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Blog: Auf halbem Weg aus der Pandemie – meine erste Corona-Impfung

Von   /  24. Februar 2021  /  Keine Kommentare

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Von Markus Müller

Schon geimpft? In Russland geht die Covid-Impfung entgegen aller Erwartungen überraschend schnell und reibungslos, wie der langjährige Petersbürger Markus Müller in der nächstgelegenen Polyklinik am eigenen Leib erfuhr.

Ende Januar holte ich mir bei „Gorsdraw“, der städtischen Krankenversicherung,  meine obligatorischen  und kostenlose Versicherungspolice ab. Jahrelang wähnte ich mich im Besitz einer Solchen, bis ich 2019 herausfand das für Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis „Vid na Shidelstvo“, diese Police immer nur von Jahresbeginn bis Jahresende gilt. Danach muss jeden November eine neue beantragt werden.

Besser als Ihr Ruf: die Polikliniken

Bis auf einen Beinbruch Ende der 90er hatte ich bislang keine Berührungspunkte mit dem staatlichen Gesundheitswesen.  Aus dem Familienkreis und von Freunden war zu hören, dass die in den Neunzigerjahren vernachlässigten Polikliniken, auf denen hier Last des kostenlosen Gesundheitswesen liegt, inzwischen frisch renoviert und der Service ganz ordentlich sei. Mehr aus Spaß wedelte ich mit der Police für das Jahr 2021 und fragte mein Frau wann wir den mit den Impfungen dran kommen könnten?

Wartezeit auf den Termin? 10 min!

Sie nahm den Wink ernst, und am Morgen des 2 Februar 2021 riefen wir dann bei unserer Klinik an. Ein Ort, den ich aus dem Fenster im nächsten Block von außen sehen kann –  aber noch nie betreten habe.  Meine wenigen eines Arztes würdigen Untersuchungen wurden in den letzten 20 Jahren immer in einer der vielen Privatkliniken erledigt.

Überrascht war ich, dass wir sofort eine Dame am Apparat hatten und ich sogar in der Datenbank war. Mein Policen-Nummer reichte aus um einen Termin am 24. Februar zu bekommen. Meine Frau, die noch mit Ihrem alten Sowjetischen Pass im System stand, brauchte 10 min. länger, wurde aber dann aber gleich mit mir zum gleichen Termin zur Impfung gesendet. Die zuständige Poliklinik Nr. 48 war 20 Gehminuten weiter. So wurde das nix mit dem Kennenlernen meiner designierten Poliklinik Nr. 29.

Der Impfstoff scheint besser als erwartet

Warum ich den 2 Februar erwähnte? Weil ich Wert darauf lege, dass wir uns einen Tag vor der Nachricht über die überraschend guten Impferfolge vom Sputnik V zur Impfung entschlossen hatten. An dem Nachmittag ging dann die Meldung raus, dass die britische Fachzeitung „Lancet“  dem Stoff eine 91-prozentige Wirksamkeit bescheinigte.  Sputnik V lag damit knapp hinter Biontech und weit vor dem AstraZeneca-Impfstoff. Kaum mit dem Termin versehen,  prasselten auch schon diese Nachrichten auf uns ein.

Viele meiner russischen Mitbürger waren bis zu dem Zeitpunkt der Meinung, dass „Sputnik V“ ein „Propaganda-Impfstoff“ sei. So schnell wurde er entwickelt und als erster Impfstoff weltweit auch zugelassen.

Offensichtlich scheint er aber besser zu sein als gedacht.
Mit dem Ritterschlag aus dem Westen war plötzlich klar, dass ein halbes Jahrhundert alljährlicher Grippe Impfung eine massive Impfinfrastruktur von der Forschung bis zur Impfabgabe bedeutet. Diese massive Vorsorge hat für alle,  von der Forschung, über die Produktion, bis hin zur Infrastruktur, positive Spuren hinterlassen.

Hohe Impfkultur im Land

Es gibt wohl kein Land in dem mehr Grippeimpfungen durchgeführt werden als in Russland. Meist kommen die Ärzte ja sogar in die Betriebe und impfen alles „was nicht bei ‚Drei!‘ auf den Bäumen ist“ in der Reihe durch. Und auch in der Grundschule gibt es „Hurra wir werden geimpft“ Lieder. (siehe Unten)

Die Unsicherheit, welche am „Stichtag“ im Korridor vor dem Ersten Piks im Wartesaal zu spüren war, betraf dann auch eher nicht den Impfstoff selber, sondern ob man gegebenenfalls überhaupt Nebenwirkungen bekommt, und in welcher Reihenfolge man drankommt.

Jeder kann geimpft werden
Alte und Junge saßen kreuz und quer mit uns im Korridor und warteten. Alle waren ausgerüstet mit der obligatorischen Maske und saßen im obligatorischen Sitzabstand. Das wichtigste Gesprächsthema waren die Patienteninfo, ein Formular mit den typischen Fragen über eventuelle Vorerkrankungen (zum Download sieh die Links unten) und die Organisation der Warteschlange.

Nachdem bei mir der „Vatersname“ aus Versehen von meiner Frau auf mich im Formular vererbt wurde, musste ich nochmal zum Arzt der die Vorimpfungsbefragung durchführt,  und der korrigierte meine „Geschlechtsumwandlung“ umgehend. Und schon warteten die beste Ehefrau von allen mit mir darauf, um zur ersten Impfung aufgerufen werden.

Bei der Terminvergabe wurde darauf hingewiesen, dass ich nur Pass und Police mitbringen sollte, aber die Damen im Impfraum wollten noch Sozial- / Rentenversicherungsnummer „SNILS“ haben. Da ich die ad hoc nicht wusste, wurde ich gebeten, diese bei der zweiten Impfung in drei Wochen mitbringen. Alle waren extrem freundlich, und selbst meine Frage ob ich Fotos von dem „historischen“ Moment machen darf, wurde mit einem Lächeln bejaht.

Kaum 30 Minuten nach dem Termin war es dann soweit, und nach meiner Frau bekam auch ich die erste Dosis. Ein Piks nicht schlimmer als von einer Stechmücke und nach einer halben Stunde Beobachtungsruhe im Korridor  durften wir dann den Heimweg antreten.

Nebenwirkungen? Irgendwie hatten wir danach einen extra Schub Energie und liefen von der etwas weiter weg liegenden Impfpoliklinik durch den Schnee nach Hause. Jetzt sind wir auf dem halben Weg aus der Epidemie und haben die eine Einladung zur zweiten Impfung Mitte März schon dabei.

Fortsetzung folgt.

Quellen:

Falls die die Formulare in Ruhe zu Hause ausfüllen möchten, hier sind die Links zu den beiden Formularen, die ggf. benötigt werden.

Patienten Einverständnisserklärung (Russisch)
Vorerkrankungsformular / Gesundheitsstatus

Gedicht und Video „Zur Impfung der dritten Klasse“

На прививку третий класс

На прививку третий класс,
Вы слыхали – это нас.
Я уколов не боюсь,
Если надо – уколюсь.
Это только трус боится
На укол идти к врачу.
Лично я при виде шприца
Улыбаюсь и шучу.
Я серьезно заявляю,
Что билеты на футбол
С удовольствием сменяю
На добавочный укол.
Я уколов не боюсь,
Если надо – уколюсь.
Что же я стою у стенки?
У меня дрожат коленки.

vertont als Lied auf Youtube:

 

Bilder: Markus und Elena Müller

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