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Waldai-Experten: Russlands Wirtschaft ohne Kampf gegen Kapitalabfluss aussichtslos

Von   /  23. Oktober 2012  /  Keine Kommentare

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rian.- Ohne Schritte zur Verhinderung des Kapitalabflusses aus Russland in Offshore-Zonen kann die russische Wirtschaft nach Expertenansicht kaum vervollkommnet werden. Zu diesem Schluss gelangten Teilnehmer des Internationalen Diskussionsclubs „Waldai“, dessen 9. Jahrestagung am Montag in St. Petersburg eröffnet wurde.

„Großbusiness in Russland genießt kolossale Privilegien, zieht es aber vor, das in Russland erwirtschaftete Geld in Offshore-Zonen zu überweisen, statt in Russland zu investieren“, erklärte ein Wirtschaftsexperte. In letzter Zeit habe sich in Russland die sogenannte Offshore-Aristokratie herausgebildet.

Das Schema funktioniert nach dem „Karussel“-Prinzip. „Der wichtigste ‚Karussel‘-Betreiber ist der Staat selbst, der selbst nicht als ein Subjekt der Entwicklung funktioniert und auch anderen keine Möglichkeit gibt zu arbeiten.“

Um die Situation kardinal zu ändern, sollte Russland vor allem als Investitionsobjekt attraktiv gemacht werden. Zudem fehle es immer noch an der ökonomischen Strategie im Land, sagte der Experte. Die Meinung wurde auch von anderen Teilnehmern des Clubs weitgehend geteilt.

Die 9. Tagung des Diskussionsclubs „Waldai“ findet vom 21. bis 25. Oktober in St. Petersburg und Moskau unter dem Motto „Die Zukunft wird heute gestaltet: Szenarien der ökonomischen Entwicklung Russlands“ statt.

An den Diskussionen nehmen etwa 100 Wirtschaftsexperten, Politologen und Fachleute im Bereich der internationalen Beziehungen aus Russland sowie 19 weiteren Ländern teil, darunter aus den USA, China, dem Iran sowie West- und Osteuropa. Zugegen sind auch Vertreter des Weltwirtschaftsforums. Auf der Tagesordnung stehen diverse Szenarien der Entwicklung Russlands bis 2030.

„Die Führung Russlands steht vor zahlreichen Herausforderungen“, hatte der deutsche Politologe Alexander Rahr, Direktor des Deutsch-russischen Forums in der Vorwoche gesagt. „Die Wirtschaft (Russlands) muss ihr uraltes auf den Export von Kohlenwasserstoffen orientiertes Modell aufgeben. Und die Reformen, mit denen das Land zu modernisieren ist, müssen sich grundsätzlich von den Reformen der 2000er Jahres unterscheiden.

Russland hat seine Wirtschaft nicht nur durch die Berichtigung früherer Fehler umzustrukturieren, wie dies Putin vor zwölf Jahren gemacht hatte. Es kommt darauf an, ein neues System zu schaffen, das es dem Land gestattet, im zweiten und im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts weltweit konkurrenzfähig zu werden“, meinte der Experte.

Zu den Resultaten der Tagung soll ein Bericht erstellt werden, der Präsident Wladimir Putin zur Diskussion vorgelegt wird. Später soll der Bericht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos unter die Lupe genommen werden.

Das 9. Treffen des Waldai-Clubs wurde von der Nachrichtenagentur RIA Novosti, dem Rat für Außen- und die Verteidigungspolitik, der Zeitung „Moscow News“, dem Magazin „Russland in der globalen Politik“ und der Wirtschaftsnachrichtenagentur PRIME organisiert.

Die erste Sitzung des Clubs hatte 2004 am Waldai-See stattgefunden. Der Club hat zum Ziel, den Dialog zwischen russischen und ausländischen Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten zu fördern sowie politische, ökonomische und soziale Prozesse in Russland und der übrigen Welt zu analysieren.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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