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Coronavirus in St. Petersburg: Hauptstadt zieht an, Regionen zögern

Von   /  13. Oktober 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Während in Moskau angesichts des erneuten Anstiegs der Covid-Fälle die einschränkenden Massnahmen wieder verschärft werden, zögern die anderen Regionen. Wie überall befürchtet man einen wirtschaftlichen Kollaps. Der russische Impfstoff wird bereits international getestet.

Russland wurde mit fast 14.000 neuen Covid-Fällen pro Tag praktisch wieder auf den Stand von April/Mai zurückgeworfen. Landesweit sind die bereitstehenden Bettreserven für Covid-Kranke schon zu 90 Prozent ausgelastet. Die sinkenden Temperaturen dieser Tage sollen den Anstieg der Krankenzahlen weiter verschärfen.

Moskau schickt 30 Prozent der Angestellten ins Home-Office

Die Hauptstadt Moskau als Ansteckungsleader reagierte in den letzten Tagen mit harrschen Massnahmen. So müssen Betriebe mindestens 30 Prozent ihrer Angestellten auf Home-Office umstellen. Es werden Stichproben durchgeführt, und bei Verstössen drohen harte Strafen. Ausserdem müssen die Betriebe ihre Mitarbeiter im Home-Office auf einer Webseite registrieren, die gestern wegen der vielen Anmeldungen vorübergehend zusammengebrochen ist. Die Vorschrift könnte für viele mittlere und kleine Unternehmen das Ende bedeuten, weil 80 Prozent von ihnen keine elektronische Unterschrift besitzen, die für die Registrierung gefordert wird. Ausserdem können längst nicht alle Unternehmen auf 30 Prozent ihrer MitarbeiterInnen an Ort verzichten.

Wie schon im Frühling hat die Stadt den ÖV für Senioren eingeschränkt und deren kostenlose Magnetkarten gesperrt, um das Ansteckungsrisiko für diese Altersgruppe zu senken. Für Personen über 65 Jahren wurden ausserdem sämtliche Bühnen gesperrt. Auch die öffentliche Verwaltung wird wiederum stufenweise geschlossen. Am 13. Oktober wurden sämtliche Gerichte auf den Online-Betrieb umgestellt. Die allgemeine Masken-Disziplin, die vielerorts nur large eingehalten wurde, wird mit strengen Strafen durchesetzt – bis jetzt wurden 10.000 Personen gebüsst.

Verwechslung bei Bestattung von Covid-Opfer in Sibirien

Auch aus den Regionen werden wieder hohe Ansteckungs- und Todeszahlen gemeldet. Aus Simferopol, der Hauptstadt der Krim, wurde gemeldet, dass eine Klinik ihren Betrieb einstellen musste, weil das gesamte Personal mit Covid angesteckt wurde, schreibt Newsru.com. Die Krim verzeichnete sofort nach der Urlaubssaison einen starken Anstieg an Ansteckungen. In der sibirischen Region Kemerorow erhielt eine Familie die Todesanzeige ihres Grossvaters im Altersheim. Später stellte sich heraus, dass dieser noch lebte und an seiner Stelle eine andere Person begraben worden war. Bisher ist unbekannt, wer an seiner Stelle begraben wurde, weil der Sarg bei der Bestattung wegen der Ansteckungsgefahr nicht geöffnet wurde. Wie Fontanka.ru schreibt, sind landesweit bereits 90 Prozent der Betten für Covid-Patienten belegt.

Trotz des erneuten starken Anstiegs reagieren die Regionen nur zögerlich mit neuen Massnahmen. In Petersburg wurden Einschränkungsmassnahmen bisher nur in Form von Empfehlungen verbreitet. An den Eingängen zur Metro, in Bussen und Trams werden zwar sämtliche Passagiere dazu aufgefordert, Masken anzuziehen, doch werden auch Personen ohne Schutz eingelassen. Viele Geschäfte verlangen von ihren Kunden einen Maskenschutz, doch die Disziplin lässt auch hier vielerorts zu wünschen übrig. Insgesamt ist der Anteil an Passanten mit Masken angestiegen.

Russischer Covid-Impfstoff stösst auf weltweites Interesse

Der russische Covid-Impfstoff «Sputnik-5», der im August registriert wurde, wird zurzeit einer weiteren Testphase unterzogen an der insgesamt 40.000 Freiwillige teilnehmen. 12.000 Personen wurden bisher geimpft. Weltweit haben rund 30 Länder ihr Interesse an dem Impfstoff angemeldet, in denen etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung leben. Brasilien erhält 50 Millionen Dosen des Impfstoffs, beteiligt sich am Testprozess und plant den Impfstoff selbst herzustellen. Auch Indien will «Sputnik-5» herstellen, Saudiarabien und die Philippinen beteiligen sich seit September an den Tests.

In Russland wurden am 13. Oktober offiziell 1,3 Millionen Virus-Erkrankte verzeichnet, 1 Million wurden geheilt, 22966 Personen sind gestorben. In Moskau sind 339000 Menschen erkrankt, 264000 geheilt und 5687 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 48686 Virus-Kranke, 31909 Geheilte und 3275 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

www.kommersant.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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