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Generalkonsul Bernd Braun nimmt Abschied: „Wir haben einiges angestoßen“

Von   /  19. August 2008  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Der deutsche Generalkonsul Bernd Braun verlässt seinen Posten in St. Petersburg Ende August nach zwei Jahren. Vor der Rückkehr in seine Geburtsstadt Berlin hält er Rückschau über seine Zeit in der nördlichen Hauptstadt Russlands, in der neben den üblichen diplomatischen Aufgaben ein starkes kulturelles Engagement gefordert war.

Vor seiner Petersburger Zeit war Bernd Braun Diplomat in Khartum, New York, Bukarest, Budapest, Tallinn, Kiew und Kenia, und sammelte reichlich Erfahrung in Zentral- und Osteuropa. „Die Leute hier in Petersburg sind zwar zurückhaltender als in der Ukraine, aber dennoch sehr warmherzig“, vergleicht er. Besonders beeindruckt hat ihn der Status Petersburgs als Kulturhauptstadt: „Man spürt den hohen Stellenwert der Kultur“. Als Liebhaber klassischer Musik ist er besonders begeistert vom Engagement des Mariinski-Theaters.

Kulturelles Profil der Stadt verstärkt

„Ich habe während meiner Zeit hier versucht, dieses kulturelle Profil der Stadt zu verstärken“, zieht Braun Bilanz. Als zentrales Projekt führt er die Deutsche Woche an, die zu einer wichtigen Veranstaltung im Jahreskalender Petersburgs geworden ist – „Darauf sind wir stolz!“. Seiner Meinung nach hat sich Petersburg verändert. „Gegenüber Moskau ist es zwar immer noch eine Provinzstadt, aber es hat sich stark nach außen geöffnet, nicht zuletzt dadurch, dass viele Personen der Machtelite in die Hauptstadt umgezogen sind – unter ihnen Präsident Dmitri Medwedew“, erklärt er. „Ich bin sehr gespannt, wie sich Russland während seiner Präsidentschaft entwickeln wird.“

Trotz staatlichem Förderprogamm – KMUs und freie Unternehmer haben es schwer

Natürlich gehören neben der Kultur die Bereiche Wirtschaft und Bildung zu den Hauptgebieten, mit denen sich ein Konsulat befasst. „Wir haben manches angestoßen – mit unterschiedlichem Erfolg“, meint der Generalkonsul dazu. „Vieles ist erst im Aufbau und muss jetzt vertieft werden.“ Konkret erwähnt er die Ansiedlung deutscher Firmen, die von einem russischen Förderprogramm unterstützt wird. „Leider haben es KMUs und freie Unternehmer trotz allem immer noch sehr schwer“, beklagt er. Das Hauptproblem ist bekannt: die russische Bürokratie. „Es tut sich zwar etwas, aber es könnte sich mehr bewegen,“ erklärt Braun. „Mir scheint, dass in Russland noch das Verständnis für die Wichtigkeit der Wirtschaft fehlt. Leider ist es für viele Kaderleute immer noch interessanter, eine hohe Position in der Verwaltung zu erhalten, statt sich in der Wirtschaft zu engagieren – durch diese Einstellung werden Korruption und Bürokratie gefördert.“

Austausch von Schülern und Studenten verstärkt

web_p2077316Auch die schon lange angestrebte Eröffnung einer deutschen Schule in Petersburg wird durch bürokratische Hindernisse gebremst. Dennoch ist der Austausch von Schülern und Studenten weiter verstärkt worden – zum Beispiel durch das neue und konkretisierte Partnerschaftsabkommen zwischen Hamburg und St. Petersburg. Das 50-Jahre-Jubiläum dieser Partnerschaft, das im Herbst mit einer Festwoche und dem Besuch von Hamburgs Oberbürgermeister Ole von Beust gefeiert wurde, sieht Braun als einen Höhepunkt seiner Petersburger Zeit. „Ich habe nie zuvor eine solch enge Partnerschaft erlebt“, meint er begeistert. „Man kriegt gar nicht alles mit, was läuft, denn vieles zwischen den beiden Städten läuft inoffiziell. Das ist ein sehr gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass die Beziehungen selbst tragend sind.“ Als weiteres Highlight in seiner Petersburger Zeit nennt er den Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in diesem Jahr.

Aktivitäten wurden gebündelt

„Das Generalkonsulat hat an Profil gewonnen,“ urteilt Braun, auf die Entwicklung der Petersburger Vertretung angesprochen. „Früher organisierte das Generalkonsulat viele versprengte Aktivitäten, diese wurden mehr gebündelt und die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen, dem Goethe-Institut, dem Begegnungszentrum und dem Deutsch-russischen Austausch verbessert“, erzählt der Generalkonsul. „Wir möchten nun versuchen, vermehrt gewisse politische Themen „verpackt“ in Kulturprojekten zur Diskussion zu stellen. In der diesjährigen Deutschen Woche hieß das Thema Architektur. Das ist ja nicht nur eine ästhetische Angelegenheit, sondern auch eine sehr politische.“

Deutsches Generalkonsulat möchte mehr Visa ausstellen

web_pa042366Auch äusserlich kann sich im Generalkonsulat in naher Zukunft einiges verändern – so ist man zum Beispiel auf der Suche nach einem neuen Standort. „Möglicherweise wird sich in dieser Frage in nächster Zukunft etwas entschieden“, meint Braun. Auch die Entwicklung bei der Visa-Vergabe ist noch offen – Deutschland möchte gerne die Zahl von Visumsausstellungen erhöhen. Im Vergleich zu Finnland, das jährlich 600’000 Visa ausstellt, kommt die Bundesrepublik auf bescheidene 45’000. „Es könnte auch sein, dass bald ein zentrales Visa-Zentrum der Schengen-Staaten organisiert wird – das würde uns personell entlasten.“ Das neue Anmeldeverfahren per Call-Center wertet Braun als positiv, die Warteschlangen vor dem Konsulat wurden erheblich kürzer. „Natürlich kann auch hier noch einiges verbessert werden“, fügt er an.

Nachfolger wird Peter Schaller

Bernd Braun wird seine Arbeit im Auswärtigen Amt fortsetzen, in welchem Bereich steht noch nicht fest. Sein Nachfolger wird Peter Schaller, der zuvor als Protokollchef in der brandenburgischen Staatskanzlei tätig war und als Diplomat unter anderem in Nordkorea auf den Kapverden und in Turkmenistan stationiert war.

Zum Lebenslauf und Grusswort des Generalkonsuls auf der offiziellen Homepage der Vertretung.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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