihnen drohen Lohneinbussen bis zu 75 Prozent. 63 Prozent fordert die Ausrufung des Notstandes anstelle der verordneten „bezahlten Ferien“ zu Lasten der Firmen. 74 Prozent schlägt staatliche Hilfe zur Finanzierung von Lohngeldern vor. Beglow warf den Abgeordneten vor, die Krise für PR-Zwecke zu nutzen und bat sie, stattdessen die Bevölkerung zu Disziplin in der Quarantäne zu ermutigen. Geld für Unterstützungszahlungen hat die Stadt laut Beglow keines. Er schlug vor, die Anliegen auf föderalem Niveau vorzubringen und die Landesregierung dazu zu bringen, Gelder freizugeben.

Das Pharma-Unternehmen „Vektor“ in Nowosibirsk unternimmt nach eigenen Angaben die ersten Testversuche für einen Impfstoff an Menschen. Die Testgruppe besteht aus 60-70 Personen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren ohne chronische Erkrankungen. Ein Grossteil der Teilnehmer sind Mitarbeiter der Firma, die an der Entwicklung des Impfstoffs beteiligt waren. „Vektor“ stellt auch den grössten Teil der Covid-19-Tests, die in Russland angewendet werden, her – ihre Genauigkeit wird von einigen Medizinern angezweifelt. Zur selben Zeit werden auch in Deutschland und Grossbritannien die ersten Impfstoffe getestet.

Isoliert auf dem Eisbrecher

Der Eisbrecher „Akademik Treschnikow“ ist von einer Polar-Expedition in den Petersburger Hafen zurückgekehrt. Doch bevor die Besatzung das Schiff verlassen kann, müssen alle eine Quarantäne-Frist absitzen. Jene, die aus der Petersburger Region stammen, können dies zuhause tun. Alle anderen müssen noch zwei Wochen auf dem Schiff bleiben. Immerhin scheinen bisher alle gesund zu sein.

Anders sieht es im Petersburger Vreden-Spital aus, wo laut Fontanka.ru „Kranke von Kranken“ gepflegt werden. Insgesamt über 500 Personen – Pflegepersonal und PatientInnen befinden sich in strenger Isolation. Der Coronavirus wurde bisher bei mehreren Dutzend von ihnen festgestellt. Weil Ersatzpersonal fehlt, müssen die ÄrztInnen und PflegerInnen sich weiterhin um die Kranken kümmern und sich danach selbst hinlegen und versuchen, sich zu kurieren. Ausserdem sind wegen der Epidemie sämtliche Operationen abgesagt, was in einigen Fällen fatale Folgen hat.

In Russland wurden am 22. April offiziell 57999 Virus-Erkrankte verzeichnet, 4420 wurden geheilt, 513 Personen sind gestorben. In Moskau sind 31981 Menschen erkrankt, 2267 geheilt und 261 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 2267 Virus-Kranke und 14 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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