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Schwieriges Investitionsklima in Russlands Regionen

Von   /  9. Dezember 2010  /  Keine Kommentare

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rian.- Den russischen Regionen fehlt es massiv an Investitionen. Daran schuld sind üblicherweise die schlechte Infrastruktur und Ausbildung der Mitarbeiter oder die ausbleibende Nachfrage. In Wahrheit sind daran aber die Behörden in den Regionen schuld, die entweder an neuen Investitionen nicht interessiert sind oder ihre Pflichten vernachlässigen. Das fanden die Experten der internationalen Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG heraus, die vor wenigen Tagen einen entsprechenden Bericht veröffentlichten.

Laut der russischen Zentralbank haben sich die ausländischen Direktinvestitionen in Russland 2009 auf 32 Milliarden Dollar belaufen. Nach Angaben der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) belegt Russland weltweit Platz fünf nach den ausländischen Direktinvestitionen. Das wurde nach der Analyse des Investitionsklimas in 21 Ländern festgestellt. Noch günstiger sind die Investitionsvoraussetzungen nur in China, Indien, Brasilien und den USA.

Laut der KPMG-Studie verteilen sich 70 Prozent aller ausländischen Investitionen zwischen Moskau, St. Petersburg und den Gebieten Kaluga, Sachalin und Archangelsk. Dabei tendieren die ausländischen Investoren zu Anlagen in die Förderindustrie (40 Prozent).

Die Förderung des Investitionsklimas in den Regionen werde eine der wichtigsten Richtungen der russischen Wirtschaftspolitik im Jahr 2011 sein, erklärte vor kurzem Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina.

Um ausländische Investitionen anzulocken, seien die Einwanderungsgesetze reformiert, die Einreise und die Ausstellung von Arbeitsgenehmigungen für Hochqualifizierte erleichtert worden, führte die Ministerin an. Auch die Zollverfahren und die Voraussetzungen für neue Start-Ups seien vereinfacht worden.

Zugleich kritisierte Nabiullina die Investitionspolitik vereinzelter Regionen. Es gebe viele Investoren, die sich in der russischen Wirtschaft engagieren wollen, stellte sie fest. Aber nur wenige Regionen seien bereit, diese Gelder an Land zu ziehen und das Investitionsklima zu verbessern, „weil es einfacher ist, Haushaltsmittel als Investitionen zu bekommen“, so die Ministerin.

KPMG-Experten haben das Investitionsklima in zwölf russischen Föderationssubjekten untersucht und ermittelt, dass zwischen den Erwartungen der Investoren und den Aktivitäten der Behörden in den Regionen zwecks Geldbeschaffung eine riesige Kluft liegt.

So neigen die Investoren zu langfristigen Projekten, brauchen aber klare Spielregeln und den Nachweis, dass die Verwaltungen in den Regionen eine klare Vorstellung von den vorgehenden Prozessen vor Ort und den Finanzierungsbedingungen hat. In diesem Fall wären sie sogar bereit, ein Auge in Bezug auf die schlechte Infrastruktur, auf den Personalmangel und die Besonderheiten des „russischen Geschäftemachens“ zuzudrücken.

In Wirklichkeit können die regionalen Behörden Stabilität nur für kurze Zeit garantieren. Die Investoren haben Angst vor ständigen Gesetzesänderungen und der Bürokratie in Russland, so der KPMG-Partner in Russland und der GUS, Andrew Cranston. Viele von den regionalen Behörden gewährte Steuer- und Finanzvergünstigungen würden wegen vieler Nebenbedingungen und zahlreicher Prüfungen für die Investoren unzugänglich bleiben, unterstrich er.

Über die Korruption beklagt sich kaum jemand. „Korruptionsformen wie Schutzgelder gibt es nicht mehr“, beteuerte der Gouverneur des Gebiets Saratow, Pawel Ipatow. Es könne aber zu einer ‚sanften Erpressung’ kommen, räumte er ein. So könne ein Investor aufgefordert werden, mehr Objekte zu bauen als vertraglich vorgesehen, präzisierte der Gouverneur.

Laut der KPMG-Studie besteht die wichtigste Voraussetzung für neue Investitionen in den Regionen in klaren und stabilen Beziehungen zwischen den regionalen Behörden und dem Investor. „Zu den besten gehören die Regionen, deren Leiter selbst begreifen, dass die gestellten Aufgaben gelöst werden müssen“, stimmte der Präsident der Unternehmensgruppe Renova und Präsident der Skolkowo-Stiftung, Viktor Wekselberg, zu. „Daraus resultieren transparente und systematische Methoden der Arbeit mit Investoren, aber keine vereinzelten und mit konkreten Projekten verbundenen Aktionen.“

Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Investitionspartnerschaft ist das Gebiet Kaluga. Laut der Studie etablierte es sich im ersten Halbjahr 2010 als Spitzenreiter nach den ausländischen Investitionen pro Kopf der Bevölkerung. Innerhalb von fünf Jahren erreichte der Umfang der ausländischen Investitionen in dem Gebiet vier Milliarden Dollar, während 37 andere russische Regionen in dieser Zeitspanne nicht einmal 100 Millionen Dollar anlocken konnten.

Dadurch ist der Anteil des Gebiets Kaluga an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen zwischen 2005 und 2009 von 0,1 Prozent auf 4,5 Prozent gewachsen. „Wir kümmern uns um unsere Investoren wie Eltern um ihre Kinder“, so der Gouverneur des Gebiets Kaluga, Anatoli Artamonow. „Egal ob es russische oder ausländische Investoren sind, ob es sich um Groß- oder Kleinunternehmen handelt – sie alle haben die gleichen Rechte und spüren unsere Unterstützung vom ersten Tag an.“

In den letzten Jahren wurden im Gebiet Kaluga acht Industrieparks mit entsprechender Infrastruktur und Kommunikationsnetz gebaut. Neben dem bereits in Gang gebrachten Standort für den Automobilbau siedeln viele Pharmaunternehmen in der Region an.

www.rian.ru


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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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