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Die „gezähmten“ Sprayer von Petersburg

Von   /  30. Juli 2008  /  Keine Kommentare

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eva.- Das städtische Skulpturenmuseum zeigt eine Ausstellung mit Graffiti-Künstlern – auch hier hat die Street-Art jetzt den Weg ins Museum gefunden. Längst sind die Zeiten vorbei, als Sprayereien an Hausfassaden als Werk von Hooligans die Öffentlichkeit schockierten. Die Untergrund-Kunst, die früher vorwiegend nachts von anonymen Autorinnen und Autoren geschaffen wurde, die höchstens eine Signatur oder Initialen unter ihren Bildern hinterliessen, ist enttarnt. Ja sie wird auch in Russland mittlerweile als Vollwertige Kunstform anerkannt.

Das städtische Skulpturenmuseum hat darum Kontakt mit dieser Szene aufgenommen und mit ihnen ein Ausstellungsprojekt realisiert – die Outsider wurden gewissermassen domestiziert. Nicht ganz, denn die Ausstellung begann nicht nur mit viel Reden und Champagner, sondern auch mit Action. Während einer Graffiti-Jam-Session entstand ein Teil der Werke, die anschliessend im Ausstellungssaal des Skulpturenmuseums ausgestellt wurden.

Publikum konnte sich mit Arbeitsweise der Sprayer bekannt machen


Damit wurde ein schöner Teil der Lebendigkeit und Spontaneität dieser Kunst erhalten, ausserdem konnte sich das Publikum mit der Technik der Street-Artisten bekannt machen. Viele beobachteten mit staunender Anerkennung die Arbeit der jungen Menschen und erkannten, wie schwierig und ganz anders dieses Arbeiten mit der Spraydose ist und wie friedlich diese „Schmierereien“ entstehen.

Es fehlt der Unfug, das nachtschwarze Element


Gerade diese Friedlichkeit ist aber auch der Haken an der Sache, denn gerade bei dieser Kunstform ist oft nicht die Form, sondern die Botschaft das Interessante. Seien es politische Losungen, witzige Sprüche oder ein Text, der zum Nachdenken anregt – sie verleihen dieser Kunst in Kombination mit einer Illustration die Frechheit, den Humor oder die Poesie, kurz ihre berühmt-berüchtigte Kraft. Zwar wurden in der Ausstellung einige gewagtere Gedanken aufgegriffen, so zum Beispiel die Gefahr einer Kommerzialisierung dieser Ex-Untergrund-Kunst, aber insgesamt kommt sie relativ brav daher. Es fehlt der Unfug, es fehlt das nachtschwarze Element, der Hauch von Aufmüpfigkeit und Illegalität.

Die Ausstellung ist noch bis am kommenden Wochenende zu sehen.

Städtisches Skulpturenmuseum. Newski Prospekt 179/2a. Eingang vom Tschernorezki Pereulok.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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