Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Wirtschaft  >  Aktuelle Artikel

Zugemüllt: Petersburg kämpft gegen wachsende Abfallberge

Von   /  13. Juni 2008  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Der Wohlstand der Russen wächst – zumindest was die Konsumlust anbelangt, ist diese Entwicklung kaum zu bestreiten. Der beste Beweis dafür sind die wachsenden Müllberge, mit denen die Stadt zu kämpfen hat. Nach dem letzten Stadtfest beseitigte die Petersburger Strassenreinigung im Stadtzentrum die Rekordmenge von mehr als 280 Kubikmetern Abfall. Die Menge weggeworfener Bierflaschen und -Dosen, die nach Grossanlässen, wie dem Studentenfest „Aly Parusa“, den Schlossplatz übersät, schockiert.

Der Stadtkasse entgehen 20 Milliarden an Busgeldern für „Müll-Delikte“

Doch längst werden nicht mehr nur solch stark frequentierte Orte an Festtagen von der Müllpest befallen – praktisch überall, wo man sich erholen kann, in Parks, an Stränden und Waldrändern, entstehen übers Wochenende regelrechte Abfallhalden. Selbst in Vororten wie zum Kawgolowo (Bild) werden Wald und Seeufer zugemüllt.

Wie die Quartierzeitung „Moi Rajon“ schreibt, fehlt es den Parkverwaltungen ganz einfach an Personal, beziehungsweise Geld, um die „Wegwerfdisziplin“ der Schaschlickbrater, Bier- und Wodka-Trinker in den Griff zu kriegen. Sie kommen schlichtwegs nicht dazu, die Delinquenten, flagranti zu erwischen – gelänge dies, würde eine für russische Verhältnisse saftige Busse von 500 Rubel winken. Bei rund 4000 „Müll-Delikten“ jährlich entgehen der Stadtkasse dadurch rund 20 Milliarden Rubel Einnahmen in Form von Busgeldern, errechnete die Zeitung.

„Subotniki“ – früher belächelt, heute wieder aktuell

Doch um durchzugreifen fehlt es auch an der nötigen Polizeipräsenz. Die Miliz rückt kaum zu solchen Einsätzen aus, um so mehr als die Täter oft weder lärmen noch andere Unruhe stiften, sondern ganz einfach zu faul für einen Gang zur Mülltonne sind. Denn obschon vielerorts die Anzahl Abfallkübel erhöht wurde, bleiben Papierchen und Einweggeschirr liegen. Das einzige Mittel für saubere Parks sind darum bisher die sogenannten „Subotniki“. Freiwillige sammeln den Müll ein – diese während der Sowjetzeit gerne praktizierten und gleichermassen belächelten „freiwilligen“ Säuberungsaktionen im Kollektiv, ist wieder höchst aktuell.

Müll löst viele Brände aus

Herumliegender Müll ist nicht nur an sich ärgerlich, sondern auch gefährlich. Viele Brände werden durch brennende Abfallkübel oder -Halden ausgelöst, ganz abgesehen davon, dass sie die Luft eines ganzen Quartiers verpesten können. Doch nicht nur an dieser Stelle quillt der Abfall über – auch die Müllabfuhr gerät an ihre Grenzen. Die Halden am Stadtrand können solche Mengen nicht mehr schlucken. Darum soll Petersburg in den kommenden drei Jahren zwei Verbrennungsanlagen erhalten.

Müllproblem wird gerne an den (Stadt-) Rand geschoben

Das heisst, die Anlagen werden nicht in der Stadt selbst gebaut, sondern wie fast überall schiebt man das Müllproblem gerne an den (Stadt-) Rand. So gehören Ortschaften, wie Janino oder Mga, in dessen Umgebung schon eine grosse Müllhalde liegt, zu den möglichen Standorten. Gleichzeitig ist eine Debatte darum entbrannt, wie die Müllentsorgung besser anzupacken ist. Während die Befürworter von Verbrennungsanlagen deren hohe Effizienz und „Sauberkeit“ dank fortschrittlicher Filter- und Verbrennungstechnologien loben, befürchten die anderen eine giftige „Abfallgrube in der Luft“.

Wie Juri Schewtschug, Vorsitzender der Umweltschutzorganisation „grünes Kreuz“ zu bedenken gibt, nützt selbst die neues Technik nichts, wenn ihre Funktionen nicht peinlich genau überwacht wird. „Ob dies bei uns geschieht – ist unbekannt,“ kritisiert er. Die Gegner der Verbrennungsöfen wollen die Kerichtentsorgung ohne Verbrennung fortsetzen und fordern unter anderem eine striktere Trennung des Abfalls und Recycling. Abgesehen davon, dass diese beiden Methoden selbst bei aller Gründlichkeit auch in Westeuropa die Verbrennung nicht ersetzen können, stecken sie in Russland noch völlig in den Kinderschuhen.


www.mr-spb.ru

    Drucken       Email
  • Veröffentlicht: 10 Jahren vor auf 13. Juni 2008
  • Von:
  • Zuletzt geändert: Juni 14, 2008 @ 10:26 pm
  • Rubrik: Wirtschaft

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Westliche Sanktionspolitik treibt lettische Banken in die Krise

mehr…