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INTERVIEW: „Wir machen aus jedem Negativ ein Positiv“

Von   /  17. Oktober 2008  /  4 Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die beiden Fotografinnen Heidi Moretti und Regina Puentener stammen aus dem Urnerland in der Schweiz. Sie leben seit über zehn Jahren in Petersburg und betreiben am Newski Prospekt ein Fotostudio.



Heidi Moretti und Regina Puentener, Sie fertigen sogenannte Business-Porträts an – welches sind denn Ihre häufigsten Kunden, Business-Ladies oder Business-Men?

Heidi Moretti: Hauptsächlich Business-Ladies.

Und warum?

Regina Puentener: Es ist schwierig zu sagen, warum mehr Frauen zu uns kommen. Vielleicht haben Männer eher Angst sich zu zeigen, denn die Aufnahmen werden hauptsächlich für ein Journal gemacht. Es sieht so aus, als ob sich Frauen lieber in der Öffentlichkeit präsentieren – vielleicht sind sie einfach offener und kommunikativer als Männer. Heidi Moretti: Die Männer tragen den Frauen eher die Kleider hinterher und bezahlen danach die Aufnahmen.

Sind Russinnen und Russen fotogener als Ihre Schweizer Kunden?

Heidi Moretti: Die Russen posieren sehr gerne, ja.

Woran liegt das?

Heidi Moretti: Ich denke, es liegt daran, dass sie ein besseres Selbstvertrauen haben. Es ist natürlich schwierig mit der Schweiz zu vergleichen, aber soweit ich mich erinnere, sind die Schweizer vor der Kamera eher etwas verklemmt.

Sind Russen eitler, stolzer?

Heidi Moretti: Doch, doch sie sind schon eitel. Unsere Kunden sind oft sehr selbstbewusste Frauen, die man nicht groß auflockern muss. Wir müssen sie schon etwas aus sich herausholen, damit das Bild so wird, wie wir es haben möchten. Aber die meisten von ihnen wissen, wie sie posieren müssen. Ich würde aber nicht sagen, dass sie stolzer im Sinne von überheblich sind, sie besitzen einfach mehr Selbstvertrauen. Regina Puentener: Zum Beispiel kam eine bekannte Ballerina ganz allein mit Ihren Kleidern in unser Studio, um sich fotografieren zu lassen. In der Schweiz wären ihre Beine für Millionen versichert gewesen und sie wäre sicher nicht zu Fuß gegangen – hier kommt sie einfach als würde sie gleich nebenan wohnen.

Welches war Ihr interessantester Studiogast?

Regina Puentener: Das war ein Mann – der Juwelier Andrej Ananow. Das war für mich die interessanteste und schönste Begegnung am Arbeitsplatz. Da kam ein Mensch zu uns mit ganz wachen Augen, die leuchteten wie Gold – das war interessant, denn er arbeitet ja mit Gold. Er brachte es fertig, dass ich während der vier Stunden Arbeit immer wacher wurde. Die Energie, die er mitbrachte, steckte mich richtig an.

Heidi Moretti: Ein Porträt, das mir auch sehr gut gefällt, ist jenes vom Regisseur Alexander Belinski. Er trug einen braunen Anzug, ein kariertes Hemd und eine getupfte Krawatte – er sah aus wie so ein Großvater vom Land. Ich hatte gar keine Freude daran, ihn zu porträtieren, obwohl er ein sehr interessanter Mensch ist. Als er schließlich aufstand und seinen Mantel anzog, da bat ich ihn gleich nochmals, sich hinzusetzen, und es wurde ein sehr schönes Porträt, auf das er heute noch stolz ist.

Eine Spezialität Ihres Ateliers sind sphärische Panorama-Aufnahmen – welche Panorama-Aktion werden Sie nie vergessen?

Regina Puentener: Das war im Spielkasino Palkin – wir hatten dort den Auftrag zu fotografieren, durften aber dabei die spielenden Leute nicht zeigen. Darum brauchten wir Modelle an den Spielertischen, und schließlich spielten die Angestellten für uns die Rolle der Spieler. Das war eine Herausforderung, denn wir mussten ihnen für unsere Aufnahmen Anweisungen geben, um Bewegung ins Bild zu bringen.

Welches ist Ihr Petersburger Lieblingsmotiv?

Regina Puentener: Unser Lieblingsmotiv gibt es leider nicht mehr – das Denkmal des armen Hündchens in einem Hinterhof an der Malaja Sadowaja. Man konnte dort einen Wunsch oder ein Geschenkchen hinterlassen, es hatte sogar einen Briefkasten. Ich brachte ihm manchmal etwas an Weihnachten. Leider war mit der Zeit der ganze Hof mit Sprayereien verschmiert, und das Denkmal wurde demontiert.

Was steht noch ganz oben auf Ihrer Wunschliste als Fotomotiv?


Heidi Moretti: Panorama-Aufnahmen in der gesamten Eremitage. Es gibt noch vieles, was ich hier gerne fotografieren möchte, aber das würde mich im Moment am meisten reizen.

Vermissen Sie die vielseitige Landschaft der Schweiz hier im topfebenen Petersburg nicht?

Regina Puentener: Nein, gar nicht. Ich gehe zwar sehr gerne in die Berge, wenn ich in der Schweiz bin, aber wenn es hier welche gäbe, wäre ich ständig dort – so bin ich erlöst davon.

Heidi Moretti: Ich vermisse die Berge nicht – ich sehe sie gerne, aber ich vermisse sie nicht. Es gibt hier soviel Schönes, das reicht mir.


Was ist ihr Lebensmotto?

Regina Puentener: „Wir machen aus jedem Negativ ein Positiv“.

Zur Homepage von Heidi Moretti und Regina Puentener

copyright photos – Eugen von Arb, Swissart

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

4 Kommentare

  1. marianna caviezel sagt:

    herzliche gruesse aus piacenza wo ich oefters die st.petersburger news durchlese und ich finde es lustig euch zwei darin zu finden tantissimi saluti marianna

  2. Marty Hugo sagt:

    Hallo miteinander

    Wie gehts so, ohne den Kt. Uri und den Gitschen? Habe einige starke Bilder von euch gesehen. Ich bin nun im Zürcher Oberland zu Hause und vermisse die Flüelerstrasse und Altdorf nicht. Es hat sich sehr viel verändert und nicht alles zum guten. War doch eine wilde, schöne Zeit mit Fuggä, F-X usw. oder nicht Regina?

    Wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und Gesundheit.

    Gruss Hugo

  3. Jacqueline Wyler sagt:

    Liebe Regina, möchte schon lange wieder mit dir in Kontakt treten, leider stimmt die Telefon -Nummer nicht mehr. Es wäre auch gut deine persönliche E-Mail zu kennen.Hoffe ,dass du irgendwie mit mir in Kontakt kommen kannst. Liebe Grüsse Jacqueline Wyler ,Eichmattstrasse 5 6005 Luzern ,Schweiz Wir arbeiteten einmal im Maihof, nun bin ich schon seit 2 Jahren Pensioniert.

  4. realsatire sagt:

    Respekt!

    Ein Hoch auf die Starken Frauen in Russland – auch die mit Schweizer Pass.

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