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Kirow Werke, ehem. Putilowskij Werke

Von   /  23. Juni 2008  /  2 Kommentare

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mm.- Die Kirow Werke wurden per Dekret von Kaiser Paul I vom 28. Februar 1801 alsSt. Petersburger Staatliche Eisengießerei „Санкт-Петербургский казённый чугунолитейный завод“ gegründet.

Der erste Direktor war ein führender Britischer Industrieller, Carl Gascoine, welcher den rapide steigenden Bedarf an Metallwaren und im Besonderen bei Rüstungsgütern befriedigen sollte. Die Produktion wurde durch die Einführung neuer Gusstechniken bald modernisiert und neben den Kanonen und zugehöriger Munition wurden auch Waagen, Gewichte, Strassenlampen und die ersten künstlerisch veredelten Eisenguss-Produkte, wie z.B. Lampen, Statuen, Brückengeländer uvm. hergestellt.

Ab 1810 hat die Firma unter der Leitung des Schotten Adam Armstrong 12 Jahre rapides Wachstum gemeistert. Angeregt durch Zar  Alexander I.  erweitert die Gießerei Ihre Produktpalette um eine Entwicklungsabteilung „Maschienenbau „. In Folge stellte das Werk auch Dampfmaschinen, Drehbänke, Transportgeräte und im künstlerischen Bereich vor allem Bronze und Eisenstatuen her. Viele dieser Statuen prägen auch Heute noch das Stadtbild von Sankt-Petersburg.

Das Jahrhunderthochwasser vom 7. November 1824.

Das Hochwasser war ein dramatisches Ereignis in der Geschichte des Unternehmens. Die ufernahen Werke waren besonders schlimm betroffen: Zitat „…. die schrecklichste Verwüstung gab es in der St. Petersburger Eisen-Gieserei Fabrik. Es starben 152 Menschen. “

Unter dem ebenfalls schottischen Direktor Matvei Gregor Clark wurde die Produktion von Eisenkernen, gezogenen Kanonenrohren, Bomben und Granaten weiter optimiert. Der Bereich Baumaterial produzierte u.A. Stahlfachwerke für das Dach der Peter und Paul Kathedrale sowie die Heute aktuell (2008) im Umbau befindlich Eisenbahnbrücken über den Obvodnij Kanal genannt „Amerikanski Most“.

Unter  den künstlerisch wertvolleren Denkmälern sind heute u.A. noch das Moskauer Tor und das Narwa Tor (beide aus Gusseisen), das Siegestor in Puschkin und viele Bronze- und Eisenguss  Skulpturen in Zusammenarbeit mit den damaligen Stararchitekten Rossi und Satsovym entstanden.

KRIMKRIEG

1854, während des Krimkrieges wird Nikolai Putilow Fürst der ersten Klasse (1820-1880) , von General Admiral Konstantin Nikolajewitsch zum Kommissar für den Bau moderner Eiserner Kanonenboote und Korvetten ernannt. Für den erfolgreiche Bau erhält Putilow einen Silbernen Kranz mit dem Namen jedes Schiffes in die Blätter eingraviert.

Putilow erhält im Jahre 1868 einen Staatsvertrag zur Produktion von Eisen, Schienen, Lokomotiven und Waggons. Die in den jetzt auch „Putilow-Werke“ gebaute Schnelllok fuhr selbst auf die Weltausstellung in Paris. Die Werke wurden danach zum Synonym für Lokomotiven in Russland.

Bis zum Ersten Weltkrieg umfasste die Schiffsproduktion unter Anderem Schwere Kreuzer, Kanonenboote und 1911 das bis dato schnellste DampfSchiff, das Torpedoboot „Novik“. Im ersten Weltkrieg wuchs das Werk zum wichtigsten Rüstungsbetrieb mit den größten Arsenal für Armee und Marine heran.  Kessel, Turbinen, Artillerie, Torpedos, U-Boote, FLAK Geschütze und vieles mehr. Zu dieser Zeit sind in der Fabrik 25 Tausend Menschen beschäftigt.

Als größter Rüstungsbetrieb sind die Putilow Werke auch eine Kernzelle der Russischen Revolution. 1916 beginnen Massenentlassungen von Arbeitnehmern. Viele Streiks der Arbeiter wurden von den Bolschewiken zur Agitation benutzt und später ihnen zugeschrieben. Lenin selbst besuchte die Werke mehrmals.

REVOLUTION

Nach der Oktober Revolution im Jahre 1917 unterzeichnete  Stalin das Dekret über die Verstaatlichung der Anlage. Direktor der Anlage wird Joseph F. Krzhanowsky ein amerikanischer Staatsbürger polnischer Abstammung.

Er baut eine neue Fabrik für die Herstellung von landwirtschaftlichen Traktoren und Pflügen im amerikanischen  Stil. Während des Bürgerkriegs 1919 wird Krzhanowsky als amerikanischer Spion festgenommen, und im Konzentrationslager erschossen.

Der Bürgerkrieg die  Zerstörungen führten zum fast völligen Stillstand der Produktion. 1921 arbeiten im Werk nur noch 2000 Arbeitnehmer. Aber mit der Einführung NEP (Neue Ökonomische Politik)  beginnt eine allmähliche Belebung der Gesellschaft,  im Jahre 1927 wurden die Lokomotiven der M Reihe gebaut die stärkste Dampflok Ihrer Zeit.

Am 1. Dezember 1934 fiel der Leningrader Parteikomites Kirow einem Attentat in Leningrad zum Opfer. Die Hintergründe des Attentats konnten nicht zweifelsfrei geklärt werden, es geht das Gerücht das Stalin den populären Genossen als einen der Ersten der grossen Säuberungswelle beseitigen ließ. Die nach der Revolution „ROTEN PUTILOW WERKE“ werden danach in KIROW Werke umbenannt.

Vor dem 2. Weltkrieg entwickeln die Kirow Werke u.A. den schweren Panzer „KV“ (Kliment Woroshilow), und während der Kriegsjahre Artilleriekanonen. 1941, wurde die Fabrik nach Tscheljabinsk hinter den Ural verlegt.

In den 1960er beginnt die Produktion von Traktoren und Anbaugeräten der Marke „KIROWETS“
Kirowets Traktor

Die 1970 bis 80er

Ab 1970 wächst das Werk durch weitere Produktlinien u.A. von Turbinen für U-Boote und nukleare Eisbrecher, und Tanker. Die Rüstungsproduktion wird durch Artellerie und die tragbare Luftwabwehrrakte S-300 ergänzt.

In den Jahren der „Perestroika“ sinkt die Produktion drastischen.  Im Jahr 1992, wird das Werk als eines der ersten in eine Aktiengesellschaft (AG Kirov Factory „) umgewandelt.

Die Kirow-Werk im 2. Weltkrieg.

Eine besondere Rolle spielten die Werke nicht nur in der Revolution sondern auch im 2. Weltkrieg. Vondeb  15 Tausend Arbeitern die bei Kriegsbeginn in die Armee drängten sind dann tatsächlich 10.000 in Ihre Reihen eingetreten und während der Blockade bei der Verteidigung Leningrads zum Einsatz gekommen. Die Produktion wird binnen Monatsfrist auf die Massenproduktion von Pistolen, Gewehrmunition, Granaten und Minen umgestellt.

Die Front kommt 1941 auf bis 3 Kilometer an die Werke heran.  Die Werke werden festungsartig ausgebaut.
Flak Stellungen, 512 Schießscharten, 115 Maschinengewehrstellungen werden in und um die Fabrikhallen angelegt.

Die Kirow Werke sind bis zum Krieg der wichtigsten Hersteller und Entwickler von Kampfpanzern.
Während des Krieges wurde im Front Kirow-Werk in Leningrad und in Tschejlabinsk ca. 18 Tausend Panzer, 48,5 Tausend Panzermotore, 85 Tausend Kraftstoffanlagen, mehr als 17 Millionen Geschossmunition hergestellt.

Während der Blockade der Fabrik wurde in der Fabrik während 752 Stunden „Luft-Alarm“ gearbeitet davon 124 Stunden unter Beschuss.

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2 Kommentare

  1. mm sagt:

    Kontakt zum Werk ?

    Hallo Herr Kuhn,

    Erste Anlaufstelle wäre das Konsulat, Herr Vizekonsul Brunner ist der Chef in Wirtschaftsfragen. Adresse finden sie im Servicebereich unter Adressen / Konsulate.

    Da wir keinen persönlichen Kontakt zum Unternehmen haben kann ich nur auf Kollegen verweisen die so was beruflich für wenig Geld organisieren, so z.B. Herr Rehmann von http://www.russiacontact.ch/

    Alternativ gibts noch den Deutschen Wirtschaftskreis – deren Adresse finden sie in der Zeitung unter der Rubrik – Adressen Verbände. Herr Stein hat Jahrzehntelange Erfahrung mit Unternehmen und der Politik in der Stadt. Er leitet den Wirtschaftskreis und die Aussenhandelskammer.

    Viel Erfolg und lassen sie uns wissen wie es gelaufen ist – das ist immer ein Spannendes Thema für den Herold.

    mit freundlichen Grüssen nach Rostock

  2. Michael Kuhn sagt:

    Wir sind ein Landwirtschaftlicher Betrieb in der Nähe von Rostock und besitzen einen K744.
    Wir hätten sehr gern Kontaum Kirow-Werk.
    Wie macht man das ?
    M.Kuhn

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