Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Ticker  >  Aktuelle Artikel

Tourismus: Russische Hoteliers trotz Krise nicht betrübt

Von   /  30. Juni 2010  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

rian.- Während der Krise haben die russischen Hoteliers bis zu 45 Prozent Gewinneinbußen hinnehmen müssen, trotzdem klagen sie nicht. Die Preise waren nämlich bereits vor der Krise unverhältnismäßig hoch, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Mittwoch.

Beim gestrigen Treffen des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbands (RSPP) in Moskau wurden über die Aussichten der Hotelwirtschaft gesprochen und aufschlussreiche Zahlen genannt. Die Zimmer in Drei-Sterne-Hotels kosteten vor der Krise genausoviel wie in Fünf-Sterne-Hotels, wo die Preise überhaupt schwindelerregend waren. Die großen und kleinen Vertreter der Hotelbranche sprachen – ohne großes Klagen – von sinkenden Gästezahlen, steigenden Kosten und Gewinneinbußen. Dennoch würden sie nicht in Panik verfallen, weil es ihnen „früher sehr gut gegangen war“.

Wie es im Bericht von Alexej Wolkow, Verkaufsdirektor der Inter Continental Hotels Group (ICHG) in Russland und GUS, hieß, hätten vor der Krise in Moskau europaweit die höchsten Hotelpreise und die Rentabilität bei einer Rekordhöhe von 25,3 Prozent gelegen. In Madrid habe diese Kennziffer lediglich 0,5 Prozent, in Amsterdam 1,6 und in London 7 Prozent betragen.

Notgedrungen senkten die Moskauer Hotels in diesem Jahr die Preise um 31 Prozent von 228 auf durchschnittlich 157 Euro. In Dubai sind die Zimmerpreise gegenüber der Vorkrisenzeit beinahe auf 50 Prozent abgestürzt. Viele Hoteliers in der Welt bieten bis heute Dumpingpreise an. Gegenüber dem April vorigen Jahres gingen die Preise in Mexiko um 23 Prozent, in Bangkojk um 17, in Kopenhagen um 15,5, in Zürich um 12 und in London um 2,7 Prozent zurück.

Experten meinen allerdings, dass die Preise in den Moskauer und den Londoner Hotels nach europäischem Verständnis noch immer sehr hoch sind. Doch die russischen Hoteliers haben anscheinend nicht die Absicht, die Preise noch weiter nach unten zu drücken. Stattdessen denken sie daran, mit staatlicher Hilfe die Nachfrage zu stimulieren und die Infrastruktur auszubauen, neues Personal auszubilden und die „russische Gastfreundschaft“ noch auffälliger zu machen.

Einfacher ausgedrückt: In den Köpfen der Ausländer, die eine Russland-Reise planen, müsse sich sofort ein positives Bild einstellen. Dabei verstehen die Vertreter der Branche, dass russische Hotels nicht gerade dazu beitragen und sich ein „positives Bild“ vorläufig nur aus Ballettvorstellungen und Gemäldegalerien ergibt.

Die Probleme sind zahlreich und längst bekannt: Die Entwicklung der Hotellerie hat bisher nur Moskau und Sankt Petersburg berührt; die Zimmerausstattung stammt zu mehr als 50 Prozent noch aus Sowjetzeiten. Es gibt einen ausgesprochenen Mangel am qualifizierten Personal, weil es keine Ausbildungseinrichtungen gibt.

Trotz der europaweit niedrigsten Kennziffer der Zahl der vorhandenen Hotelzimmer je 1000 Personen und des Umstands, dass sie den internationalen Standards am wenigsten entsprechen, war das Hotelgeschäft bisher am rentabelsten – das regte den Appetit von Investoren an.

www.rian.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Krise: Es ächzt im Gebälk der russischen Wirtschaft – auch in Petersburg

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Russischer Admiral beschimpft Philosophen Kant

mehr…