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Kommentar: Kasinos und Glücksspiel in Russland: Rien ne vas plus?

Von   /  1. Juli 2009  /  1 Kommentar

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rian.- Ab dem 1. Juli sind Glücksspiele im größten Teil Russlands verboten. Roulette, Geldspielautomaten oder Black-Jack darf man von nun an legal nur in einem Sondergebiet spielen.

Die Bauarbeiten auf diesen Grundstücken befinden sich erst im Keimzustand. Heißt das, dass es in Russland keine Glücksspiele mehr geben wird? Wahrscheinlich wird es sie doch nach wie vor geben. Laut Experten würden einige Spielklubs versuchen, im Gesetz ein Schlupfloch zu finden, während der andere Teil in die Illegalität abwandern werde.

Das Verbot von Glücksspielen außerhalb der speziellen Zonen ist in dem vor zwei Jahren verabschiedeten Gesetz „Über die staatliche Regulierung der Tätigkeit bei der Organisation und Durchführung von Glücksspielen“ festgelegt.

Das Gesetz verbannt alle entsprechenden Etablissements in vier Glückspielzonen: an der Grenze der Region Krasnodar und des Gebiets Rostow, im Gebiet Kaliningrad, in der Region Primorje (russischer Ferner Osten) und in der Altai-Region.

Bisher bestehen jedoch die meisten der genannten Zonen nur auf dem Papier. In Primorje und auf dem Altai wurden keine Arbeiten vorgenommen, im Gebiet Kaliningrad zwei Grundstücke zum Verkauf ausgeschrieben.

Am weitesten ist bei der Projektrealisierung die Region Krasnodar vorangekommen. Wie örtliche Beamte sagen, wurden im letzten Jahr aus dem Regionalhaushalt für den Bau der Infrastruktur – einer Chaussee, einer Überland-, einer Wasser- und einer Gasleitung – 900 Millionen Rubel bereitgestellt. (1 Euro = 43,81 Rubel.)

Die Behörden finden, dass sie ihre Aufgabe erledigt haben, nun seien die Geschäftsleute an der Reihe. Diese aber beeilen sich mit ihren Investitionen in die Glücksspielzonen nicht: Sie sind nicht sicher, ob sich der Aufwand lohnt, und das Risiko ist zu hoch, dass finanziell gut gepolsterte Spieler statt in den einheimischen Kasino-Zonen im Ausland ihr Glück versuchen.

Schon sind Unternehmen entstanden, die Reisen zu europäischen Glücksspiel-Etablissements organisieren. Die Behörden könnten die Investitionen ins Glücksspielgeschäft weniger riskant machen, indem sie zum Beispiel Steuererleichterungen gewähren und die Spielregeln genau festlegen würden.

Die russischen Beamten zögern – zu Unrecht, denn schon werden russische Spielklubbetreiber, genauer, ihre Gelder in Osteuropa und einigen GUS-Ländern erwartet.

Viele Betreiber hofften bis zum letzten Moment, der Staat wird ihnen einen Aufschub gewähren, bis die Flächen für die Spielhöllen fertig gebaut sind. Schließlich würden die Beamten nicht das Huhn schlachten, das goldene Eier lege.

Der Umsatz des Glückspielindustrie von 2008 wird auf 5,9 bis sechs Milliarden Dollar geschätzt, der Staatshaushalt hat an den Glücksspielen 26,4 Milliarden Rubel verdient, die Stadtkassen von Moskau und Sankt Petersburg haben durch Steuern sechs Milliarden beziehungsweise 3,5 Milliarden Rubel bekommen. Aber die Behörden sind unerbittlich: Einen Aufschub gibt es nicht.

Beobachter sind davon überzeugt, dass 90 Prozent der russischen Spielklubs ihr Geschäft ohnehin fortsetzen werden. Einige Kasino-Besitzer werden bis zum letzten Augenblick den Zeitpunkt der Schließung ihrer Etablissements hinaus zögern und mit den örtlichen Beamten und der Polizei „eine gemeinsame Sprache“ finden. Andere hoffen, Ungenauigkeiten im Gesetz auszunutzen oder in den Untergrund zu gehen. Möglichkeiten, das Gesetz zu umgehen, sind sehr wohl vorhanden.

Bis zu einem Drittel besagter Glücksspielhäuser könnten sich in Sportpokerclubs verwandeln, denn Poker wurde 2007 von der Russischen Sportagentur als Sportdisziplin anerkannt.

Nicht wenig Glücksspielklubs könnten sich zu Internetcafes mit Zugang zu virtuellen Roulette- oder Kartenglücksspielen mausern. Die Einsätze könnten von der Kreditkarte eines Kunden oder per Onlinezahlungen überwiesen werden.

Virtuelle Glücksspiele sind im russischen Internet verboten, doch nichts stört einen Unternehmer daran, eine entsprechende Webseite auf einer ausländischen Domäne zu registrieren.

Indirekte Beweise für ein solches Szenarium liegen schon vor. In den Städten, in denen die örtlichen Behörden versucht haben, das Gesetz „Über die staatliche Regulierung der Tätigkeit bei der Organisation und Durchführung von Glücksspielen“ vorzeitig in Kraft zu setzen, stellten die Rechtsschutzorgane die Entstehung von Dutzenden illegalen Spielklubs fest.

Die Strafen wegen der Verletzung des Gesetzes sind nicht gerade rigoros: eine Geldstrafe bis zu 500 000 Rubel oder eine Haft bis zu einem Jahr.

Über die Zukunft der Besitzer von Spielkasinos braucht man sich keine Sorgen zu machen: Sie werden um ihre Gewinne schon nicht kommen. Doch beschäftigungslos bleiben deren Mitarbeiter. Allein in Moskau sind das etwa 40 000 Menschen. In ganz Russland waren in dieser Branche vor dem 1. Juli beinahe 350 000 Personen beschäftigt.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Seise sagt:

    „…während der andere Teil in die Illegalität abwandern werde.“
    Die Onlinespieler sind nicht zu beneiden dort. Keine klare Rechtslage, deshalb auch wenig Spielraum bei Beschwerden. Ich weiß zwar nicht wieviele staatliche Anbieter wie w2d es weltweit gibt, fühle mich aber sicherer, als bei privaten, die Schlupflöcher im Gesetz suchen müssen…beim Glücksspiel muss es Sicherheit und Regelungen geben!

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