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Zenit St. Petersburg: Rassistische Fans bestimmen Einkaufspolitik

Von   /  24. August 2012  /  Keine Kommentare

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rian.- Die rassistischen Fans von Zenit St. Petersburg reden bei der Kaderzusammenstellung ihres Vereins offenbar ein gewichtiges Wörtchen mit. Die Vereinsführung muss sich entscheiden, ob ihr der internationale Erfolg wichtiger ist als die Prinzipien einiger Fans, die gegen Spieler mit dunkler Hautfarbe hetzen.

Die Verantwortlichen beim Fußballclub aus St. Petersburg hatten früher immer darauf geachtet, möglichst wenige dunkelhäutige Kicker zu verpflichten. Die Clubführung gab dies zwar nie zu, doch die früheren Trainer Vlastimil Petrzela und Dick Advocaat machten kein Hehl daraus, auf Spieler mit dunklem Teint lieber zu verzichten. Als die Petersburger den Portugiesen Bruno Alves kauften, diskutierten die Zenit-Fans in Internetforen, ob die Hautfarbe des Verteidigers hell genug sei, um ihn in der Mannschaft willkommen zu heißen.

Zenit hat alles gewonnen außer der Königsklasse des europäischen Fußballs. Der Club braucht neue Spieler, um seinen Traum vom Champions-League-Triumph zu erfüllen. Allerdings gibt es nur wenig Top-Spieler, die Lust haben, in der russischen Premier League zu spielen. Sollte die Hautfarbe dazu noch eine Rolle spielen, verringert sich die Auswahl weiter.

Zenit-Coach Luciano Spalletti hatte von FC Porto-Stürmer Hulk und Mittelfeldstar Nani von Manchester United geschwärmt. Es wurden bereits Verhandlungen mit beiden geführt, Einzelheiten sind allerdings nicht bekannt.

Bekannt ist aber, dass die Zenit-Fans wieder über die Hautfarbe der gehandelten Neuzugänge diskutieren. Gegen den hellhäutigen Brasilianer Hulk (sein bürgerlicher Name lautet Givanildo Vieira de Souza) dürften die Fans keine Einwände haben. Gegen den in Kap Verde geborenen Portugiesen Luis Carlos Almeida da Cunha alias Nani könnten einige Zenit-Fans jedoch aufbegehren, genauso wie gegen den Kongolesen Yann M’Vila, der derzeit für Stade Rennes kickt.

Es ist durchaus möglich, dass die Petersburger am Ende keinen der drei Wunschspieler bekommen, während Spallettis Äußerungen darauf abzielen, dass sich die Fans mit dem Gedanken anfreunden, dass sie früher oder später doch dunkelhäufige Stars im Stadion akzeptieren müssen. Denn ab dem Achtelfinale der Champions League gab es in den vergangenen Jahren sehr wenig Mannschaften, die nur aus weißen Fußballern bestanden. Dass in einer zivilisierten Gesellschaft überhaupt über die Hautfarbe der Spieler diskutiert wird, ist eine Schande.

Das Management bei Zenit St. Petersburg hat dies offenbar verstanden. Dabei kommt es darauf an, wie sich die Klubbosse in dieser heiklen Situation verhalten: Sie könnten demonstrativ einen dunkelhäutigen Spieler kaufen, was den radikalen Teil der Fans aber gegen sie aufbringen wird. Oder sie starten Testballons, um zu sehen, wie die Fans auf das öffentlich bekundete Interesse an solchen Fußballern reagieren. Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass die Vereinsführung ein schwerwiegendes Problem mit rechtsextremen Fans hat.

Der Kandidatenkreis für Neuzugänge ist erheblich eingeengt. Besonders gut stehen die Chancen, Andrej Arschawin zurückzuholen. Der Star von Arsenal London wurde vor wenigen Tagen in St. Petersburg gesehen. Die britische „Times“ berichtete, dass Zenit zehn Millionen Euro für den russischen Teamkapitän geboten haben soll. Außerdem sollen die Petersburger an Mittelfeldspieler Denis Gluschakow und Verteidiger Roman Schischkin (beide FC Lokomotive Moskau) interessiert sein. Gluschakow wird bereits seit einem halben Jahr mit Zenit in Verbindung gebracht.

Die größten Kopfschmerzen bereitet Coach Spalletti aber die Suche nach geeigneten Stürmern. Alexander Kerschakow, der seinen Vertrag vor kurzem verlängert hat, ist genauso verletzt wie Alexander Bucharow. Spalletti braucht aber dringend einen weiteren Angreifer, der CL-Niveau hat. Der Däne Nicklas Bendtner vom FC Arsenal, der die vorige Saison an den FC Sunderland ausgeliehen war und derzeit auf der Ersatzbank sitzt, gilt als ein Wunschkandidat. Der Stürmer scheint einem Wechsel nicht abgeneigt zu sein. Bisher wurde er vor allem mit dem italienischen Vize-Meister AC Mailand in Verbindung gebracht.

Zum Verfasser: Andrej Wdowin ist Journalist der Zeitung „Moskowskije Nowosti“.
Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

www.rian.ru

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  • Veröffentlicht: 6 Jahren vor auf 24. August 2012
  • Von:
  • Zuletzt geändert: August 24, 2012 @ 10:46 am
  • Rubrik: Sport, Ticker, Zenit

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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