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Russland für Touristen – Land der Kontraste

Von   /  19. Juni 2012  /  2 Kommentare

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rian.- In ausländischen Reiseführern wird Russland häufig als Land der Alkoholiker, Verbrecher und rücksichtslosen Beamten charakterisiert, die mit Blaulicht durch den Stadtverkehr brettern, schrieb die Zeitung „Nowyje Iswestija“ Ende der vergangenen Woche.  Im vergangenen Jahr ist die Zahl der ausländischen Touristen in Moskau um zwölf Prozent gestiegen. Bis 2016 soll sie laut amtlichen Prognosen um die Hälfte auf nahezu sieben Millionen steigen.  In den bekanntesten europäischen Reiseführern wird meistens nur über Moskau und St. Petersburg Auskunft gegeben.

Über die Newa-Metropole gibt es viel mehr Reiseführer als über Moskau. St. Petersburg ist der Spitzenreiter nach der Zahl der ausländischen Touristen. Dennoch wissen fortgeschrittene Reisende, dass es in Russland auch Städte wie Irkutsk (dank des Baikalsees), Wolgograd, Sotschi, Kasan, Jekaterinburg und die Städte des Goldenen Rings an der Wolga gibt.  In Moskau und St. Petersburg werden Touristen zahlreiche Attraktionen für jeden Geschmack versprochen: Museen, Einkaufszentren, Parks und vor allem die U-Bahn. Die U-Bahn ist nicht nur das günstigste und schnellste Verkehrsmittel, sondern auch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in beiden Metropolen.

Laut dem skandinavischen Reiseführer „Vagabond“ ist die U-Bahn in St. Petersburg die tiefste weltweit; die Moskauer hat „die meisten Meisterwerke der heroischen Kunst“. Laut dem von dem Moskauer Tourismuskomitee herausgegebenen Merkblatt für Ausländer ist der „Untergrund-Palast“ eine Art „Rettungsring im Meer der endlosen Staus“.  Die meisten Touristen kommen aus Deutschland. Die Deutschen, die Russland besucht haben, warnen, dass die Russen im Unterschied zu den Einwohnern der westlichen Länder sich nicht veranlasst sehen, grundlos unbekannten Menschen gegenüber zu lächeln. Ein unbegründetes Lächeln könnte als böse oder unangemessene Absichten bewertet werden, warnen deutsche Reiseführer.

Britische Reporter warnen in einem Comic-Reiseführer vor älteren Russen: „Sie unterscheiden sich sehr von amerikanischen Rentnern. Sie haben traurige Gesichter, laufen ständig gebückt und sind über alles besorgt. Trotz ihrer Altersschwäche verschaffen sie sich in der U-Bahn resolut Platz. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, können sie Sie mit ihrem Einkaufsbeutel auf den Kopf schlagen.“

Deutsche Touristen sind der Ansicht, dass Russen in öffentlichen Verkehrsmitteln unhöflich seien und sich immer an den Schaltern vordrängeln. Deshalb wundern sie sich, dass viele Russen älteren Menschen, Müttern mit kleinen Kindern usw. oft ihren Platz anbieten.  Amerikaner warnen ihre Landsleute vor der Moskauer U-Bahn am Abend: „Viele Obdachlose machen es sich in U-Bahn-Waggons bequem“, so „Travelnotes“. Die Moskauer Behörden weisen die Gäste daraufhin, dass es viele nicht zugelassene „Schwarz“-Taxis gibt und der technische Zustand der Fahrzeuge und die Gesundheit der Taxifahrer kaum kontrolliert werden.

„Die Taxis, die vor Flughäfen, Bahnhöfen oder Hotels stehen, sollten Sie meiden. Machen Sie sich lieber die Mühe, ein paar hundert Meter weiterzugehen. Dann finden Sie ein Taxi zu einem viel günstigeren Preis“, schreibt „Vagabond“. „Den Fahrpreis sollten sie immer im Voraus aushandeln: Fahrpreisanzeiger sind in den russischen Taxis nur eine Formsache.“  Deutsche Reiseführer warnen außerdem vor rücksichtslosen Autofahrern, die Zebrastreifen ignorieren und sich einen Spaß daraus machen, durch Pfützen zu rasen. Deshalb sollte man keine helle Kleidung anziehen, wenn es regnet.

„Bösartigste Türsteher der Welt“

Heutzutage schreiben ausländische Reiseführer nichts mehr über Bären, die auf den Straßen gesichtet werden können. Russland wird als Land der Kontraste dargestellt. Moskau ist für die meisten Ausländer eine Stadt voll von Bars und reichen Beamten, die in ihren Luxusschlitten mit Blaulicht durch die Straßen rasen. Das Moskauer Nachtleben sei sehr vielfälftig, heißt es im schwedischen Reiseführer„Vagabond“. „Hier gibt es Hunderte Nachtklubs mit den bösartigsten Türstehern weltweit.“ Um in die Clubs hineinzukommen, sollten sich Frauen wie Barbie-Puppen kleiden und Männer in schwarze Anzüge werfen. „Wenn Sie nicht so angezogen sind, sollten Sie stets betonen, dass Sie Ausländer sind. Nur in diesem Fall werden Ihnen die Russen der Verstoß gegen diesen ungeschriebenen Dresscode verzeihen“, so der schwedische Reiseführer.

In St. Petersburg gibt es „viele Melancholiker, die wohlwollend gegenüber Ausländern sind“, aber auch viele Menschen, die mit Geld um sich werfen. „Letztere scheinen solch einen Lebensstil zu vergöttern.“ Anders als deutsche Frauen erwarten die Russinnen von ihren Männern, dass diese sich stets als Gentleman verhalten: Man sollte der Dame in den Mantel helfen, die Hand beim Aussteigen aus dem Wagen oder Bus reichen, die Tür vor ihr öffnen und sie als erste hineinlassen. Sonst gelte man als unerzogener und respektloser Grobian. In einem Restaurant sollte man auch die Rechnung bezahlen, ohne die Dame zur Kasse zu bitten.

„Russen saufen an jeder Ecke!“

Die meisten Reiseführer warnen vor Betrunkenen auf den Straßen. Diese Begegnungen sollte man lieber vermeiden und keine Fotos von den Betrunkenen machen.  „Die Russen saufen sogar tagsüber an jeder Ecke“, so „Vagabond“. „Für jeden Touristen ist deshalb stets Unterhaltung geboten.“  Suvojit Bagchi, BBC-Korrespondent aus dem indischen Bengalien, der Russland während der jüngsten Präsidentschaftswahl besuchte, behauptet, dass die Russen wohlwollend seien, besonders wenn sie Alkohol getrunken haben. „Ein betrunkener Mann wollte mich einmal sogar umarmen“, erinnerte sich Bagchi.  „Es war sehr eigenartig“, schilderte eine vietnamesische Reporterin ihre Eindrücke von Russland. „Ich wollte mit ein paar Menschen in einem Cafe sprechen. Um acht Uhr morgens tranken sie Wodka! Ich wollte warten, bis sie fertig sind, aber sie wollten plötzlich, dass ich mit ihnen trinke. Das war zwar ein ‚attraktives‘ Angebot, aber ich lehnte ab – für Wodka war es mir zu früh.“

Die russische Küche ist eine der größten Attraktionen für spanische Touristen, die bekanntlich gerne schlemmen. Ihre Vorstellungen von der russischen Küche sind zwar ziemlich ungenau – sie kennen offenbar nur den so genannten „russischen Salat“ (in Russland ist er unter dem französischen Namen „Olivier“ bekannt), die Borschtsch-Suppe, Blinis und schwarzen Kaviar sowie Wodka. Die Empfehlungen, was und wie man in Russland probieren sollte, sind manchmal sehr amüsant.

So legen die ausländischen Touristen großen Wert auf Wodka. Die Deutschen, die im Urlaub bekanntlich viel Alkohol trinken, warnen vor dem Kauf von illegalem Wodka, weil er „lebensgefährlich sein könnte.“ Auch der Störkaviar könnte gesundheitsschädlich sein. Der in schmucke Dosen verpackte Kaviar sei großenteils eine Fälschung, warnen Tourismus-Experten.  Die Spanier halten Russen für Liebhaber von Süßigkeiten. „Wenn Sie zum Teetrinken eingeladen wurden, sollten Sie etwas Süßes mitbringen – das ist russische Tradition“, so der Reiseführer.

Außerdem wurden die Banja (Dampfbad) und die Vorliebe der Russen für ihre Datschas erwähnt.  „Gehen Sie nie allein spazieren – Sie könnten ermordet werden!“  Der US-amerikanische Reiseführer „Travelnotes“ beschreibt Moskau als eine Gangsterstadt. Deshalb sollten die Touristen am Wochenende nie das Hotelgelände verlassen. „Um diese Zeit gibt es keine normalen Menschen auf den Straßen, sondern nur Skinheads und Punks. Gehen Sie nie allein spazieren, sonst könnten Sie ermordet werden. Bewahren Sie Geld nie in Ihrem Reisepass auf. Wenn ein Polizeibeamter Ihren Ausweis kontrolliert, denkt er, dass dieses Geld für ihn bestimmt ist“, heißt es.

Als Erstes sollte sich jeder Amerikaner in Russland Notfallnummern besorgen.  Der deutsche Reiseführer empfiehlt, auf Geld und Reisedokumente gut aufzupassen. Genauso wichtig ist es, Gespräche mit Unbekannten zu vermeiden. Wenn man in einer unbekannten Gegend ist, sollte man aufmerksam sein und mit den anderen Touristen zusammen bleiben. „Was die Kriminalität angeht, so ist die Situation nicht so schlimm, auch wenn zuletzt immer mehr Straftaten gegenüber Ausländern begangen werden. Der Aufenthalt in Moskau und St. Petersburg ist nicht lebensgefährlich“, beruhigt „Vagabond“.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. Uwe Herczeg sagt:

    Als „erfahrenen“ Petersburg Besucher schüttelt einen da das Lachen… Ich war mindestens 15 x in der Stadt an der Newa, abends zusammen mit der Frau oft alleine unterwegs, Dutzende Male schwarzes Texi gefahren, Marschrutka sowieso…….

    ……. niemals ausgeraubt, geschlagen, misshandelt oder so ………ich lebe noch ! ……………..

    Fazit:
    Trau Keinem der einen Reiseführer gelesen hat – lach

  2. Matze-G sagt:

    Meine Antwort würde hier lauten:
    WARNUNG!!! vor auslandischen Reiseführern
    Ich fliege morgen zum vierten mal nach Petersburg und werde wieder herzlich willkommen sein.
    Kriminalität gibs in jedem Land der Welt, getrunken wird in jedem Land der Welt!
    Klar gucken die älteren Menschen etwas grimmiger, aber auch sie lächeln wenn man
    kleine Scherze macht.
    Wer kein Problem hat andere Menschen so zunehmen wie sie sind wird in Russland immer
    herzlich willkommen sein.
    Leider hat man in den Reiseführern vergessen dass es in Russland sehr viele hübsche Frauen gibt.

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