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Russland findet Arctic Sea – Rätselraten geht weiter

Von   /  18. August 2009  /  Keine Kommentare

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russland.ru.- Die wohl beste Meldung des gestrigen Tages war, die 15-köpfige russische Besatzung ist „wohlauf“. Sicherlich verwunderlich, gehört doch die Arctic Sea zu den am meisten überfallenen Schiffen der Welt. Wenn man nach Informationen von nicht genannten Experten, namenlosen EU-Diplomaten und anderer Spezialisten geht, dann wurde der Frachter vor und nach seinem Verschwinden Ende Juli mindestens zweimal überfallen. Die Angriffe ereigneten sich demnach vor den Küsten Schwedens und Portugals.

Ein ganz abenteuerlicher EU-Bericht sprach vor ein paar Tagen sogar noch von einem dritten Überfall. Aber sämtliche Entführer oder Piraten haben sich dann auch wieder von Bord gemacht ohne auch nur einen Cent der angeblich geforderten Lösegeldsumme in Empfang zu nehmen. Der Charterdisponent von Solchart, Alexej Starodubow, sagte der „Berliner Zeitung“: „Es ist kein Lösegeld gezahlt worden“

Auf russischem Kriegsschiff verhört

Der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow sagte nach der „Befreiung“ der Besatzung zu Präsident Dmitri Medwedew, die unter maltesischer Flagge fahrende „Arctic Sea“ sei am Sonntag gegen 22.00 Uhr MESZ 300 Seemeilen vor den Kapverden entdeckt. Die Seeleute seien „gesund“ und hätten nicht „unter bewaffneter Bewachung“ gestanden. Sie wurden auf ein russisches Kriegsschiff gebracht und „vernommen“.

Kapverden? Da war das Schiff doch schon am Freitag. Die „Financial Times Deutschland“ berichtete in ihrer Online-Ausgabe, dass der mit Holz beladene Frachter am Freitagmorgen nahe den Kapverdischen Inseln im Atlantischen Ozean, nordwestlich der Insel Sao Antao, geortet wurde. Damit würde sich der Freitagstandort ziemlich genau mit dem Montagstandort decken.

Lage dramatisch?

Wenn die Besatzung aber nicht „unter bewaffneter Bewachung“ gestanden habe, stellt sich die Frage, was denn dann so dramatisch war. Freitag Abend erklärte der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin: “Die Situation des Schiffes ist dramatisch“. Mehr könne er aber im Moment nicht zu dem Thema sagen.

Aber wenigstens das Signal aus der Biskaya könnte sich aufgeklärt haben. Nachdem es zuerst gar nicht existieren sollte, waren es dann russische Kriegsschiffe, dann französische Kriegsschiffe, aber nun waren es doch russische. Der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin sagte nun laut der Nachrichtenagentur ITAR-Tass, die Medien hätten als Verschleierungstaktik absichtlich Falschinformationen erhalten.

Gefaktes AIS-Signal

Was sollte denn da mit einem gefakten AIS-Signal verschleiert werden? Da fährt extra ein russisches Kriegsschiff in die Biskaya um dort für eine Stunde ein falsches Signal abzusetzen und verschwindet dann wieder. Zumindest hat es dafür gereicht, die Biskaya für Tage von Schiffen leerzufegen. Zumindest gab es so gut wie keine Signale mehr von irgendwelchen Schiffen. Nördlich der Biskaya waren am Sonntag noch mehrere hundert Schiffe im Tracking, aber die Biskaya war leer.

Was für ein Aufwand um eine nicht „unter bewaffneter Bewachung“ stehende Mannschaft ausfindig zu machen, von Bord zu holen und auf einem russischen Kriegsschiff zu verhören. So ist immer noch unklar, was eigentlich passierte. Den möglichen Transport von Nuklearmaterial nährte die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“. Sie berichtete, an Bord befänden sich radioaktive Substanzen.

Schiff und Anlegestelle auf Radioaktivität überprüft

Der Leiter der finnischen Behörde für Strahlensicherheit, Jukka Laaksonen, hatte am Montag laut France Press erklärt, es befänden sich keine Atomwaffen an Bord des Frachters. Trotzdem wurde die „Arctic Sea“ vor ihrem Auslaufen auf Radioaktivität hin geprüft, die Messungen hätten jedoch nichts ergeben. Grund für die Untersuchung sei eine“dumme Aktion“ der Feuerwehrleute gewesen, die einen entsprechenden Verdacht auf radioaktive Verseuchung gehabt hätten.

Die finnische Zeitung „Österbottens Tidning“ schrieb, die örtliche Feuerwehr habe einen „Tipp“ über Reste von Radioaktivität auf einem Lastenkai in Pietarsaari erhalten. Daraufhin seien Messungen veranlasst worden, aber gleich wieder abgebrochen, weil die finnische Strahlenschutzbehörde eingeschritten sei und die Messungen für „nicht notwendig“ erachtet habe.

Wie die britische „Mail on Sunday“ in Bildern zeigte, wurde der Kai, an dem die Arctic Sea im Hafen lag noch nach auslaufen untersucht. „Officials are checking for radioactivity on the quay in Pietarsaari where the Arctic Sea was docked”. Russland, die NATO, die EU und auch die Reederei haben da noch viel Klärungsbedarf vor sich.

www.russland.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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