Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Coronavirus in St. Petersburg – bisher vier Krankenschwestern und zwei Ärzte an Covid-19 gestorben

Von   /  27. April 2020  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Die Petersburger Spitäler kämpfen mit Infektionen im Personal. Hunderte russischer Soldaten wurden positiv auf Covid-19 getestet. Die Polizei fotografiert Quarantäne-Brecher nach der Festnahme in Parks.

Auf der Intensivstation des Botkin-Infektionskrankenhaus ist der zweite Petersburger Arzt, der Neurochirurg Alexei Filippow an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Der 51-Jährige war leitender Neurochirurg am Alexandrow-Spital und galt mit 20 Jahren Berufserfahrung als Kapazität auf seinem Gebiet.

Zuvor starben bereits vier Krankenschwestern aus verschiedenen Petersburger Spitälern sowie eine Anästhesist aus dem Alexandrow-Krankenhaus an der Virus-Infektion. Am 26. April wurde ausserdem bekannt, dass im Mariinsky-Krankenhaus bei mindestens 50 MitarbeiterInnen Covid-19 nachgewiesen wurde.

Dramatische Zustände in der Vreden-Klinik

In der Petersburger Vreden-Klinik für Traumotologie, wo sich 500 Personen – PatientInnen und medizinisches Personal angesteckt haben, herrschen dramatische Zustände. Wie eine Mitarbeiterin der Klinik in einer Videobotschaft schilderte, verfügt das Krankenhaus praktisch über keine spezifischen Medikamente oder Ausrüstung für eine Covid-19-Behandlung. Sie würden „mit Weihwasser“ behandelt, sagte sie.

Auch über den Gesundheitszustand der Isolierten herrsche Ungewissheit. Wie die Klinik-Angestellte schildert, wurde sie bereits mehrmals getestet, erfuhr jedoch nie das Resultat. Sie spüre Symptome wie Husten und Schmerzen in der Brust, wisse aber nicht, ob es eine Corona-Virus-Infektion sei. Ein Grossteil der Spital-Insassen sei bereits in spezialisierte Kliniken in der Stadt abtransportiert worden, die übrigen sässen immer noch in der Klinik und wüssten nicht, wie es weitergeht, berichtete sie.

Klinik-Leiter orientiert über schrittweise Normalisierung

In einer Videobotschaft meldete sich der Leiter der Klinik zu Wort, bedankte sich bei den Betroffenen für die Geduld und informierte darüber, dass bereits 20 Isolierte in die Selbst-Isolierung zuhause entlassen worden seien und in den kommenden Tagen auch schrittweise die übrigen Personen entlassen oder verlegt würden. Er gestand zwar Mängel bei den Hygieneschutzmitteln ein, dementierte jedoch das Fehlen der nötigen Medikamente. Die Klinik würde desinfiziert und mit einem ansteckungssicheren System für den Schichtwechsel versehen, um wieder normal zu arbeiten.

Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass 874 Wehrpflichtige infiziert worden sind, vier Soldaten befinden sich in schwerem Zustand. Wie das städtische Gesundheits-Komitee bekannt gegeben hat, wird ab dem 27. April die Behandlung von Viruskranken durch Transfusion von Blut mit Covid-19-Antikörpern eingeleitet. Diese Methode wird bereits mit Erfolg in China, Deutschland und den USA angewendet.

Wirtschaft soll aus Quarantäne herausgeführt werden

In den grossen Petersburger Parks führte die Polizei in den letzten Tagen verstärkt Kontrollen durch. Wie Fontanka.ru schreibt, beschwerten sich Leute, die im Sosnowka- oder im Udelni-Park festgenommen wurden, dass sie danach fotografiert worden seien, obwohl sie keine zur Fahndung ausgeschriebenen Schwerverbrecher seien. Die Polizei liess verlauten, diese Prozedur sei üblich, während Juristen dies bezweifeln. Per Gesetz darf die Polizei nur jene Leute fotografieren, die per Gerichtsentscheid verhaftet werden oder deren Identität nicht feststeht.

Derweil hat Premierminister Michail Mischustin die zuständigen Behörden dazu angewiesen, bis Ende April einen Plan zum schrittweisen Ausstieg aus der Quarantäne für die Wirtschaft auszuarbeiten. Trotz steigender Ansteckungszahlen will man die schwer angeschlagene Wirtschaft nach den „Zwangsferien“ so rasch wie möglich wieder reanimieren. Wie Maxim Reschetnikow bekannt gegeben hat, verliert das russische Business an jedem Quarantäne-Tag 100 Milliarden Rubel. Bisher wird davon ausgegangen, dass die Quarantäne noch bis Mitte Mai verlängert wird.

In Russland wurden am 26. April offiziell 80949 Virus-Erkrankte verzeichnet, 6767 wurden geheilt, 747 Personen sind gestorben. In Moskau sind 42480 Menschen erkrankt, 3175 geheilt und 435 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 3077 Virus-Kranke, 498 Geheilte und 27 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Coronavirus in St. Petersburg – Polizei erhält grössere Vollmachten bei Quarantäne-Kontrollen

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Coronavirus in St. Petersburg: Restaurants und Einkaufszentren geöffnet – endlich!

mehr…