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BLOG: Selbstversuch „Aufenthalt in Russland“

Von   /  22. Mai 2008  /  Keine Kommentare

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Jahrelang haben sich viele Ausländer darum gedrückt, ihren Aufenthalt in Russland nachhaltig zu legalisieren. Statt des komplizierten Prozesses „Aufenthaltserlaubnis“ haben sie einfach ein Business-Visum gekauft.
SPZ-ONLINE sucht Erfahrungsberichte, die den komplizierten Vorgang aus eigener Erfahrung beschreiben. Mein eigener Antrag ist beschlossen und ich werde diesen hier soweit wie möglich dokumentieren.

Hintergrund

Im Zuge der Angleichung der Visumsangelegenheiten an ähnliche Verfahren, wie sie z.B. in der EU praktiziert werden, wird das Ganzjährige „Business Visum“, diese einfache und unkomplizierte Möglichkeit, sich in Russland aufzuhalten, leider dem beabsichtigten Zweck zurückgeführt: das Visum ist für gelegentliche Besuche gedacht.

Der Vorgang wurde in echtem Newspeak “Vereinfachung der Visa-Angelegenheiten” benannt, wobei eine Vereinfachung nicht sichtbar ist. Es hat jedoch große Auswirkungen auf die bisherigen Businessvisa-Inhaber.

Mit bisher vier Ausreisen im Jahr konnte der Business-Visumsinhaber praktisch in Russland leben und freiberuflich arbeiten.

Für Alle, die bereits seit langem ihren Lebensmittelpunkt de facto nach Russland verlegt haben, ergeben sich gravierende Konsequenzen. Die Aufenthaltsdauer für Business-Visa ist nun maximal 180 Tage pro Jahr und davon maximal 90 Tage ohne Ausreise. Nach 90 Tagen muss eine Pause von 90 Tagen folgen.

Ob das alles so streng realisiert wird oder ob die Bestimmungen – wie auch schon gesehen –  recht locker gehandhabt werden, wird der Sommer 2008 zeigen.

Angleichung an EU Standard.

Die neue Regelung ist eine „baugleiche“ Maßnahme, wie Sie z.B. für Business-Visa russischer Bürger nach Deutschland gilt.

Für russische „Businessmen“ gilt heute z.B. : das Geschäftsvisum nach Deutschland ist ein Jahr gültig, kann für beliebig viele Reisen genutzt werden, aber der gesamte Aufenthalt ist je nach Begründung nicht mehr als drei Monate erlaubt.

Soweit so gut. Da aber ausländische Geschäftsführer, Geschäftsinhaber, Unternehmer und Rentner bislang in Russland mit dem unkomplizierten “Mehrfach-Businessvisum” mit der Gültigkeit ein Jahr in Russland tatsächlich leben, dürfte sich ein Welle von Ausreisen, Geschäftsaufgaben, Ausweichaufenthalten, Fernbeziehungen und beschleunigter Heiraten ergeben.

Die Ausländergemeinde wird in diesen Tagen wohl ähnlich massiv schrumpfen wie im Jahr 1998 in Folge der Krise.

Alternative: legalisierter Aufenthalt in Russland

Der legale Aufenthalt eines ausländischen Staatsbürgers in Russland kennt drei Stufen.

1. Vorläufige Aufenthaltserlaubnis mit Zeitlicher Begrenzung “разрешения на временное проживание”
2. Die Aufenthaltserlaubnis “Вид на жительство”
3. Als konsequenter dritter Schritt wird einem nach drei bis fünf Jahren die russische Staatsbürgerschaft angetragen und – wehe! – die wird nicht angenommen, dann heißt es wieder, gehen sie zu Schritt eins!

Die russische Staatsbürgerschaft wird immer miterwähnt, so als wäre ein Verbleib auf einer der Stufen eins oder zwei nicht vorgesehen. Und in der Tat: der Verbleib auf Stufe zwei ist dem Hörensagen nach nicht immer ganz unkompliziert, da er nach drei Jahren abläuft und alles von vorne beginnt.

Bürger aus der befreundeten GUS müssen auf Stufe eins einen Monat verbleiben und können dann die Aufenthaltserlaubnis beantragen.

Bürger der EU müssen in diesem Fegefeuer der Stufe eins ganze zwölf Monate verbleiben. Mit diesem Status ist eine Ausreise nur mit “Ausreisevisum” möglich, das 14 – 20 Tage vor Reiseantritt beim zuständigen OWIR Beantrag werden muss.

Wer bei einem Unternehmen und nicht selbständig beschäftigt ist, kann auch durch Antrag des Unternehmens ein Arbeitserlaubnis und – damit verbunden – ein Arbeitsvisum erhalten. Die Menge dieser Arbeits-Visa ist jedoch streng kontingentiert und nicht jedes Unternehmen darf auch einladen. Kurzum: gute Beziehungen oder eine Agentur helfen auch hier, wie immer, weiter.

Apropos: die Feinheiten dieser Regelungen sind, wie vieles in Russland, nur durch externe Agenturen zu erlernen, die für die Begleitung des Antragsstellers ab 500 € aufwärts verlangen. Wer es ohne Agentur versucht, bekommt einen lebhaften Eindruck der Effizienz und Selbstgerechtigkeit der Bürokratie. So wird auch beim komplizierten Antrag erwartet, dass Punkt und Komma bereits richtig gesetzt sind und der Antrag nur entgegengenommen werden muss. Denn Fragen werden nicht beantwortet, da gibt’s ’ne andere Schlange zum “Referenten für Auskünfte” die auch ca. 2 h Wartezeit beinhaltet. Das ganze geht dann mehrmals hin und her, kostet einige Nerven und mit Anreise ein Paar Tage Arbeitszeit.

Aber wer sich erinnern kann: vor 30 Jahren war der „Service“ in deutschen Ämtern auch noch ein unbekanntes Fremdwort.

Heute gibt es im BÜRGERAMT zwar eine Schlange mit Wartenummer, aber man sitzt dann bei einem Sachbearbeiter, der am Computer alle Vorgänge löst, Pass-Anträge in einem Durchgang und ad hoc. Seit neustem kann auch gleich vor Ort bezahlt werden, freundlich und in angenehmer Atmosphäre. Das spart nicht nur die Zeit der Bürger, sondern garantiert auch die der Behörde. Mal sehen, wann unser OWIR auf diese Organisationsform kommt. Hoffen wir das Beste!

Ein Selbstversuch

Der Verfasser hat die wichtigsten formalen Hürden zur Antragsstellung jedenfalls schon genommen,
a) er hat eine russische Staatsbürgerin als Ehefrau, die per Antrag seinen Aufenthalt in Russland erwirken kann,
b) die Ehefrau ist in der Stadt registriert, in der beide leben wollen. Siehe Glossar “Propiska”
c) er hat für sich selbst eine registrierungsfähige Adresse.

Der Ehepartner kann eine Einladung ausstellen, sodass der ausländische Ehepartner ein Visum für drei Monate erhält. In dieser Zeit muss der Prozeß des Antrags und die Genehmigung der Stufe eins erfolgen.

Anzumerken ist, dass eine Einladung in St. Petersburg genau einen Monat Vorlauf benötigt. Plus erfolgloses Anstehen im unendlichen und unergründlichem Wartesaal des zuständigen OWIR, plus Postlaufzeit, da das Original in Deutschland abgegeben werden muss.

Im April bekommen wir die Einladung. So Gott will.

Wenn Sie wissen wollen wie der Behördenlauf weitergeht lesen sie in der Rubrik VISUM wie es weitergeht.

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