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In der nördlichen Republik Karelien gährt es

Von   /  21. Januar 2013  /  Keine Kommentare

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eva.- Nach den offenkundig pessimistischen Aussagen des Ministers für wirtschaftliche Entwicklung der Republik Karelien ist die Stimmung im dortigen Regierungsapparat auf dem Tiefpunkt. Valentin Tschmil hatte während einer Sitzung über die Zukunft des wichtigsten Zellulose-Werkes der Region in Kondopoga kein Blatt vor den Mund genommen und damit den Gouverneur verstimmt.

Die Zellulose-Fabrik versucht bereits seit sechs Jahren aus der Krise zu kommen und hat mittlerweile einen Schuldenberg von zehn Milliarden Rubel (rund 25 Millionen Euro) angehäuft. Dies machte den Minister so wütend, dass er gleich über die gesamte Region her zog.

„Die Republik ist einfach für niemanden interessant. Sie war schon immer eine unterstützungsbedürftige sozialistische Enklave. Wir haben nichts. Wozu sollen Investoren hierher kommen?“ soll er laut einer karelischen Internetzeitung geschimpft haben. Er wäre sogar bereit, sich zu prostituieren, um das Werk zu retten, merkte er an.

Der karelische Gouverneur Alexander Chudilainen gab sich empört über diesen Kommentar seines Ministers, von dem er über die Medien erfahren habe. Die Lage entspreche in keiner Weise dieser Beschreibung, und die Äusserung Tschmils würden Konsequenzen haben, gab er in einer Pressemitteilung bekannt.

Seinen Optimismus teilen jedoch längst nicht alle. Laut einer Aussage des Polizeikommandanten von Kondopoga macht man sich hier auf ähnliche Ausschreitungen gefasst wie 2006. Damals hatte der Pöbel Menschen aus den südrussischen und kaukasischen Regionen auf der Strasse angegriffen und brandgeschatzt.

Diesmal könnte der Auslöser jedoch nicht Rassismus, sondern Arbeitslosigkeit heissen. Das Zellulose-Werk ist der wichtigste Arbeitgeber in der Region. Laut Newsru.com hat die Fabrik wegen ihrer Schulden jegliche Kreditwürdigkeit bei den Banken verloren und steht wegen mangelnder Liquidität kurz vor dem Ruin.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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