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Edel italienisch statt russisch rustikal: Möbelbauer sauer auf Militär

Von   /  22. April 2010  /  Keine Kommentare

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rian.- Die russischen Möbelfabrikanten haben ihrem Ärger über das Verteidigungsministerium Luft gemacht, berichtet die Zeitung „RBC Daily“ am Mittwoch. Sie haben die Entscheidung der russischen Militärs, italienische Möbel für ihre Büros zu bestellen, als persönliche Beleidigung empfunden.

Der Auftrag zur Lieferung von 125 Möbelstücken wurde auf der Website für Staatsaufträge am 14. April veröffentlicht. Der Gesamtpreis für den Auftrag lag bei 18,3 Millionen Rubel (1 Euro = ca. 39 Rubel), die aus dem Staatshaushalt kommen.

Das Verteidigungsministerium legt großen Wert auf kleinste Details bei Tischen, Sesseln, Schiebetürschränken und sogar Kleiderständern. So soll der Tisch eines Vorgesetzten aus Buche-Vollholz und dessen Oberfläche aus echtem Olivenbaum sein. Die Holzblatt-Textur soll dem natürlichen Holzmuster ähnlich sein, während die Polsterung aus dunkelgrün gefärbtem Büffelleder sein soll. Wie ein Sprecher eines russischen Möbelwerks sagte, könnte der bis auf kleinste Details erstellte Auftrag davon zeugen, dass die Möbel bereits gekauft worden sind.

Die russischen Produzenten entrüsten sich über die Tatsache, dass die meisten bestellten Möbel aus Italien geliefert werden sollen. „Russland hat eine große Realwirtschaft, die solche Aufträge erfüllen könnte. Aber alle Großaufträge der Staatsstrukturen gehen an uns vorbei“, sagte der auf Möbelproduktion spezialisierte Unternehmer Alexander Gordejew. Die Summe von 18,3 Millionen Rubel entspreche dem Monatsumsatz einer mittelgroßen russischen Möbelfabrik, ergänzte er.

„Wir bewerten die Absicht einer solch großen und einflussreichen Staatsstruktur zum Möbelankauf im Ausland als Respektlosigkeit gegenüber den russischen Möbelbauern“, so Gordejew. „Was bedeuten denn angesichts dessen all diese Deklarationen der Behörden, dass einheimische Hersteller, der reale Sektor, reale Steuerzahler unterstützt werden sollten, besonders während der Krise?“

Der Unternehmer verwies darauf, dass die in den jüngsten Jahren entstandene Situation um die Vergabe von Staatsaufträgen ins Ausland immer mehr Unzufriedenheit unter den russischen Möbelherstellern hervorrufe. Mitte Mai solle die branchenbezogene Organisation namens „Allrussischer Verband der Möbelbauer“ gegründet werden, kündigte Gordejew an. Derzeit werden Beratungen mit mehr als 200 Möbelfabriken in 40 Regionen Russlands geführt. Als ersten Schritt will der neue Verband einen Appell an Premier Wladimir Putin und Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow richten, dass die Vergabe von Staatsaufträgen an ausländische Produzenten inakzeptabel wäre, präzisierte der Unternehmer.

Serdjukow kennt sich übrigens mit Edel-Möbeln gut aus. 1985 startete er seine Karriere im Möbelgeschäft. Angefangen hatte er als Abteilungsleiter in einem Möbelladen in Leningrad (damaliger Name von St. Petersburg), bis er schließlich Generaldirektor der Firma Mebel-Market in St. Petersburg wurde. Seit 2000 arbeitete der künftige Verteidigungsminister für den Staat.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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