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Coronavirus in St. Petersburg: Ansteckungszahlen steigen erneut dramatisch an

Von   /  1. Oktober 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Ganz Russland verzeichnet einen erneuten starken Anstieg von Covid-Fällen. Die Regierung reagiert bisher unentschlossen, mehr mit Empfehlungen als mit Verordnungen. Auch in Petersburg wird das Masken-Regime locker gehandhabt – ganz offensichtlich hat die Bevölkerung die Einschränkungen satt.

Mit knapp 9000 neuen Covid-Fällen pro Tag hat Russland schon wieder den Stand von Mitte Juni erreicht, und man rechnet mit einem weiteren Anstieg wie an anderen Orten in Europa, wo man von einer zweiten Welle spricht. Als Hauptgründe, werden die large Schutzdisziplin und die Ferienzeit genannt. Trotz der weitgehend fehlenden Reisemöglichkeiten zog es viele Russinnen und Russen in den Süden Russlands und auf die Krim oder in offene Länder wie die Türkei, um trotz der Pandemie einen Badeurlaub zu verbringen. Diese These wird gestützt durch die starke Zunahme von Covid-Fällen auf der Krim in den letzten Tagen.

Unterstützt wurde die Tendenz durch die rasche Zurücknahme der Quarantänemassnahmen durch die Regierung im Juli/August. Doch kaum ist die Bevölkerung aus den Ferien an die Arbeit oder in die Schulen und Kindergärten zurückgekehrt, wird die Lage wieder kritisch. In der Hauptstadt Moskau wurden die Unternehmen dazu verpflichtet, mindestens 30 Prozent ihrer Mitarbeiter ins Home-Office zu schicken, vermutlich wird das Regime weiter verschärft und auf andere Regionen ausgeweitet.

In Petersburg wieder Maskenobligatorium

Das Leningrader Gebiet hat die Einschränkungen an jenen Ort verschärft, wo ein erneuter Anstieg verzeichnet wurde – in Priozersk und Vsewoloschsk. Auch die Art der Massnahmen sind differenzierter – zwar sind Kinos geschlossen und Massenveranstaltungen verboten, aber das Gastgewerbe darf arbeiten, wenn der Abstand von 1,5 Metern eingehalten und die Lokale nur zu 50 Prozent besetzt sind.

In St. Petersburg gilt ab dem 1. Oktober wieder ein Masken- und Handschuh-Obligatorium für den öffentlichen Verkehr. Wie jedoch die Internet-Zeitung Fontanka.ru schreibt, trägt nur ein Teil des Personals der Metro und der Bus- und Trambetriebe konsequent Schutzbekleidung. Während Masken wenigstens teilweise von der Bevölkerung getragen werden, gibt es kaum Menschen mit Handschuhen.

Personal trägt oft keine Masken und Handschuhe

Auch die Eintrittskontrollen sind lau – an den Metroeingägen wird bisher nur «inständigst» um das Tragen einer gebeten. Nur in den wenigsten Fällen werden Leute ohne Maske zurückgeschickt. Erschwerend kommt hinzu, dass es an den wenigsten Metrostationen noch Automaten für Masken oder Handschuhe gibt wie im März. In Bussen oder Trams findet praktisch keine Kontrolle statt, abgesehen davon, dass auch dort das Personal oft maskenlos arbeitet.

Der Flughafen St. Petersburg ist hingegen wieder nur mit Maske zu betreten. Rückreisende werden zu einem Covid-Test am Flughafen oder in Stadt verpflichet. Da die Bevölkerung die Masken offensichtlich satt hat, bezeugt die Gewohnheit vieler, sie nur pro forma am Eingang anzuziehen, um sie danach gleich wieder in der Tasche verschwinden zu lassen.

Am 1. Oktober wurden in Russland offiziell 1,1 Millionen Virus-Erkrankte verzeichnet, 964.000 wurden geheilt, 20891 Personen sind gestorben. St. Petersburg liegt landesweit an zweiter Stelle, und wie Fontanka.ru schreibt, könnte sich die Zahl «aktiv kranker» Personen im schlimmsten Fall von heute 11000 bis Ende Jahr auf 18000 Fälle erhöhen. Aus diesem Grund ist man auch wieder dazu übergegangen, Spitäler «umzuprofilieren», um die Anzahl verfügbarer Betten für Covid-Kranke zu erhöhen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

www.kommersant.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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