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Erste feministische Demo an Russlands 100. Frauentag

Von   /  6. März 2013  /  Keine Kommentare

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rian.- Manche Sensationen kommen auf leisen Füßen: Am 8. März, dem internationalen Frauentag, findet im Zentrum von Moskau auf Initiative feministischer Organisationen eine Demonstration mit anschließender Kundgebung statt. In Russland hat es eine vergleichbare Aktion seit dem Jahr der Oktoberrevolution nicht mehr gegeben.

Manche Sensationen kommen auf leisen Füßen: Am 8. März, dem internationalen Frauentag, findet im Zentrum von Moskau auf Initiative feministischer Organisationen eine Demonstration mit anschließender Kundgebung statt. In Russland hat es eine vergleichbare Aktion seit dem Jahr der Oktoberrevolution nicht mehr gegeben.

„Es gibt keine feministische Bewegung in Russland“, sagt Olgerta Kharitonova, eine der Organisatorinnen, am 5. März auf der Pressekonferenz zu dem historischen Ereignis mit dem Titel „Feminismus ist Befreiung“. Es sind unabhängige Feministinnen sowie feministische und solidarisierende Gruppen, die zu der Demo aufrufen.

Laut den Veranstalterinnen handelt es sich um die erste groß angelegte Demonstration für Frauenrechte in Russland seit 1917. „Damals waren es, unter anderen Vorzeichen, an die 40.000“, führt die Feministin aus.

Erste feministische Demo in Russland – und wer geht hin?

Bei der für Freitag geplanten Aktion werden rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Der internationale Frauentag ist in Russland ein offizieller Feiertag. Von einem Frauenkampftag wie im deutschen Sprachraum oder feministischen Demonstrationen wie in vielen anderen Ländern war dabei aber bis zu der aktuellen Initiative keine Rede.

„Der Frauentag hat sich in sein Gegenteil verkehrt“, so Tatjana Sucharewa aus dem Organisatorinnen-Team. „Die Frauen sind gewohnt an Blumen und Geschenke, ihnen wird gesagt, dass sie das schöne, aber schwache Geschlecht sind.“ Gleichstellung stehe zwar in der Verfassung, aber von welcher Gleichberechtigung könne die Rede sein, solange eine weibliche Präsidentin oder Premierministerin in Russland praktisch ein Ding der Unmöglichkeit sei.

Die Demo soll an die Entstehungsgeschichte des Feiertags und Errungenschaften des Feminismus und der Frauenbewegung wie das Wahlrecht oder das Recht auf Eigentum erinnern.

Unterstützung erhält die Demonstration vornehmlich von Gruppierungen aus dem kommunistischen Lager. „An die Gleichberechtigung von Frauen ist im Rahmen von Kapitalismus, Staat und Patriarchat nicht zu denken“, sagt die dritte Sprecherin auf der Pressekonferenz, Sweta Gerasimowitsch von der Moskauer anarcho-feministischen Gruppe, die bei „Feminismus ist Befreiung“ eine eigene Kolonne bilden will. Themen wie Gender und Frauen müssen ihr zufolge dennoch heute und „nicht erst nach der Revolution“ diskutiert werden.

Regenbogen vor der Tretjakow-Sammlung

Die Moskauer Stadtbehörden haben dem feministischen Protestmarsch einen etwa 100 Meter langen Abschnitt entlang der Moskwa-Uferpromenade und der Kundgebung den Vorplatz der dortigen Filiale der Tretjakow-Galerie zugedacht. Die kurze Strecke werde man trotzdem feierlich entlang marschieren, so Kharitonova. Im Anschluss an die Demo findet ein Flashmob im Geiste von „One Billion Rising“ – einer internationalen Initiative gegen Gewalt an Frauen – statt.

Ausschreitungen gegen den feministischen Marsch, wie in Russland oft bei Aktionen für Lesben- und Schwulenrechte – an der feministischen Demonstration wird unter anderem die russische Rainbow-Association teilnehmen –  wären für eine der Organisatorinnen keine Überraschung. Im Sog von Pussy Riot gilt Feminismus laut Kharitonova nicht nur mehr als Schimpfwort, sondern wird als Widerspruch „gegen traditionelle Familienwerte“ aufgefasst.

„Es kann ohne jeden Anlass zu einem Skandal kommen. Wenn es sogar bei einer Ausstellung im Sacharow-Zentrum zu einem Skandal kommt, muss man mit allem rechnen“, meint auch ihre Kollegin Sucharewskaja. „Da es sich um eine genehmigte Aktion handelt, sind die Moskauer Behörden verpflichtet, für die Sicherheit der Teilnehmer zu sorgen.“

In Clara Zetkins Fusstapfen

Als Ideengeberin für den internationalen Frauentag gilt die deutsche Sozialistin Clara Zetkin. Sie soll auf der  Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Idee eines internationalen Frauentages vorgeschlagen haben – jedoch ohne ein konkretes Datum zu nennen.

In Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz wurde der erste Frauentag am 19. März 1911 begangen. In den USA gab es damals schon einen „Tag der Frau“. In Russland fand der erste Frauentag am 2. März 1913 statt.

1921 erklärte Lenin in Gedenken an den St. Petersburger Frauenaufstand vom 23. Februar 1917 den 8. März, das entsprechende Datum nach dem gregorianischen Kalender, offiziell zum Internationalen Frauentag. Der Aufstand der St. Petersburger Frauen galt als Auslöser für die Februarrevolution.

Bild: Frauentags-Demo am Newski Prospekt in Petrograd im März 1917. (Bild: Wladimir Minkewitsch/ Ria Novosti)

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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