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Coronavirus in St. Petersburg – „geschlossene“ Stadt

Von   /  31. März 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Zusammen mit der Hauptstadt Moskau und über zwanzig Regionen führte auch Petersburg die verschärfte Quarantäne mit weitgehender Selbstisolation der Bevölkerung ein. Mehrere Petersburger Vororte haben Kontrollposten auf den Strassen eingerichtet. Die Arbeitszeit der Metro und des ÖV wurde verkürzt.

Ab dem 31. März gelten nun auch in Petersburg dieselben Einschränkungen wie für die Hauptstadt. Das bedeutet bis zum 5. April: Wenn immer möglich zuhause bleiben. Ausgang ist nur noch erlaubt, um nächstgelegene Geschäfte wie Supermärkte oder Apotheken zu besuchen oder um Gassi zu gehn und den Müll zu entsorgen. Die Parks und andere Orte, wo sich Menschen versammeln können, sind geschlossen. Die Metro ist nur noch bis 22.00 geschlossen, der übrige ÖV ist nicht länger als bis um 23.00 in Betrieb. Für Menschen im Alter von über 65 Jahren und Angehörigen von Risikogruppen ist jeder Ausgang gestrichen.

Neu werden die Bestimmungen auch überwacht – einerseits durch die Polizei, andererseits elektronisch, wobei die Bevölkerung per SMS und QR-Code kontrolliert werden soll. Kritiker werten diese Massnahme als Ausbau des Überwachungsstaats. Wer sich jedoch den Anweisungen widersetzt kann seit dem heutigen Duma-Beschluss auch wesentlich härter bestraft werden als bisher. Das Strafenregister reicht von happigen Geldbussen bis hin zu Gefängnis im nachgewiesenen Ansteckungsfall.

Selbstdisziplin der PetersburgerInnen gewachsen

Härter wird auch gegen Personen vorgegangen, die so genannte Fake-News bezüglich Corona-Virus verbreiten. So lud das staatliche Ermittlungskomitee (SK) die Leiterin der unabhängigen Gewerkschaft „Ärzte-Allianz“ Anastasia Wasilewa vor, weil sie angeblich falsche Kranken-Zahlen verbreite mit dem Ziel Panik zu verursachen, schreibt Newsru.com In einem Video hatte die Ärztin die Regierung kritisiert, weil sie angeblich die Ärzte dazu zwinge die wahre medizinische Lage in Russland und die Mängel im Gesundheitswesen zu verschweigen.

Nachdem sich am Wochenende noch viele nicht an die Anweisungen gehalten hatten, gehört Petersburg nun punkto Selbstisolation zu den führenden russischen Städten, die von der Yandex-Verkehrsstatistik ermittelt werden. Die Passagierzahlen in der Metro sind um 79 Prozent, jene in den übrigen Verkehrsmitteln um 84 Prozent gesunken. Wie Fontanka.ru schreibt, können die Einschränkungsmassnahmen bei einem weiteren Anstieg der Ansteckungszahlen weiter verschärft werden und bis zu einer kompletten Isolation der Stadt ausgeweitet werden.

Geldreserven vieler Leute werden knapp

In einer Reihe von Orten im Leningrader Gebiet wurde dies wegen neuer Coronavirus-Fälle bereits umgesetzt. Kronstadt, Murino, Janino, Enkolovo, Glinka und Kingisepp können nur noch von Bewohnern oder Datscha-Besitzern mit Dokumenten betreten werden. Ausserdem sind das Betreten der Wälder und jede Art von Jagd verboten worden. Die Grenzen zwischen der Stadt und dem Leningrader Gebiet soll jedoch weiterhin durchlässig bleiben, es empfiehlt sich jedoch, Ausweispapiere bei sich zu tragen.

Die Frage, inwieweit die Massnahmen am 5. April zeitlich verlängert werden, beschäftigt alle – insbesondere jene, die durch die häusliche Isolation um ihren Verdienst gebracht werden. Wie der „Kommersant“ schreibt, besitzen lediglich 40 Prozent aller Stadtbewohner Erspartes, um während mehreren Monaten über die Runden zu kommen.

Am 31. März wurden in Russland 500 neue Coronavirusfälle in 24 Regionen registriert. Bisher sind acht neue Todesfälle verzeichnet, davon fünf in Moskau und je einer in Petersburg, im Gebiet Wladimir und Pensa. Seit dem Beginn der Epidemie in Russland gibt es nun 2337 bestätigte Covid-19-Fälle in 73 Regionen, 17 Todesfälle und 121 geheilte Fälle.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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