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Coronavirus in St. Petersburg: Den Spitälern fehlt das Personal

Von   /  1. Mai 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Wegen des hohen Ansteckunsrisikos und niedrigen Gehältern herrscht in vielen Petersburger Kliniken Personalmangel. Trotz Quarantäne genossen viele PetersburgerInnen die Sonne am Tag der Arbeit. Die Fähre „Princess Anastasia“ wurde wegen der Coronavirus-Epidemie nach Murmansk geschickt.

In zwölf Petersburger Spitälern werden händeringend ÄrztInnen und Pflegepersonal gesucht. Das hat Fontanka.ru bei einer Recherche der Stelleninserate der Krankenhäuser festgestellt. Jetzt, wo die Covid-Ansteckungszahlen erneut in die Höhe schnellen, fehlen Infektionisten, Pulmonologen, Anästhesisten und Pflegepersonal jeder Art, die bereit sind, Covid-19-Patienten zu behandeln.

Neben dem hohen Gesundheitsrisiko halten sicher auch die vergleichweise schlechten Löhne die Spezialisten von einer Bewerbung ab. So werden einem Anästhesisten in Petersburg für 15 Schichten pro Monat 85000 Rubel (rund 1000 Euro) Gehalt angboten – das ist etwa fünf Mal weniger als er für denselben Job in Moskau bekommt. Der Personalmangel hat aber auch direkt mit dem Coronavirus zu tun – mehr als 250 ÄrztInnen wurden bisher angesteckt und befinden sich im Botkin-Infektionskrankenhaus. Mehrere sind bereits gestorben.

Am 1. Mai waren in Petersburg mehr als 4400 Infizierte registriert, der Zuwachs betrug in einem Tag 349 Personen. Das Personal des Kriegsveteranen-Krankenhauses macht sich bereit, Kranke im umgerüsteten Lenexpo-Messekomplex zu behandeln. Für eine Milliarde Rubel wurde Schutzausrüstung für das Personal angekauft.

Viel Spaziergänger am sonnigen 1. Mai

Dem Aufruf von Präsident Putin, über die Mai-Festtage zuhause zu bleiben, folgten die meisten PetersburgerInnen mit wenig Enthusiasmus. So war das Stadtzentrum am 1. Mai mässig bevölkert. Das schöne Wetter am Tag der Arbeit lockte viele aus den Wohnungen, um einen Spaziergang durch die blühenden Parks zu unternehmen – Absperrbänder und drohende Bussen nützten da wenig. Gouverneur Alexander Beglow drohte mit einer Verschärfung der Quarantäne-Bestimmungen, wenn sich die Disziplin nicht verbessert.

Wie der „Kommersant“ schreibt, wurde die Fähre „Princess Anastasia“, die normalerweise zwischen Petersburg und Skandinavien kursiert, nach Murmansk beordert, wo sie am 2. Mai eintreffen soll. Dort soll sie als schwimmendes Wohnheim für Arbeiter dienen, die für den Energiekonzern Novatek eine Werft für Gasverflüssigungsplattformen bauen.

Unter ihnen sind bereits 900 Infizierte festgestellt worden. Das Schiff wird jedoch vermutlich nicht zur Behandlung, sondern zur Isolation und Beobachtung Angesteckter verwendet werden. Das Coronavirus verbreitet sich derweil weiter – am 30. April wurde bekannt, dass Premierminister Michail Mischustin angesteckt wurde und sich zur Behandlung zurückgezogen hat.

In Russland wurden am 1. Mai 2020 offiziell 114000 Virus-Erkrankte verzeichnet, 13220 wurden geheilt, 1169 Personen sind gestorben. In Moskau sind 57300 Menschen erkrankt, 5766 geheilt und 658 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 4411 Virus-Kranke, 779 Geheilte und 33 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Coronavirus in St. Petersburg: Quarantäne wird ab 12. Mai gelockert

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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