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Die „Männer in Schwarz“ geraten ins Zwielicht

Von   /  7. August 2008  /  Keine Kommentare

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eva.- Sie stehen oder sitzen mittlerweile überall, sogar vor kleinen Geschäften oder Parkplätzen – die schwarz gekleideten Männer privater Wachfirmen, „Ochraniki“ oder „Sekjuriti“ genannt. Die Angst der Bevölkerung vor Verbrechen und das Misstrauen gegenüber der regulären Polizei liessen ihre Zahl in den letzten Jahren stark anwachsen. Auch so hielt sich die Beliebtheit der vielfach entweder völlig gleichgültigen oder übereifrigen Wachen bisher in Grenzen. Nachdem jedoch in den vergangen drei Wochen gleich zweimal Wachmänner mit ihren Schusswaffen Personen schwer verletzt haben, nimmt die Kritik in der Öffentlichkeit zu.

Ins Gesicht geschossen

Am 7. Juli schoss ein Wachmann, der den Hof einer Neubausiedlung kontrollierte einem 18-Jährigen ins Gesicht, nachdem dieser sich mit seinen Kollegen gestritten hatte, schreibt „Moi Rayon“. Der junge Mann lag vier Tage im Komma und ist nun auf dem rechten Auge blind. Ähnliches ereignete sich am 21. Juli in einer Filiale des Elektronik-Händlers „Key“ als ein Kunde mit dem Wächter in Streit geriet und ebenfalls einen Schuss ins Gesicht erhielt. Während die Uniformierten beteuern, sie hätten geschossen, weil sie sich in Lebensgefahr befanden, sind die Angehörigen der Opfer entsetzt und fordern eine harte Bestrafung der Schützen.

Klagen über grobe Übergriffe durch Wachpersonal

„Weniger schlimme“ Fälle werden in der Regel kaum gemeldet oder geahndet, dementsprechend existiert auch keine Statistik über das Geschehen. Doch häufen sich in Leserbriefen und Internet-Foren die Klagen über grobe Übergriffe „allmächtiger“ Wachleute gegenüber wehrlosen Zivilisten. Die Inhaber der Wachfirmen waschen derweil ihre Hände in Unschuld – „ihr habt das selbst so gewollt – wir befriedigen nur die Nachfrage nach Sicherheit“, begründet ein Firmenchef die starke Zunahme von Wachmännern. „Versuchen sie einmal, die Polizei zu alarmieren, wenn etwas passiert – sie können umgebracht werden, bis sie anrückt“, kommentiert ein anderer das Versagen der Polizei.

Nachfrage übersteigt Angebot

In einem Punkt sind sich jedoch alle einig – die mangelnden psychologischen und professionellen Fähigkeiten des Wachpersonals sind ein Problem. Die starke Nachfrage , welche das Angebot an gut qualifizierten Wachmännern bei weitem übersteigt, verhindert eine strenge Selektion. Die Berufssparte wird zum Auffangbecken für Bewerber beliebiger Herkunft, insbesondere für entlassene Polizisten, die kaum ein glänzendes Dienstzeugnis vorweisen.

Die Ausbildung dauert 240 Stunden

Um Wachmann zu werden braucht es auch hierzulande nicht viel. Ein Leumundszeugnis und die Bestätigung, dass man sich nicht in psychiatrischer Behandlung bzw. im Drogenentzug befindet, genügen. Die Ausbildung zum Wachmann dauert insgesamt 240 Stunden – eine Schnellbleiche, die nicht annähernd mit einer Polizeischule zu vergleichen ist. Da bleibt auch keine Zeit übrig, um den künftigen Wächtern zu erklären, wann eine Notsituation besteht, und in welchen Situationen sie ausdrücklich dazu verpflichtet sind, ihr Gegenüber vor der Anwendung ihrer Waffe zu warnen.

Bild: Angestellte der Wachfirma „Titan“ marschieren im Umzug am Stadtfest mit. (Foto: Eugen von Arb)

Mehr zum Thema finden Sie hier >>> Ochraniki – Hüter der Un-Ordnung

www.mr-spb-ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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