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Vor 240 Jahren geboren: Iwan Krusenstern – Weltumsegler mit vielen Talenten

Von   /  21. November 2010  /  Keine Kommentare

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rian.- Dieses Jahr wäre der russischen Admiral, Geograph, Meeresforscher Iwan Krusenstern 240 Jahre alt geworden, der als erster Weltumfahrer aus Russland in die Geschichte einging. Wenn es Iwan Krusenstern nicht gegeben hätte, dann hätte es auch die heutigen Wetterdienste und die Ozeanologie nicht gegeben. Die heutige Meteorologie stützt sich großenteils auf die Beobachtung des Weltmeeres. Für die Wettervorhersage sind etwa 4000 besondere Bojen „verantwortlich“, die aus der Meerestiefe auftauchen, um gesammelte Informationen zu übermitteln, und danach wieder untertauchen.

Der „Vater“ dieser Technologien war vor zwei Jahrhunderten Iwan Krusenstern, gebürtiger Este und Absolvent des Meereskorps in Kronstadt (bei St. Petersburg). Ende des 18. Jahrhunderts diente er auf britischen Schiffen im Atlantik, im Indischen Ozean und im Südchinesischen Meer. Anfang des 19. Jahrhunderts begann er mit der Planung von Weltreisen, die auch aus wirtschaftlicher Sicht absolut begründet waren: Russland brauchte direkte Handelsverbindungen zwischen seinen Häfen an der Ostsee und auf Alaska.

Krusensterns Weltreise auf den Segelschiffen „Newa“ und „Nadeschda“ startete im August 1803 in Kronstadt und endete drei Jahre später an selber Stelle. Eines der Ziele war, die Temperaturen in einer Wassertiefe von 400 Metern zu messen. Die ersten russischen Meereskundler erforschten die Meeresströme, ihre Richtungen und Stärke. Außerdem führten Krusenstern und Co. Magnetforschungen durch. Die Seefahrer (Krusensterns Hauptassistent war der Kapitän der „Newa“, Juri Lisjanski) beobachteten die Gezeiten sowie den Luftdruck.

Damals galten englische Landkarten als Vorbild. Dank der Weltreise Krusensterns konnten sie präzisiert werden. So erforschte die Expedition die westliche Küste der Insel Hondo, die Inseln Honshu und Hokkaido sowie den südlichen Teil von Sachalin. Außerdem entdeckte Krusenstern mehrere bislang unbekannte Inseln der Kurilen-Kette.

Nach seiner Weltreise veröffentlichte der Seefahrer ein dreibändiges Buch, einen Atlas und die Ergebnisse seiner hydrographischen Forschungen. Seit dieser Zeit galt er als erster europäischer Hydrograph des Stillen Ozeans. Krusensterns Forschungen im Fernen Osten bedeuteten eine wahre Revolution – er umschiffte Japan auf der westlichen Seite. Dieser Weg war für die Europäer bislang fast unbekannt. Nur die Portugiesen kannten ihn schon, hielten ihn aber geheim. Die Straße zwischen dem Ochotskischen Meer und dem Stillen Ozean wurde später die Krusenstern-Straße genannt.

Es gab noch einen Aspekt, der Krusensterns Weltreise so wichtig machte. Das war die erste Reise eines russischen Schiffs in die südliche Halbkugel. Nach einem langen Zwischenstopp in Brasilien, wo auf der „Newa“ zwei Masten ersetzt werden mussten, überquerten die russischen Seefahrer erstmals den Äquator und nahmen Kurs auf Kap Hoorn. Am wichtigsten ist, dass dank Krusenstern die russische Geographie in der ganzen Welt anerkannt wurde. Der Seefahrer selbst wurde zum Mitglied der Akademien Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands und Dänemarks.

Bereits Zar Peter I. hatte von seinen ersten Geographen wissenschaftliche Entdeckungen verlangt. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1725 schickte er Vitus Bering in den Fernen Osten mit dem Auftrag, eine Straße zwischen Asien und Nordamerika zu finden. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts startete die große Ära der russischen Weltentdeckungen.

Allein zwischen 1803 und 1826 fanden insgesamt 23 russische Weltreisen statt. Die Expedition von Bellingshausen und Lasarew, die von Krusenstern, dem Mitbegründer der Russischen Geographischen Gesellschaft, organisiert wurde, entdeckte in den frühen 1820er Jahren den ersten Küstenabschnitt der Antarktis.

Mehrere Jahrzehnte später konnte man schon von einer „russischen Spur“ in der Geographie reden. Die „russische Spur“ entstand auf der Weltkarte dank Pjotr Semjonow, dem Tian-Shan-Forscher, und dem Weltreiseidenden Nikolai Miklucho-Maklai, der das Leben der Völker in Südostasien, Australien und Ozeanien beschrieb. Später wurden auch Namen wie Pjotr Kropotkin, Nikolai Prschewalski, Nikolai Sewerzow, Grigori Grum-Grschimailo, Jakow Schmidt weltbekannt…

Krusensterns Expedition wurde aber nicht nur dank ihren wissenschaftlichen Entdeckungen bekannt. Sie hatte auch einen schönen Epilog – denn damit begann eine schöne Liebesgeschichte. An Bord der „Nadeschda“ war auch Nikolai Resanow, künftiger Held der bekannten Rock-Oper „Junona und Awos“ von Alexej Rybnikow und Andrej Wosnessenski. Diese Oper wird immer noch im Moskauer Theater „Lenkom“ aufgeführt.

Graf Resanow stand an der Spitze der russischen diplomatischen Mission für Japan. Die japanischen Behörden erlaubten den russischen Expeditionsschiffen jedoch, in ihren Häfen vor Anker zu gehen. Deshalb mussten sie Kurs auf San Francisco nehmen. Dort wartete das Schicksal auf Resanow. Er verliebte sich in die Tochter des Fortkommandanten Jose Arguello namens Conchita.

Das Finale dieser Geschichte ist allgemein bekannt: 1807 reiste der Graf nach Russland, um die Erlaubnis für eine Ehe mit der Katholikin Conchita einzuholen. Unterwegs kam er jedoch um Leben, seine Braut blieb ihm treu und wurde Nonne.

Über Iwan Krusenstern könnte man sehr viel erzählen. Dank seiner Weltreise wurde die geographische Wissenschaft bereichert. Unter anderem verknüpfte er die Meereskunde mit der Physik und Chemie. Während des Vaterländischen Kriegs Russlands vom Jahr 1812 spendete er ein Drittel seines Eigentums für die Volkswehr. Zu der Zeit war Krusenstern Mitglied der russischen diplomatischen Mission in London. Der Admiral bemühte sich weiterhin um die Stärkung Russlands als Seemacht.

Heutzutage sind Weltreisen sehr beliebt unter Touristen. Zurzeit gibt es acht touristische Weltreisen. Dagegen werden immer weniger Forschungsreisen unternommen. Bei der Erforschung des Weltmeeres kommen viel High-Tech zum Einsatz. Weltreisen unternehmen immer noch viele Segelschiffe, darunter eine 1926 gebaute Vier-Masten-Bark, die den Namen Iwan Krusensterns trägt.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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