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Coronavirus in St. Petersburg: Endlich wird die Isolation gelockert

Von   /  29. Mai 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Die Stadtregierung hat eine Reihe von Lockerungen beschlossen, obschon damit noch nicht der völlige Ausbruch aus der Isolation geschafft ist. Das Russische Museum will den Besuch im Sommergarten wegen der Verluste in der Quarantäne kostenpflichtig zu machen. Estland öffnet seine Grenzen für Reisende aus mehreren Schengenstaaten. Finnland kämpft mit Verlusten in der Grenzregion und bleibt vorläufig geschlossen für russische Reisende.

Am 28. Mai gab der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow die Lockerungen der Quarantäne-Massnahmen bekannt, die am 1. Juni in Kraft treten. Menschen älter als 65 Jahre, die bisher zuhause sitzen mussten, können nun wieder an die Luft. Ihre Selbstisolation wird nur noch empfohlen. Das Tragen von Masken und Handschuhen im Freien wird ebenfalls nicht mehr vorgeschrieben, während beides an Orten mit Menschenansammlungen, in Transportmitteln und in Geschäften obligatorisch bleibt. Ausserdem werden notarielle und juristische Einrichtungen geöffnet, und Friedhöfe dürfen mit Masken besucht werden. Am selben Tag werden ausserdem die vergünstigten Fahrkarten für Rentner, Invalide, Schüler und Studierende wieder in Kraft gesetzt. Man hatte sie blockiert, um damit die Mobilität einzuschränken.

Das Russische Museum will Verluste kompensieren

Zwar werden die Parks noch nicht offiziell zum Besuch freigegeben, obschon bereits jetzt viele Menschen die Besuchsverbote missachten. Dennoch macht man sich im Russischen Museum schon jetzt Gedanken darüber, wie man die Einnahmeausfälle der letzten Monate kompensieren könnte und erwägt für den Sommergarten Eintritt zu verlangen. Wie Museumsdirektor Wladimir Gusew verlauten liess, hat der Coronavirus für rund 90 Millionen Rubel Verlust an Eintrittsgeldern sowie Gehaltssenkungen bei den Angestellten gesorgt.

Die Idee, für den Sommergarten Eintritt zu verlangen, besteht schon seit dessen Neueröffnung nach der langjährigen Renovierung. Wegen Protesten aus der Bevölkerung und von Seiten der Politik nahm man jedoch Abstand davon. Die baldige Öffnung der grossen Parkanlagen Petersburgs nach der Quarantäne wird von verschiedenen Seiten verlangt. Der Besuch in den Grünanlagen von Peterhof, Puschkin und Pawslowsk wäre unter Einhaltung der Sicherheitsdistanz möglich.

Bald wieder Fussballspiele möglich

Ab dem 21. Juni werden in Russland wieder Fussballspiele veranstaltet, allerdings nur mit Tribühnen, die maximal zu zehn Prozent besetzt sind. Auch in anderen Bereichen denkt man über eine mögliche Lockerung der Besuchsverbote nach – so auch bei den Kinos, für deren Betrieb schon offizielle Richtlinien herausgegeben wurden. Es gilt minimum ein Meter Sicherheitsabstand zwischen den Zuschauern sowie eine 30-minütige Pause zur Saalreinigung zwischen den Filmvorführungen.

Die Kinobranche hatte während der letzten Monate schwere Einbussen zu verkraften. Doch nicht nur die Kinobetreiber, sondern auch die Filmstudios machen schwere Zeiten durch. So warnte Alexei German, der Direktor des traditionsreichen Petersburger Studios „Lenfilm“, vor dessen möglichem Bankrott noch in diesem Sommer. Wie der „Kommersant“ schreibt, erhielt das Studio 2013 einen Kredit von 1,5 Milliarden Rubel, doch wurden viele der nötigen Modernisierungsmassnahmen und eine Schuldenrestrukturierung nicht vorgenommen.

Die Krim öffnet sich schrittweise

Die russischen Staatsbahnen werden ab dem 29. Mai in den Fernzügen wieder die normale Sitzordnung ohne Sicherheitsabstand einführen. Im Gegensatz dazu werden für Flüge in Russland und Europa spezielle Sitzordnungen mit mehr Abstand und Maskenpflicht gelten.

Unter den russischen Feriendestinationen, die sich auf die Sommersaison vorbereiten, ist auch die Krim. Obschon dort bis jetzt noch eine kostenpflichtige zweiwöchige Isolation für Anreisende aus anderen Regionen gilt, lockert man in Sewastopol ab dem 1. Juni bereits die Einschränkungen für die Bevölkerung. Parks, Strände, Sportklubs, und Restaurants öffnen sich, letztere werden jedoch vorläufig nur im Freien arbeiten dürfen. Anreisende aus anderen Regionen Russlands müssen einen negativen Covid-Test vorweisen.

Finnland fehlen die russischen Touristen

Estland öffnet am 1. Juni seine Grenzen für Touristen aus Österreich, Tschechien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Lettland, Lichtenstein, Litauen, Norwegen, Polen, Slowenien, der Slowakei und der Schweiz. Reisende aus anderen Staaten müssen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Finnland, das weit stärker vom Coronavirus betroffen ist  als das Baltikum und wird seine Grenzen frühestens am 14. Juni öffnen. Die Grenzregion Südkarelien drängt aber auf Lockerungen, da die Verluste wegen der ausbleibenden Touristen aus Russland rund eine Million Euro pro Tag betragen, schreibt Fontanka.ru Im vergangenen besuchten rund 1,9 Millionen Ausländer die Region, davon waren 96 Prozent Russen, die etwa 310  Millionen Euro ausgaben.

Covid-Impfstoffe in Testphase

Derweil kommen weltweit mehrere Covid-Impfstoffe in die Testphase. Insgesamt wurden 124 Kandidaten eingereicht, von denen sich zehn in der klinischen Testphase befinden. Russland hat der Weltgesundheitsorganisation WHO acht Varianten vorgeschlagen, und in Petersburg wird im Juni mit vorklinischen Tests eines Impfstoffs begonnen. Eine Coronavirus-Impfung wird ähnlich wirken wie jene gegen eine übliche Grippe. Sie wird zwar keinen vollständigen Schutz bieten, aber die Symptome deutlich abschwächen können.

In Russland wurden am 28. Mai 2020 offiziell 379000 Virus-Erkrankte verzeichnet, 150000 wurden geheilt, 4218 Personen sind gestorben. In Moskau sind 173000 Menschen erkrankt, 71251 geheilt und 2330 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 14846 Virus-Kranke, 4783 Geheilte und 167 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold/Archiv

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

www.echo.msk.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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